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Vorbemerkung

Vorgeschichte

Vorschlag über Aufstellung eines Flakkommandos

Technische Leistungsangaben Flak-R

Vorschläge für den Einsatz Flak-R

Bodenorganisation

Baubeschreibung

Anwendung

Projekte S II

 

Teil 2

 

 Technische Berichte

Dokumente in der Zeitlinie

Bilder & Skizzen

Dia Show

 

 

Die Flakrakete Hs 117


„Schmetterling"


Obwohl die Bezeichnung „Flak" aus den Anfangsbuchstaben der Worte Flieger-Abwehr-Kanone entstanden ist und deshalb in Verbindung mit Raketen eigentlich nicht ganz richtig ist, wollen wir sie hier anwenden, weil sich während des Zweiten Weltkrieges das Wort „Flak", auch im amtlichen und dienstlichen Gebrauch für alles, was mit der Fliegerabwehr zu tun hatte, eingebürgert hatte. Man sprach von der „Flak" als Truppe, von Flakkanonieren, Flaksoldaten, Flakscheinwerfern usw. Richtiger wäre allerdings der Name Flabraketen, wie er auch zumindest bei Beginn der Entwicklung gelegentlich gebraucht wurde.
Auch die Abkürzung „Fl" wurde wahlweise für Fliegerabwehr, Flugabwehr und Flugzeugabwehr verwendet, worauf hier nicht weiter eingegangen werden soll.


Vorbemerkung


Die Entwicklung von Raketen stand in Deutschland von Anfang an unter einem „unguten Stern". Es dauerte sehr lange, bis man den Wert der Raketentechnik erkannte. Zwar beteiligte sich das Reichswehrministerium bereits in den 20er Jahren an einigen Projekten, aber so ganz ernst hatte man diese „unberechenbaren Kracher" nun doch nicht genommen. Man denke nur daran, daß das Heereswaffenamt bereits am 30. 7.1934 „Die Entwicklung von Rauchzylindern für Bordbewaffnung von Flugzeugen zur Bekämpfung von feindlichen Bombengeschwadern" beschlossen hat und wieweit die Entwicklung bis Ende des Krieges mit dem sogenannten RZ 65 gediehen war.


Als man dann zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, 1939, beschlossen hatte, das Prinzip der Rakete für verschiedene Zwecke auszunützen, entstanden viel zu viele Projekte, von denen wirklich nur einige sehr erfolgreich eingesetzt werden konnten, wie „Panzerfaust", „Panzerschreck", „Nebelwerfer". Schon über den Erfolg der „V 1" und „V 2" gehen die Meinungen auseinander. Auf die Raketen-Triebwerke, z. B. für Flugzeuge, soll hier nicht weiter eingegangen werden.

 

Stellung Flakraketen Hs 117

Stellung mit Flakraketen "Schmetterling"

 


Erste Überlegungen, das Raketenprinzip auch zur Bekämpfung von Flugzeugen in Form von Flak-Raketen anzuwenden, wurden ebenfalls bereits zu Beginn des Zweiten Weltkrieges angestellt, als es sich nämlich schon abzeichnete, daß Flugzeuge in Höhen vorstoßen würden, die mit herkömmlichen Geschützen nicht mehr zu erreichen waren.


Aber auch hier ging man nur halbherzig an die Lösung der Probleme heran. Bekannt war, daß Hitler das Raketenprinzip als nutzlose Spielerei abtat. Und weil er sich alle endgültigen Entscheidungen über alle kriegswichtigen Projekte vorbehielt, traute man sich erst gar nicht, mit Vorschlägen an ihn heranzutreten. Tatsächlich konnte sich Hitler auch nicht recht entscheiden. Mal befahl er die Entwicklungen voranzutreiben, dann wieder, weil es ihm viel zu langsam ging, ließ er alles wieder einstellen, um es nach einiger Zeit wieder anlaufen zu lassen. Erst als die SS unter Gruppenführer Kammler die Oberaufsicht über alle Raketen-Entwicklungen 1944 übernahm, ging es mit allen Projekten wieder mit Volldampf voran; aber da war es bereits zu spät.


Der größte Fehler, den man bei der Entwicklung von Flak-Raketen beging, war der, daß man an zu vielen Projekten arbeitete. In Friedenszeiten wäre dies schon zu vertreten gewesen, aber mitten im Krieg, wo es an Produktionsstätten, an Arbeitskräften, an Arbeitszeit und natürlich auch an den verschiedenen Materialien mangelte, mußte sich diese Zersplitterung nachteilig auswirken.
Bekannt sind die verschiedenen Projekte, wie z. B. „Wasserfall", „Rheintochter", „Rheinbote", „Enzian", „Taifun", „Hs 298" und natürlich auch „Schmetterling", mit dem wir uns in diesem Beitrag beschäftigen wollen. Über das Konkurrenzdenken der verschiedenen Firmen und die Rivalitäten zwischen den einzelnen Ämtern, die sich auch nachteilig auswirken mußten, haben wir schon verschiedentlich berichtet.

 

 

Video Schmetterling Abschuss

 

 

 

 


Vorgeschichte


Einen entscheidenden Schritt in Richtung Flak-Rakete stellte der Zielflug 112 des Aggregats V (A5), eine verkleinerte Version des A 4 (später V 2 genannt), als 2. Senkrechtflug vom 15.11. 1939 in Peenemünde dar, der ziemlich erfolgreich verlief. Im Bericht der Flugm. Abt. Sachgr. A/b, Bb.Nr. 18/40 gKdos vom 10.1.1940 als Bericht 85: „Auswertung der Meßergebnisse des Zielfluges 112 des Aggregates V" heißt es unter anderem:


„Die Abnahme der Geschwindigkeit nach Brennschluß ist außer durch Erdbeschleunigung auch durch den Luftwiderstand bedingt. Die Meßwerte streuen allerdings in dem wichtigen Bereich der noch großen Geschwindigkeiten derart, daß daraus keinerlei Schlüsse auf den wirksam gewesenen Luftwiderstand zulässig sind...


... Nach den bisher angestellten Rechnungen verhält sich die Geschwindigkeit schon nach einem guten Drittel der Steigzeit nach Brennschluß innerhalb großer Genauigkeit so wie beim widerstandsfreien Aufstieg."


Aus dem ergänzenden Bericht 92 zum Versuch 112 vom 19. 4.1940 geht eine Scheitelhöhe von 6,0 km und eine Scheitelentfernung von 5,2 km hervor.


Wie die Sache erst richtig ins Rollen kam, ersieht man aus dem Peenemünder Bericht vom 18. 7. 1941 über den Besuch des Generalsbsing. Lucht bei der Heeresversuchsstelle Peenemünde. Anwesend waren weitere ranghohe Ing. der Luftwaffe und auch des Heeres, darunter auch Oberst Dr.-Ing. e.H. Dornberger, der Erfinder der zunächst als Do-Werfer, später als „Nebelwerfer" und zuletzt als Raketenwerfer bekannten Waffen.


In diesem Bericht heißt es wörtlich:

Bei der Besichtigung wurden zunächst vorgeführt:


1. Ein Start A 5 mit SAM-Steuerung auf der Greifswalder Oie.
2. Zwei Brennversuche mit Starthilfen (2 B-7-Gondeln gleichzeitig, 1 B-8-Gondel einzeln).
3. Ein Steuerversuch mit A 5 auf Prüfstand VI.
4. Ein Brennversuch mit 25-t-Ofen auf Prüfstand I. Sämtliche Versuche gingen einwandfrei.



In den anschließenden Besprechungen wurde festgestellt:


1. Auf Grund einer Verfügung des Reichsmarschalls ist der General-Luftzeugmeister mit der verantwortlichen Leitung der Entwicklungen auch auf dem Flakgebiet beauftragt worden. GL wird daher als Auftraggeber in den von dem General der Flakartillerie erteilten Auftrag auf Entwicklung einer funkgesteuerten Flugabwehr-Flüssigkeitsrakete einsteigen. Von der taktischen Brauchbarkeit dieses Geräts versprechen sich die Herren der Luftwaffe jedoch wenig, da der Aufwand zu groß ist. Die Hauptbedeutung dieser Entwicklung wird vielmehr darin erblickt, daß sie die grundlegenden Vorversuche für den vollgesteuerten Interceptorjäger ergeben wird. Die Formulierung der genauen Aufgabenstellung und die Festlegung des Entwicklungsweges soll in nächster Zeit in einer Besprechung mit Obersting. Beckmann in Berlin erfolgen. Dabei soll insbesondere entschieden werden, ob Entwicklung eines besonderen Triebwerks überhaupt vorzunehmen ist, oder die Steuerversuche ausschließlich mit A 5 durchgeführt werden sollen. Obersting. Beckmann hat die von der H.V.P. gestellten Personalanforderungen zur Kenntnis genommen und wird sich um Gewinnung der Kräfte bemühen, wobei besonders von der Herausziehung von Truppensoldaten auf neuzuschaffende Soldatenplanstellen Gebrauch gemacht werden soll.


2. Die Entwicklung eines Rückstoß-Interceptors nach den Peenemünder Vorschlägen soll in Angriff genommen werden. Beteiligung der Firma Messerschmitt ist jedoch nicht erwünscht, da diese zu stark belastet ist, statt dessen soll Firma Fieseier eingeschaltet werden. Die Bearbeitung soll zunächst nur projektmäßig in engster Zusammenarbeit zwischen HVP und Fieseier erfolgen. Aufnahme des Baues der Maschine erst nach Vorliegen der ersten Ergebnisse mit der automatischen Nachsteuerung von A 5 auf Flugziele.


3. Für die Durchführung von Abwürfen mit dem A-5-Gleiter wird durch Obersting. Reidenbach ab 1. 10. ein geeignetes Abwurfflugzeug He 111 (H 5 oder H 6) zur Verfügung gestellt. Das Flugzeug soll einem noch zu bestimmenden Reparaturwerk entnommen werden. Vornahme der Sondereinbauten (Aufhängebrücke, Vollsteuerung, Leitstrahlempfänger usw.) kann bereits im Reparaturwerk erfolgen.

 

Kistenrolle

Modell Hs 117

 


Am 25.10.1941 fand eine Besprechung zwischen Herrn des HVP Peenemünde und des RLM in Berlin statt, worüber am 28. 10. 1941 unter dem Az 67 a 18 Bb.Nr. 1218/41 gKdos einer Niederschrift angefertigt wurde: Betreff: Interceptorvorhaben und Fla.R.-Entwicklung.


Flg.-Stabsing. Bree teilte mit, daß innerhalb des RLM das Entwicklungsvorhaben der unbemannten Flak-Rakete wie folgt bearbeitet würde: Die taktischen Forderungen werden vom Generalstab der Luftwaffe 6. Abt. bearbeitet. Die Federführung der technischen Durchführung liegt innerhalb des RLM beim C-Amt Generaling. Reidenbach, Amtsgruppe Entwicklung. Mit der Bearbeitung beauftragt ist die Abteilung LC 2, Gruppenleiter Flg.-Stabsing Bree.


LC 4 Flg.-Stabsing. Günthner ist nach der neuen Fassung an diesem Vorhaben zunächst nicht mehr beteiligt. Obersting. Beckmann, bisher Abteilungschef LC 4, ist mit Wirkung vom 1.10. zum Generalluftzeugmeister zur Bearbeitung eines Sonderauftrages versetzt. Neuer Abteilungschef LC 4 ist Oberstleutnant Dr. Wülbling.


Seitens des RLM ist beabsichtigt, einen besonderen Arbeitsausschuß aufzustellen, der gemeinsam die taktischen und technischen Anforderungen an ein unbemanntes, gesteuertes Flakgeschoß formuliert und die späteren Entwicklungen beurteilt. (Also eine Art Preisrichterkollegium.) Neben vom Heer vorzuschlagenden Angehörigen dieses Arbeitsausschusses soll im Auftrag des RLM folgender Personenkreis dem Arbeitsausschuß angehören:

1. General der Flieger Jeschonek
2. Generalingenieur Reidenbach
3. Prof. Wagner, Henschell Flugzeugbau
4. ein techn. Vertreter der Fa. Zeiss-Jena
5. die Sachbearbeiter beim Genst.d.L.6 Abt. und RLM LC 2 und LC 4.



Seitens LC 2 ist beabsichtigt, die Entwicklung des unbemannten, gesteuerten Flakgeschosses mehreren Stellen gleichzeitig zu übertragen, darunter der HVP. Eine Parallelentwicklung ist anscheinend bei Fa. Walther, Kiel, vorgesehen. Die Entwicklung bei der HVP soll hierbei vollständig nach dem Ermessen der HVP durchgeführt werden. Bezüglich der technischen Einzelheiten hat die HVP vollständig freie Hand; sie wird seitens LC 2 wie eine Firma angesehen, die einen Entwicklungsauftrag des RLM bearbeitet. Für die Bearbeitung aller mit dem Entwicklungs- und Versuchsvorhaben zusammenhängenden Fragen ist ein kleiner Arbeitsausschuß erforderlich, dem zweckmäßig lediglich die technischen Sachbearbeiter von LC 2 und HVP angehören.


Die eigentliche Interceptorentwicklung wird nach wie vor durch Flg.-Stabsing. Antz LC 2 bearbeitet. LC 2 hat am 25.10. 1941 der Fa. Messerschmidt, Augsburg, einen Auftrag über den Bau von 70 Interceptoren der schwanzlosen Bauart nach Lippisch übertragen. Diese Interceptoren sollen bis 18 km Flughöhe erreichen und in dieser Höhe noch über eine Aktionszeit von 5 Minuten verfügen. Über die Steigdauer konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Der Einsatz dieser Interceptoren, die nur für Tagesjagd vorgesehen sind, soll bereits Mitte 1942 erfolgen. Für diese Interceptoren wird eine Spezialformation der Luftwaffe aufgestellt.


Dieser Vorgang wäre eigentlich nicht weiter groß beachtenswert, wenn nicht Hitler nur knapp einen Monat zuvor, nämlich am 11. 9. 1941 durch „Führerbefehl" die Einstellung aller kurzfristig nicht zu realisierenden Waffensysteme (u. a. auch Flak-Raketen) befohlen hätte.


Nun aber, nachdem sozusagen gegen den Führerbefehl das RLM die Schaffung eines Arbeitsausschusses für die Entwicklung eines unbemannten Flakgeschosses gefordert hatte, machte Peenemünde gleich „Nägel mit Köpfen", indem es in einer internen Besprechung die „Unterlagen für die Entwicklung einer Flakrakete" für eine Besprechung im RLM aufstellte.


Diese Aufstellung ist so wichtig und interessant, daß wir es im Original als Dokument 1 vom 19.10.1941 wiedergeben wollen.

 

29.10.1941

19.10.1941

 

Trotzdem war noch im Mai 1942 das Problem mit der Flakrakete nicht gelöst. So schrieb der Chef der 6. Abteilung an den Chef des Generalstabes der Luftwaffe einen längeren Bericht: „Ablauf der Flakentwicklung und Vorschläge", den er mit folgenden Sätzen schließt:

„Die geschilderten Vorgänge zeigen, daß wichtige Entwicklungsaufgaben an inneren Kompetenzfragen gescheitert sind oder wegen mangelnder Zusammenarbeit der Abteilungen nur eine schleppende Erledigung fanden. L Flak ist an dem Kernproblem der Flakentwicklung vorbeigegangen, nicht etwa aus Mangel an fähigen Bearbeitern, sondern offenbar weil die verdienten, aber in alten Bahnen erstarrten Persönlichkeiten, die brennendsten Fragen der Entwicklung nicht mehr sehen, ihre Bereiche durch klare Zielsetzung auf deren Lösung nicht ansetzen und aufeinander fördernd einspielen konnten".



Um der Flakentwicklung einen neuen Impuls zu geben und die für die Luftverteidigung außerordentlich wichtigen Aufgaben einer schnellen Lösung zuzuführen, wird vorgeschlagen:
1. An Entwicklungsforderungen
a) Als Sofortprogramm die Leistungssteigerung eingeführter schwerer Flakgeschütze.
b) Verminderung der Geschoßflugzeit um die Hälfte.
c) Lösung der Flakrakete unter Ausnutzung aller Möglichkeiten und Zusammenfassung aller Kräfte der Luftwaffe und Industrie.


2. Statt der zeitraubenden Erprobung von Versuchsgeräten bei FAS, ihren Einsatz in nächster Nähe der Entwicklungsstellen oder Entwicklungsfirmen zu befehlen. Dadurch würde es den Entwickelnden ermöglicht, die an den Versuchsgeräten auftretenden Fehler schnellstens zu beheben und für die Weiterentwicklung ohne Zeitverlust auszuwerten. Dem FAS bliebe es trotz dieser Regelung unbenommen, die Versuchsgeräte mit ihrem Personal zu besetzen und ihre Erprobungen durchzuführen.


Dieser, von „deutlichen" Formulierungen strotzende Bericht muß wohl auch dem General der Flakwaffe beim Oberbefehlshaber der Luftwaffe zur Kenntnis gelangt sein. Jedenfalls sah er sich veranlaßt, am 22. 6. 1942 unter der Nr. 970/42 g.Kdos. eine „Übersicht über den Entwicklungsstand und die Entwicklungsabsichten der Flakartillerie" aufzustellen.


Aus Platzgründen, aber auch weil uns hier die umfangreichen Angaben über die Entwicklung der Flakgeschütze, Kommandogeräte usw. nicht interessieren, sollen nur die Abschnitte wiedergegeben werden, die sich mit den Flakraketen beschäftigen. Und dazu heißt es im Abschnitt "Entwicklungswege":

Es kann vorweggenommen werden, daß die restlose Erfüllung der Hauptforderung - Abkehr von der auf der Flakhypothese beruhenden Vorhalterechnungen - nur mit ferngesteuerten Flakgeschossen oder Flakraketen möglich ist.
Da die Raketenentwicklung bisher erst im Anfangsstadium steht, muß sie stufenweise vorwärts getrieben werden.
a) Unlenkbare Pulverrakete, geeignet zum Einsatz mit vorhandenen Kommandogeräten.
b) Nach Sicht ferngesteuerte Rakete.



c) Elektrisch ferngesteuerte Rakete, die in Zielnähe selbst steuert und zündet. Im Abschnitt „Entwicklungsabsichten der Flakartillerie" heißt es beim Kapitel


Flakraketen:

a) Entwicklung einer (unlenkbaren) Pulverrakete, geeignet zum Einsatz in Verbindung mit eingeführten Kommandogeräten (Entwicklungsvorstufe).

b)Entwicklung einer nach Sicht gesteuerten Rakete. (Zwischenlösung im Zuge der Gesamtentwicklung, Endlösung für Einsatz bei Feldflak.)

c) Entwicklung einer störsicheren ferngesteuerten Flakrakete, die in Zielnähe steuert und zündet und frühzeitige, wirksame Bekämpfung von gepanzerten, schnellsten und Höhenflugzeugen gewährleistet.



Forderungen über Forderungen, die natürlich alle nötig waren, aber doch nicht so recht zum Tragen kamen, weil der Streit um Kompetenzen munter weiterging.


So fertigte z. B. der Luftwaffenführungsstab unter der Br.B.Nr. 1124/42 g.Kdos. am 30.6.1942 einen Aktenvermerk an, der an den General der Flakwaffe und an den Chef GL/C weiterging: Betrifft: Unterstellung von Gr. Il/Wa Prüf 11 unter GL.


Wa Prüf 11, Gruppe II (Gruppenleiter Fl. Stabsing. Zeyss) entwickelt z. Zt. Raketenantriebe für Bomben, Bordbewaffnung auf R-Grundlage, Flak-Pulver-Rakete (R.-Fla.), Kurzzeitsperren und Z.Z.-Störkörper auf R-Grundlage. Die von Fl. Stabsing. Zeyss in kurzer Zeit erfolgreich
durchgezogene Entwicklung von rückstoßfreien Leichtgeschützen für Fallschirmtruppe wurde unter der Begründung, daß dies eine rein artilleristische Entwicklung sei einer anderen Gruppe von Wa Prüf 11 zur Weiterbearbeitung übertragen. Von der Gruppe II werden also nur noch reine Luftwaffenentwicklungen bearbeitet, an denen das Heereswaffenamt nicht in notwendigem Umfang interessiert sein kann und zu sein scheint.


Es erscheint daher wünschenswert, Wa Prüf 11/Gruppe II mit dem jetzigen Personal (Fl. Stabsing. Zeyss, Dipl.-Ing. Schiene, Dr. Merten, Obltn. [Flak] Dr. Orthmann) aus dem Heereswaffenamt zu lösen und dem Technischen Amt zu unterstellen.

Dadurch wäre gleichzeitig eine engere Zusammenarbeit mit den Dienststellen von GL/C-E gewährleistet oder sogar eine Zusammenfassung verwandter Arbeitsgebiete ermöglicht (z. B. angetriebene Bomben und Bombenantriebe, Kz.-Sperren und Feuerwerkssperrkörper).


Am 18.9.1942 konnte der General der Flakwaffe v. Axthelm endlich allen zuständigen Stellen mitteilen, daß der Reichsmarschall Hermann Göring das Entwicklungsprogramm der Flakartillerie 1942 genehmigt habe (siehe folgend Dokument vom 18.09.1942).

 

18.09.1942

18.09.1942


Dieses ganze Flakprogramm interessiert in diesem Zusammenhang nicht. Viel wichtiger ist dagegen die Zusammenstellung des Generals der Artillerie vom 25. 9.1942: „Taktisch-technische Forderungen für die Entwicklung von Flakraketen", die auf Grund des von Göring genehmigten Flakentwicklungsprogramms zusammengestellt wurden, und welche wir deshalb als Dokument vom 25.09.1942 im Original wiedergeben wollen.

 

25.09.1942

25.09.1942 pdf. Datei Grösse 6 MB

 


Nun finden wir in dieser Forderung erstmals auch die Entwicklung von Henschel auf Seite 6 erwähnt, die später als Hs 117 unter dem Tarnnamen „Schmetterling" bekanntgeworden ist.


Und weil wir uns im weiteren Verlauf noch eingehend mit dieser Rakete beschäftigen werden, wollen wir jetzt doch in einer Bildfolge die Funktion des Schmetterlings zeigen, damit die nicht so beschlagenen Leser auch wissen, worum es geht.

 

TRansportkiste Hs 117

Bild 1: Flakrakete „Schmetterling" in Transportkiste. Die Kiste wird mit Hubgerät hochgekurbelt, damit...

 

Kistenrolle

Bild 2: die Kistenrolle für den Transport druntergeschoben werden kann

 

Ladewagen

 

Bild 3: Der „Schmetterling" konnte aber auch mit dem Ladewagen transportiert werden. Hier wird er aus der Transportkiste gehoben und auf den Ladewagen gesetzt.

 

TRansportkiste Schmetterling

 

Bild 4: Um den „Schmetterling" aus der Transportkiste entnehmen zu können, mußte zuerst der Kistendeckel abgenommen werden...

 

TRagvorrichtung Rakete

 

Bild 5:... und die Rakete mit den Tragevorrichtungen herausgenommen werden.

 

Ladewagen aufsetzen

Bild 6: ... dann wurde sie auf den Ladewagen gesetzt

 

Laderampe und Ladewagen

Bild 7:... der Ladewagen auf die Laderampe gesetzt.

 

Abschussvorrichtung Hs 117

Bild 8:... und auf dieser zur Abschußvorrichtung (R-Geschütz) gefahren

 

Schmetterling auf Abschussrampe

Bild 9: „Der Schmetterling" auf dem nach allen Seiten richtbaren R-Geschütz

 

Mit Schreiben vom 9.10.1942 sandte Wa Prüf 11 /Stab B 1 an den Luftwaffenführungsstab IT in Berlin eine Liste mit Namen vom Luftwaffenpersonal, welches in Peenemünde für die Entwicklung einer gesteuerten Flakrakete benötigt wurde. Im Anschreiben Bb.Nr. 947/42 g.Kdos. heißt es unter anderem wie folgt:

2. Hauptfederführend für die Entwicklung ist gemäß ObdL, Führungsstab I T General der Flakwaffe Az. 67 Nr. 1730/42 g.Kdos. vom 25. 9. 1942. Die taktischen und technischer Forderungen wurden mit gleicher Verfügung übersandt. Dringlichkeitsstufe DE wird vor Wa Prüf 11 über L Flak beantragt. RdL und ObdL sorgt für die notwendige Zurverfügungstel lung von Rohstoffkontingenten und Personal. Die erforderlichen Kontingente werden zu der entsprechenden Terminen rechtzeitig durch Wa Prüf 11 bei L Flak beantragt. Um Mitteilung der Anforderungstermine durch L Flak wird gebeten.
Die Entwicklung wird bei der Heeresanstalt Peenemünde durchgeführt, die Wa Prüf 11 unterstellt ist.
4. L Flak ist es unbenommen, sich jederzeit über den Stand der Entwicklung zu unterrichter Hierüber vereinbaren L Flak und Wa Prüf 11 das Nähere.

 


Nachdem Hitler am 1.9.1942 das neue Flakentwicklungsprogramm genehmigt hatte, und es Göring gelungen war, mehr Entscheidungsbefugnisse in Bezug auf die Flak-Raketen-Entwicklung zu erhalten, setzte er sich voll für die neue Waffe ein.
Und so konnte der Luftwaffenführungsstab I Tarn 13.10.1942 unter der Nr. 1584/42 g.Kdos unter Bezug auf die Verfügung des Reichsmarschalls Göring Nr. 1038/42 g.Kdos. vom 1.9 1942, die Aufstellung eines Flakkommandos für R-Entwicklung fordern. In dem Schreiben an verschiedene hierfür zuständige Stellen heißt es:


„Der Herr Reichsmarschall hat befohlen, daß die Flak-Raketen-Entwicklung mit äußerstem Nachdruck voranzutreiben ist. Voraussetzung dafür ist u. a. die Aufstellung eines Entwick lungskommandos".
Luftwaffenführungsstab I T überreicht nach Vorbesprechung mit L.ln 4 und L Flak eine Aufstellungsvorschlag. Ein Gegenvorschlag des Heeres (Chef H. Rüst und BdE-Wa Prüf 11 N 947/42 g.Kdos. vom 9.10. 1942) wird unter Rückerbittung beigefügt.

 


Dem Schreiben wird als Anlage beigelegt:


Vorschlag über Aufstellung

eines Flakkommandos für R-Entwicklung

 

1. Bezeichnung: Flakkommando bei der Heeresanstalt Peenemünde.
2. Stärke: 200 Offz., Ing., Uffz. und Mannschaften.
3. Der Kommandeur des Flakkommandos erhält die Diziplinarbefugnisse eines nichtselbständigen Bataillonskommandeurs gem. LDv. 3 i. Das Flakkommando wird disziplinarisch L Flak und wirtschaftlich der HAP unterstellt.
4. Aufgaben: Das Flakkommando bei der HAP führt als Außenstelle von L Flak im Rahmen der HAP die von Wa Prüf 11 in Auftrag gegebenen Entwicklungsarbeiten und Versuche mit Flakraketen durch.
Der Kommandeur des Flakkommandos regelt den Arbeitseinsatz entsprechend den Weisungen von Wa Prüf 11 unter Berücksichtigung der Wünsche des Technischen Leiters des Entwicklungswerkes der HAP.
Als flakartilleristischer Berater hat er Vortragsrecht bei dem Abt.-Chef Wa Prüf 11. Auf Anforderung von L Flak erstattet er unmittelbar Bericht über den Entwicklungsstand.
5. Besetzung der Planstellen:
a) Für Offiziere durch L.P.,
b) für Ingenieure durch OL/PI,
c) für Unteroffiziere und Mannschaften durch Gen.d.Flakwaffe aus den FAR. Personal, das aus den FAR nicht gestellt werden kann, durch Lg.Kdo.lll/IV.
6. Unterbringung (Bau und Ausstattung von Baracken) im Bereich des Lagers Karlshagen der HAP durch Bauleitung der Lw.Peenemünde West.


Mit der Aufstellung des Kommandos wurde aber auch gleichzeitig die Gruppe I T beim Luftwaffenführungsstab aufgelöst. Sozusagen als letzte Handlung richtete sie am 19.10.1942 unter der Bb-B.Nr. 1598/42 g.Kdos. zum Betreff: „Flakkommando für R-Entwicklung" ein Schreiben mit folgendem Inhalt an verschiedene zuständige Stellen:


Infolge Auflösung der Gruppe I T gehen u. a. die von hier wahrgenommenen Aufgaben bezüglich der R-Entwicklung an Gen.d.Flakwaffe über. Für die Aufstellung eines Flakkommandos für R-Entwicklung bei der Heeresanstalt Peenemünde wurden seitens I T folgende Vorarbeiten durchgeführt.


1. Vorschlag an Gerät an Genst.Gen.Qu. 2. Abt. über Etatisierung des Flakkommandos.


2. Abt. hat Aufstellungsvorschlag zuständigkeitshalber an ZA-Org. (Oberst v. Schweinichen) weitergeleitet.
2. Kommandierung von 5 Offz. zur Heeresanstalt Peenemünde ab 15. 1. durch LP. Nach Etatisierung des Flakkommandos muß Kommandierung in Versetzung umgewandelt werden.

3. Auswahl von Ingenieuren, Chemikern usw. aus Bereich LGK lll/IV. Mit Bezug vom 15. 10. 1942 wurden die ausgewählten Ingenieure usw. gemeldet. Meldung ist als Anlage 1 beigefügt. Nach Etatisierung muß LGK lll/IV Befehl über Versetzung der erforderlichen Ingenieure erhalten.


4. Höh.Kdr. d. FAR und FER (Ltn. Walde) wurde gebeten, die für das Flakkkommando notwendigen Arbeiten (siehe Anlage 2) auszuwählen und für kurzfristige Versetzung nach Peenemünde bereitzuhalten. Weitere Facharbeiter können gegebenenfalls aus dem Bereich LGK lll/IV herausgezogen werden. (Sachbearbeiter Hptm. Meifert.) Wa Prüf 11 hat gebeten, keine vorbestraften Soldaten zu versetzen.

 


Inzwischen hat Wa Prüf 11 die als Dokument 3 weiter vorn wiedergegebenen „Taktischtechnischen Forderungen für die Entwicklung von Flakraketen" des Luftwaffenführungsstabes I T durchgearbeitet und am 22.10.1942 unter der Bb.Nr. 977/42 g.Kdos. dazu wie folgt Stellung genommen:


Wa Prüf 11 hat von dem Vorgangsschreiben Kenntnis genommen. Nach vorläufiger Durcharbeitung der einzelnen Punkte wird dazu wie folgt Stellung genommen:


A. Allgemeine Stellungnahme zu den geforderten Entwicklungsstufen des Vorgangsschreibens.


In dem Vorgangsschreiben ist die zielsuchende Flak-Rakete (II) als Vorstufe für die nach elektrischen Meßwerten ferngesteuerte Flakrakete (IV) gefordert.


Die vorbereitenden Erkundungen über die Durchführbarkeit der geforderten Entwicklungsvorhaben haben demgegenüber ergeben, daß die zielsuchende Flakrakete ohne Fernsteuerung


a) der ferngesteuerten Flakrakete taktisch erheblich unterlegen ist und
b) größeren Entwicklungsaufwand erfordert als die ferngesteuerte Rakete.


Das Prinzip des Zielsuchens kommt nur als Zusatz für die letzte Korrektur der bei der ferngesteuerten Flakrakete auftretenden Ortungsfehler in Frage.


Es wird daher gebeten, auf die Entwicklungsvorstufe II in der geforderten Form eines nur zielsuchenden Geschosses zu verzichten und statt dessen das im Abschnitt B im einzelnen ausgeführte Projekt einer ferngesteuerten Pulverrakete einzusetzen.


Begründung:


a) Die zielsuchende Rakete soll in Richtung auf den errechneten Vorhaltepunkt abgeschossen werden und in 3 bis 4 km Abstand mit dem Suchen des Zieles und dem Nachsteuern beginnen. Die Rakete muß also schnell sein, d. h. ihre Geschwindigkeit muß ein Mehrfaches der Flugzeuggeschwindigkeit betragen, um die Vorhaltestrecke nicht untragbar groß werden zu lassen. Die Nachlenkbarkeit der Rakete in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit ist nur gewährleistet, wenn der errechnete Vorhaltepunkt und der wirkliche Ort des Flugzeuges sich um Strecken unterscheiden, die klein sind gegenüber der Entfernung, in der die Steuerung einsetzt. Diese Voraussetzung ist nur dann erfüllt, wenn der Gegner keine oder nur sehr geringe Abwehrbewegungen macht. Es wird also im wesentlichen doch wieder die Gültigkeit der Flakhypothese vorausgesetzt, deren Ausschaltung gerade der Einführung einer Selbststeuerung dienen sollte. Der Gegner wird jedoch Abwehrbewegungen machen, da man wohl annehmen muß, daß zu der Zeit, zu der der Einsatz solcher Raketen in großem Umfang erfolgen kann, der Start einer solchen Rakete vom Gegner bemerkt werden wird. Bei einer Raketenflugzeit von mindestens 20 Sek. beträgt die Vorhaltestrecke bei 300 m/sec Flugzeuggeschwindigkeit mindestens 6 km. Die Maschine kann während dieser Zeit leicht solche Stellen erreichen, an denen sie trotz größten Öffnungswinkels vom zielsuchenden Gerät nicht mehr gefunden werden kann. Selbst wenn das Auffinden des Zieles unter günstigeren Verhältnissen gelingt, ist kein Steuerungsmechanismus in der Lage, in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit die Rakete mit ihrer großen Geschwindigkeit auf die erforderliche stark gekrümmte Bahn zu bringen. Für die ferngesteuerte Rakete ergeben die durchgeführten Rechnungen, daß die Nachsteuerbarkeit auch bei beliebigen Abwehrbewegungen des Gegners gewährleistet bleibt, da bereits der Beginn jeder Abwehrbewegung erkannt wird und ausgesteuert werden kann, während das zielsuchende Geschoß erst die vollendete Abwehrbewegung erkennen kann.


Ein zielsuchendes Geschoß ist ferner leicht durch Ausstreuen von elektrischen Wellen reflektierenden Gegenständen z. B. Metallfolien irrezuführen, während der Bedienungsmann des Funkmeßgerätes merken kann, ob er es mit einem bewegten oder ruhenden reflektierenden Gegenstand zu tun hat.


b) Als zielsuchendes Verfahren ist für die Entfernungen von mehreren Kilometern nur das Prinzip des „Lichtenstein" verwendbar. Während bei der ferngesteuerten Rakete der Leitstrahl vom Boden aus erzeugt wird, muß er hier erst vom Geschoß aus durch das „Lichtenstein-Gerät" erzeugt werden. Dadurch wird der elektrische Aufwand im Geschoß beim zielsuchenden Geschoß größer als beim ferngesteuerten Geschoß. Der Aufwand für die Steuerung wird ebenso groß wie beim ferngelenkten Geschoß, selbst wenn man entgegen den Ausführungen zu a) voraussetzt, daß die zu befahrenden Kurven keine stärkeren Krümmungen aufweisen als beim ferngesteuerten Geschoß. Das zielsuchende Geschoß kann also bei gleichem Wirkungskreis weder leichter noch einfacher werden als das ferngesteuerte Geschoß.


B. Geplanter Entwicklungsgang bei Wa Prüf 11.


Die unter IV der taktisch-technischen Forderungen geforderte ferngesteuerte Flakrakete mit einem Wirkungsbereich von 20 km Höhe und 50 km Kartenentfernung ist nur in mehreren Entwicklungsstufen zu erreichen. Das Endziel wird eine Flüssigkeitsrakete von 6 bis 8t Schub sein. Zum Studium der Steuerverfahren ist es jedoch zweckmäßiger, zunächst mit kleineren Einheiten die Vorerprobung durchzuführen. Dabei soll die Größenordnung dieser Versuchsgeräte zweckmäßig so bemessen sein, daß sich mit ihnen die Forderungen zu II des Vorgangsschreibens erfüllen lassen. Dieses ist mit einer zweistufigen Pulverrakete voraussichtlich erreichbar.


Wa Prüf 11 wird daher zunächst eine leitliniengesteuerte Pulverrakete mit ca. 100 kg Nutzlast in Angriff nehmen. Diese Rakete würde von einem nachrichtbaren Abschußgestell verschossen werden und durch den gleichzeitig als FMG eingesetzten „Würzburg C" bzw. „Würzburg-Riesen" gesteuert werden. Die Verwendung eines Riesen würde dabei nur den Vorteil einer höheren Genauigkeit bieten. Die hohen mit einer Pulverrakete zu erreichenden Abgangsbeschleunigungen machen einen Senkrechtstart unnötig, so daß sich von bestimmten Erhöhungswinkeln an die Verwendung eines zweiten Funkmeßgerätes zum Hineinführen des Geschosses in den Leitstrahl erübrigt. Dieses würde einen erheblichen bodenseitigen Vorteil bedeuten. Es entfällt daher auch die im Vorgangsschreiben unter II, n bis t, geforderte Entwicklung eines neuen Kommandogerätes.


Da mehrstufige Pulverraketen bisher nicht erprobt sind, werden die ersten Versuche mit einem noch zu entwickelnden einstufigen Treibsatz durchgeführt werden, dessen Leistungen allerdings erheblich hinter der Forderung eines Wirkungsbereiches von 20 km Höhe und 20 km Kartenentfernung zurückbleiben werden. Erst nach Abschluß der Erprobung mit diesem Gerät kann die Hinzufügung einer zweiten Triebwerksstufe erfolgen. Der Antrieb dient sowohl im Falle der einstufigen als auch der zweistufigen Ausführung dazu, einen Geschoßkopf mit Nutzlast, Steuerorganen und gesteuerten Kreuzflügeln in Bewegung zu setzen. Bei der Entwicklung der Steuerung kann dabei zum Teil auf Bauelemente zurückgegriffen werden, die für das Gerät A 4 bereits entwickelt worden bzw. noch in der Entwicklung sind.

Bei der als Endziel in Aussicht genommenen Flüssigkeitsrakete würden die bei einem Schrägstart erforderlichen Abgangsbeschleunigungen keinesfalls erreicht werden können. Bei der Flüssigkeitsrakete ist daher das Verfahren, mit nur einem FMG zu arbeiten undurch-führbar. Die Forderung, das Ziel bereits auf 100 km Schrägentfernung an aufzuweisen, zwingt aus Energiegründen zur Verwendung eines „Würzburg-Riesen" für die Zielortung. Die Einfüh-rung der senkrechtstartenden Rakete in die Zielrichtung könnte unter Umständen mit einem kleineren Spiegel erfolgen, wobei dieser Spiegel die Rakete an den durch den „Würzburg-Riesen" erzeugten Peilstrahl abgibt.


Die ersten Steuerversuche mit diesem Zwei-Spiegelverfahren, daß ein Nachlaufgetriebe zwischen Einrichtungsgerät und Leitgerät bedingt, sollen mit dem vorhandenen Gerät A 5 durchgeführt werden. Unabhängig davon wird die Entwicklung eines Triebwerks auf der Salpetersäurebasis in Angriff genommen werden, mit dem die endgültige Flakrakete ausgerüstet werden soll. Bei allen geplanten Entwicklungen ist vorgesehen, die Einzelheiten der taktisch-technischen Forderungen, z. B. vollständige Zerlegbarkeit, zunächst zu Gunsten einer einfachen Lösung und einer schnellen Erreichung vorläufiger Ergebnisse hintenanzusetzen.


Sämtliche Entwicklungsarbeiten können erst in Angriff genommen werden, wenn das von der Luftwaffe zugesagte Personal eingetroffen ist.


Diese „Forderungen" wurden als Grundlage für „Betrachtungen und Vorschläge" ausgewertet, die mit Schreiben vom 4.11.1942 von Wa Prüf 11 an verschiedene Dienststellen gesandt werden (folgendes Dokument vom 04.11.1942).

 

04.11.1942

04.11.1942


Inzwischen ist das „Flakkommando" laut Schreiben von Wa Prüf 11/HAP vom 13.11.1942 Realität geworden und mit einem Tarnnamen versehen worden (folgendes Dokument vom 13.11.1942).

13.11.1942

13.11.1942 pdf. Datei Grösse 1 MB


Am 30.11.1942 wird von L Flak Az. 65 Nr. 9623/42 geh. Stab (I a) an G L/A-Fl III der Antrag auf Errichtung eines Prüfstandes in Peenemünde gestellt, worin auch besonders darauf hingewiesen wird, daß „der Bau des Prüfstandes unbedingt erforderlich sei und das Personal für die vom Herrn Reichsmarschall als vordringlich befohlene Entwicklung bereits vorhanden ist."

Inzwischen wird die Bedrohung aus der Luft für Deutschland immer stärker. Bei einem Nachtangriff auf Stuttgart am 22./23. 11. 1942 werfen 222 britische Flugzeuge 335 Tonnen Bomben ab. Zwar können dabei 10 der angreifenden Flugzeuge abgeschossen werden, aber die Angst vor der sich langsam abzeichnenden Luftüberlegenheit der Westalliierten wird immer größer.


Also beschließt man Ende 1942 auch die Industrie verstärkt in die Entwicklung von Flakraketen einzuschalten. Und so wird nach einer Besprechung am 23.11.1942 zwischen Oberst Dr. Dornberger von Wa Prüf 11 und Dr. Klein von der Firma Rheinmetall schließlich am 7.12.1942 der Auftrag erteilt, eine Flakrakete zu entwickeln, die später unter dem Tarnnamen „Rheinbote" bekannt werden sollte.


Bei der Besprechung und bei der Auftragserteilung (folgendes Dokument vom 07.12.1942) wird ausdrücklich auf die Weisung des Reichsmarschalls Göring vom 1. 9.1942 bezug genommen. Offenbar war man bei Wa Prüf 11 froh darüber, daß sich Dr. Klein persönlich um die Entwicklung kümmern wolle. Jedenfalls findet man auf dem Schreiben vom 7.12.1942 einen handschriftlichen Vermerk der Entwicklungsabteilung EW/L vom 18. 1. 1943 mit folgendem Wortlaut: „Wir haben laut neuestem Entscheid des Abt.-Chefs mit Rheinmetall nichts mehr zu tun. Rheinmetall macht eigenen Treibsatz und eigene Steuerung (Pos. 1). Treibsatz für uns (Pos. 2) entfällt und wird nur von anderen Stellen erledigt."

 

07.12.2009

07.12.1942 pdf. Datei Grösse 1 MB

 

Aus folgendem Dokument vom 11.1.1943 ersehen wir, daß zu diesem Zeitpunkt auch die Entwicklung von Zielsuchgeräten große Schwierigkeiten bereitet hat und man durchaus bereit war Kompromisse einzugehen. Man wollte sogar zunächst noch auf die Forderung nach einer vollständigen Zerlegbarkeit verzichten, wenn eine einfachere Lösung schneller zu erzieler war. Man nahm also bewußt die Gefährdung der eigenen Bevölkerung durch herabstürzende Großteile in Kauf, wenn nur endlich irgendeine Lösung zum Tragen kam. Hierbei ging mar wohl auch davon aus, daß die Gefährdung durch abstürzende abgeschossene Flugzeuge auch nicht schlimmer war und man das Gebiet für die Bekämpfung von Flugzeugen entspre chend wählen müsse.

11.01.1943

11.01.1943


Im Februar 1942 liefen die Brennversuche in Peenemünde bereits auf vollen Touren, so daß man am 5.2.1942 darauf drängte, weitere Prüfstände zu bauen, was man aber nicht mit der vorgesehenen Fernschreiben (folgend vom 05.02.1943), sondern mit einem Schreiben gleichen Datum unter dem Aktenzeichen Az. 66 Nr. 107/43 g.Kdos tat.

 

05.02.1943

Fernschreiben vom 05.02.1943

 


Am 8.2.1943 fand eine Besprechung zwischen den Herren von Wa Prüf 11/11 (L), vom Stab L Flak, der Firmen Krupp und Rheinmetall und der Munitionskommission beim Reichsminister für Bewaffnung und Munition statt. Die Besprechungsnotiz vom 10. 2. 1943, die wir am Dokument (vom 10.02.1943) bringen, zeigt deutlich mit welchen Schwierigkeiten man zu kämpfen hatte.

 

10.02.1943

10.02.1943 pdf. Datei Grösse 4 MB

 

Ein besonderes Problem stellte der Mangel an Sprengstoffen dar. Wenn man, wie in diesem Dokument zu lesen für den Abschuß eines einzigen feindlichen Flugzeugs 12 Tonnen Sprengstoff beim Einsatz der 8,8-cm-Flak 36 und sogar 18 Tonnen bei der 8,8-cm-Flak 4 benötigte, dann kann man die Sorgen der Kommission schon verstehen. Bei schweren Kalibern wird der Pulververbrauch sogar mit 57 Tonnen pro Flugzeug angesetzt, woraus zu ersehen ist, daß mit den schweren Geschützen zwar eine größere Reichweite und Höhe erzielt werden konnte, eine bessere Treffwahrscheinlichkeit aber keinesfalls gegeben war. Kein Wunder also, daß man die Raketen-Projekte bei Henschel (Schmetterling) bei Rheinmetall (Rheinbote) und bei Wa Prüf 11 (Wasserfall) vorantreiben wollte und nach Möglichkeiten eine beschleunigte Entwicklung suchte, was besonders aus dem Dokument vom 15.02.1943 zu ersehen ist.

 

15.02.1943

15.02.1943 pdf. Datei Grösse 8 MB


Die Nachricht eines V-Mannes aus England vom 15.1.1943, daß man dort bereits gute Erfolge mit Flakraketen erzielen konnte hat, wie man aus den Dokumenten a bis c ersieht, einigen Staub aufgewirbelt. Das ist zwar einigermaßen unverständlich, weil man eigentlich schon viel früher hätte Einzelheiten über die britischen Flakraketen haben müssen, die bereits seit 1940 im Einsatz waren.

 

15.01.1943

Nachricht eines V-Mannes !

 

a
b
c
02.02.1943
25.02.1943
15.01.1943

 


Noch waren aber nicht einmal die Möglichkeiten für eine Steuerung der Raketen restlos erforscht worden. Die Vorschläge hierzu sind aus dem Dokument vom 14. 4. 1943 zu ersehen. (Eine Bemerkung hierzu: Die darin verwendete Abkürzung F.M.Ger, wird für Funk-meß-Gerät, also Radar-Ortung, verwendet.)

24.04.1943

14.04.1943 pdf. Datei Grösse 11 MB


Die damit zusammenhängenden Probleme werden auch bei den Besprechungen am 28. 4. 1943 (siehe dazu Dokument vom 05.05.1943) und am 19.5.1943 (Dokument vom 19.05.1943) eingehend erörtert.

 

05.05.1943
19.05.1943
05.05.1943 pdf. Datei Grösse 3 MB
19.05.1943 pdf. Datei Grösse 9 MB

 

Der Stand der Entwicklung geht aus dem Bericht von GL/Flak-E/B.V. hervor, der am 29. 9. 1943 als geheime Kommandosache aufgestellt wurde und den Titel hatte:


Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Vesuvgeräte.

I. Bau des Prüfstandes IX


Die Erprobung der in Entwicklung befindlichen Triebwerke und des späteren Gesamtaggregates „Wasserfall" macht den Bau eines besonderen Prüfstandes in Karlshagen notwendig, da die für das Gerät „A 4" vorhandenen Prüfstandes für das Gerät „Wasserfall" nicht verwendbar sind.


23. 11. 1942
HAP legt Zeichnung und Bauvolumenanforderung für Prüfstand IX vor. 30. 11. 1942
Antrag von L Flak an GL/A auf Genehmigung des Bauvorhabens Prüfstand IX mit vorgenannten Anlagen.


7. 12. 1942
Oberst Dornberger trägt auf Besprechung bei Generalfeldmarschall Milch Dringlichkeit des Baues Prüfstand IX vor. Generalfeldmarschall sagt Genehmigung des Bauvolumens sobald wie möglich zu.

17. 2.1943
Vortrag General von Axthelm beim Reichsmarschall über Dringlichkeit des Prüfstandbaues. 19. 2. 1943
Fernschreiben des Reichsmarschalls an General der Flakwaffe: Genehmigung des Bauvolumens in Höhe von 500000 RM für Prüfstandbau.
Die Genehmigung des Bauvolumens für den Prüfstand IX erstreckte sich mithin über eine Zeitdauer von 3 Monaten. Die Zuteilung der für die Prüfstände notwendigen Rohstoffe beanspruchte wieder mehr als 2 Monate.


In der Zwischenzeit wird Kampf um Baukräfte geführt. Nach unglaublichem Aufwand an Ferngesprächen und Schreiben gelang es endlich, eine RAD-Abteilung nach Karlshagen zu bekommen, in der jedoch keine Baufachkräfte vorhanden waren. RAD-Abteilung wird nach dreimonatiger Tätigkeit offenbar wegen Einziehung zur Wehrmacht wieder weggezogen. Als Ersatz kommt eine RAD-Abteilung mit neu eingestellten Kräften, die infolge vormilitärischer Ausbildung nur täglich mit 60 % der Kopfstärke und nur für 3 Stunden am Tage für Bauarbeiten eingesetzt werden.
Am 29. 6. 1943 erfolgt Hilfeschrei an Generalquartiermeister, der noch am selben Tage Inmarschsetzung einer Baukompanie nach Karlshagen befiehlt. Nebenher läuft Beschaffung von Bauarbeitern über Ministerium Speer.


5. 5. 1943
Anforderung von 100 Bauhilfsarbeitern bei Kommission für Fernschießen. 26. 5.1943
Schnellbrief des Rm.f.B.u.M., Rüstungsamt, an Generalbevollmächtigten für Arbeitseinsatz mit Rotzettel Nr. 0951 für Abstellung der Arbeitskräfte.


27.5.1943
Arbeitsministerium leitet Rotzettel weiter an Arbeitsamt Swinemünde.


28. 5.1943
Eingang Rotzettel in Swinemünde. Abdeckung erfolgt nicht mit deutschen Bauhilfsarbeitern, sondern Arbeitsamt Swinemünde rechnet die Gestellung von 250 Kz.-Sträflingen, die von E-Stelle Karlshagen (Fliegertruppe) für anderweitige Arbeiten angefordert sind, auf Rotzettelanforderungen an. Bedarf von Bauarbeitern für Prüfstand IX somit nach wie vor nicht befriedigt.


24. 6. 1943
Mitteilung von FVSt.d.Lw.Khg., daß 100 Bauarbeiter noch nicht eingetroffen.
25.-28. 6.1943 Klärung der oben dargelegten Fehlleitung.


1.7.1943
Oberstleutnant Halder verlangt beim Ministerialdirektor Schönleben unmittelbar Bereitstellung der Arbeitskräfte.


12. 7. 1943
Eintreffen der ersten Rate (58 Arbeiter) in Karlshagen. 2. 8. 1943
Voraussichtliches Eintreffen des Restes (52 Arbeiter).
Ähnliche Schwierigkeiten sind zu erwarten, hinsichtlich des Baues eines Ausweichprüfstandes, dessen Errichtung infolge des Angriffs auf Karlshagen notwendig geworden ist.

23. 12. 1942
HAP reicht Antrag Baugenehmigung mit neuen Vordrucken, Zeichnungen, Bauvolumen und Kontingentanforderung erneut an Planungsamt ein.


14.1.1943
Planungsamt kann Baueisen noch nicht zur Verfügung stellen, da noch Überhänge vom vorigen Quartal untergebracht werden müssen. Erneute persönliche Unterrichtung des Planungsamtes über die Dringlichkeit des Bauvorhabens. Planungsamt sagt Beschleunigung zu.


5. 2. 1943
Erneute schriftliche Bitte an Planungsamt, Bauvolumen umgehend zu genehmigen, da Entwicklung infolge Fehlens geeigneter Prüfstände Verzögerungen erleidet.

Der Versuch, Baukräfte durch Erhöhung der Kopfstärke der in Karlshagen eingesetzten Wehrmachts-Strafgefangenenabteilung zu erhöhen, scheitert daran, daß laut Führerbefehl alle Strafeinheiten an die Front einzusetzen sind.


Infolge verzögerter Stellung von Bauarbeitern sind Termineinbrüche im Prüfstandbau zu erwarten. Um rechtzeitig Fertigstellung zu erzwingen, wird erhöhte Abstellung von weiteren 140 Bauschlossern usw. erforderlich. Nach Überprüfung dieser Forderung auf ihre Notwendigkeit durch Fachleute der Industrie (I.G. Farben, Leuna) erfolgt am


5. 8. 1943
Vortrag General von Renz bei Chefs des Rüstungsamtes und des Rüstungslieferungsamtes des Reichsministeriums für B.u.M. mit der Bitte um Hilfestellung in personeller Hinsicht.


6. 8. 1943
Rüstungsamt ersucht Sonderausschuß A4 140 Arbeitskräfte im Rahmen der für Karlshagen für Programm A4 gestellten Facharbeiter mit abzudecken.


20. 8. 1943
Rüstungsamt zieht dieses Ersuchen an Sonderausschuß A4 zurück, da zuerst Bedarf für A4 gedeckt werden muß.


Durch eine inzwischen eingeleitete Sonderaktion können bis zum 15. 9. 1943 der FVSt. Karlshagen 10 Bauschlosser aus dem Bereich des Höh. Kdr.d. Flakausbildung und Flakersatz-Regimenter zugeführt werden.

 


II. "Engpaß Mensch"


Die wesentlichen Schwierigkeiten treten immer wieder hinsichtlich der notwendigen Personalbereitstellung für Entwicklungsarbeiten auf. Es folgen einige besonders markante Beispiele:


1. FVSt. Karlshagen:


Aus der FVSt. d.Lw. Karlshagen soll u. a. der Personalbedarf des HAP 11 und der Entwicklungsfirmen für die Vesuvgerät-Entwicklung gedeckt werden. Die ursprüngliche Planstärke (200 Offiziere, Ingenieure, Unteroffiz. und Mannschaften) konnten aus dem Bereich des LGK III und des Höh. Kdr. Flakers. und Ausbildungs.Rgt. verhältnismäßig schnell gedeckt werden. Nach Erhöhung der Planstellen auf 500 wurde versucht, die Fehlstellen durch Anforderungen bei L Wehr und GL/PT zu decken. Die Anforderungen, die nach Fachsparten getrennt ergingen, wurden praktisch überhaupt nicht abgedeckt. Daraufhin namentliche Anforderung. Von den angeforderten Soldaten wurden etwa 50 % versetzt, da die Truppe Einspruch erhob. Der Restbedarf traf nur schleppend ein. Es folgen einige Beispiele: (Aus Platzgründen bringen wir nur ein Beispiel, weil Vorgänge im Rahmen dieses Beitrags unerheblich.)

 

Feldwebel Magnus von Braun (FFSC 7) angefordert am 25. 3. 1943 von L Wehr 2 versetzt am: 17. 4. 1943
Versetzung aufgehoben, da B. als Kampfflieger vorgeschlagen ist und zur Blindflugschule 4
versetzt worden ist, am: 4. 5. 1943
erneut als hochwertiger Chemiker und Spezialist für
Katalisatoren bei L Wehr 2 beantragt am: 21. 5. 1943
Von L Wehr 2 abgelehnt, da B. vor seiner Versetzung zur
Front steht, am: 16. 6. 1943
Aufgrund einer Rücksprache Oberst Hiller/Oberstleutnant

Dr. Halder bei L P 4 beantragt, am: 6. 7. 1943


eingetroffen am:
15. 7. 1943


Am 22.7.1943 genehmigt Generalfeldmarschall Milch die Erhöhung der Planstärke auf 1500. Abgesehen davon, daß die Beschaffung der erforderlichen Anschriften von 100 bei der Truppe befindlichen und für Vesuventwicklung geeigneten Soldaten auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, äußert L Wehr starke Bedenken gegen das Herausziehen von Soldaten aus der Truppe. Generalstab 6. Abt. befiehlt daraufhin, auf Ersuchen von GL/Flak-E in mehreren Aktionen an L Wehr die vorbehaltlose Rückführung namentlich angeführter Soldaten. Diese Aktionen sind wohl zum Teil erfolgreich, jedoch ist das Verfahren der Gesamtdurchführung noch zu langwierig.


Oberstleutnant Dr. Halder versucht über Leiter der Kommission für Fernschießen Prof. Petersen die Bereitstellung der erforderlichen Kräfte durch Ministerium Speer zu erwirken. Ministerium Speer lehnt den normalen Weg der Beschaffung von Arbeitskräften ab und sagt lediglich Unterstützung zu, wenn namentliche Listen von Industriekräften, die zur Wehrmacht eingezogen sind, ihm vorgelegt werden. Bei namentlichen Anforderungen ist die Zurückziehung von Soldaten über Wehrmachtdienststellen leichter zu erreichen.


Drei Personalbeschaffungsaktionen, die in der Zeit vom 3. 7. bis 9. 9. 1943 über die 6. Abt. eingeleitet worden sind, haben folgendes Ergebnis: Von Flak-E wurden namentlich angefordert: 546 Mann. Eingetroffen bis zum 28. 9. 1943: 104 Mann.


Die Tatsache hatte zur Folge, daß Generalfeldmarschall Milch sich auf Vortrag bereit erklärte, bei den Luftflottenchefs darauf persönlich hinzuwirken, daß die bereits versetzten, aber noch nicht eingetroffenen Soldaten in Marsch gesetzt werden.

 


2. Personalbeschaffung für Ausbau Visolanlage:


Zur zeitgerechten Durchführung von Brennversuchen (Triebwerksentwicklung) macht Ausbau der Visolanlage bei der I.G. Farben, Ludwigshafen, bis zum 1.1. 1944 notwendig.


1.7.1943
I.G. Farben meldet bei OKW-Tagung Bedarf von 50 Bauschlossern an und wird aufgefordert, namentliche Anforderung an GL/Flak-E einzureichen. I.G. Farben setzt sich mit Unterstützung von GL/Flak-E mit Flakgruppe Mannheim in Verbindung zwecks aushilfsweiser Abstellung dieser Arbeitskräfte.


2. 8. 1943
Nach mehrfachen Anmahnungen geht namentliche Liste über zur Wehrmacht eingezogene Schlosser ein. Flakgruppe Mannheim wird gebeten, bis zum Eintreffen dieser rückberufenen Arbeitskräfte leihweise Abstellung von Angehörigen der Flakgruppe noch zu ermöglichen.


5. 8.1943
Vortrag General von Renz bei den Chefs des Rüstungsamtes und des R.L.A. des Rm.f.B.u.M. mit der Bitte um personelle Unterstützung.


6. 8.1943
Aufforderung des Rüstungsamtes an Rüstungskommission Saarbrücken, der I.G. Farben dringend 50 Schlosser zur Verfügung zu stellen.

20. 8. 1943
Rücknahme der Anweisung vom 6. 8. 1943, daß anfallendes Personal vordringlich für Programm A4 einzusetzen ist.


20. 9.1943 (etwa)
Eintreffen der ersten über Genst. 6. Abt. namentlich angeforderten 6 Schlosser aus der Truppe in Ludwigshafen. I.G. Farben teilt mit, daß durch Verzögerung des Eintreffens der Bauschlos-ser Ausbau der Visolanlage voraussichtlich erst im Frühjahr 1944 beendet ist.


3. Entwicklung "Rheintochter"


Fa. Rheinmetall-Borsig legt am 3. 6.1943 Terminpläne für Entwicklung Gerät „Rheintochter" vor mit Anmeldung des Personalbedarfs für termingerechten Entwicklungsablauf. Erster Bedarf: 60 Mann. Fertigstellung des ersten Versuchsmodells 3 Monate nach Eintreffen dieses Personals.
Fa. Rheinmetall-Borsig macht auf Anforderung zur Wehrmacht eingezogene Soldaten namhaft. Energischste Bemühungen ermöglichen bis zum 28. 9.1943 Zuführung von 57 Facharbeitern. Zeitverlust mithin nahezu 4 Monate.


4. Entwicklung »Schmetterling"


Noch ungünstiger ist die Personallage der Fa. Henschel, die für die Entwicklung des Gerätes „Schmetterling" die Zuführung von 500 Arbeitskräften (einschließlich für Unterlieferanten verlangt hat. Bis zum 28.9.1943 konnten erst 45 Arbeitskräfte zugeführt werden. Der für den 1.1.1944 vorgesehene Start des ersten vollständigen Gerätes „Schmetterling" einschließlich Steuervorrichtung wird daher voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte des Februar 1944 durchgeführt werden können.
gez. (Unterschrift)


Wie man also aus diesem Bericht entnehmen kann, sah man in der Bewältigung der gestellte technischen Aufgaben keine großen Schwierigkeiten, wohl aber in der Beschaffung des hierfür notwendigen Personals. Wenn man dann so liest, wie die Entwicklungsstellen um die Zuweisung eines jeden Mannes buchstäblich kämpfen mußten, wodurch wertvolle Monate bei der Entwicklung verlorengingen, dann darf man schon fragen, was wohl geschehen währe wenn der „Schmetterling", der „Wasserfall" und verschiedene weitere Geheimwaffen, eben diese 3, 4 oder 5 Monate früher zur Verfügung gestanden wären. Hier wurden also mit einer Engstirnigkeit bei der Personalzuweisung wertvolle Chancen vertan und dringend benötigte Fachkräfte an die Front geschickt, wo sie das „Kraut sicher auch nicht fett machen" konnten.


Obwohl, wie wir vorgehend in diesem Artikel erwähnt haben,... zu diesem Zeitpunkt die erforderlichen Arbeitskräfte bei der Entwicklungsfirma Henschel noch nicht vorhanden waren.... , erging von der Gruppenleitung GL/C unter der Nr. 1019843 (E 2/IV A) g. Kdos. am 6. Oktober 1943 der Erprobungsauftrag für Hs 117 an den Kommandeur der Erprobungsstellen in Rechlin, wobei vorgeschlagen wurde, die Erprobung bei der Erprobungsstelle in Karlshagen vorzunehmen (folgend Dokument vom 16.10.1943).

16.10.1943

16.10.1943


Bei der Festsetzung von Terminen ging man, wie in vielen anderen Fällen auch, ganz entschieden an den gegebenen Möglichkeiten vorbei und ließ sich in vollem Maße von Illusionen leiten. Die Formulierung „Die Erprobung beginnt nach dem derzeitigen Stand der Arbeiten im November" (gemeint ist der November 1943) entsprang einem Wunschdenken. Tatsächlich konnte der erste „Schmetterling", wie man aus der im August 1944 erstellten Typentafel (siehe folgend) ersehen kann, im Mai 1944 starten. Bis Anfang Juli 1944 konnten lediglich 5 Versuchskörper gestartet werden, und nach den schlechten Erfahrungen war an eine Serienfertigung in absehbarer Zeit überhaupt nicht zu denken.

Typentafel
Baubeschreibung Hs 117
Typentafel 1944
Baubeschreibung pdf. Datei Grösse 6 MB


Zwar wurde bei der Besprechung zwischen den Herren von GL/Flak und dem Reichsminister Speer, nach einer Vorführung verschiedener Geräte vor dem Reichsmarschall Göring (worüber wir in chronologischer Reihenfolge noch weiter hinten berichten werden), eine Serienfertigung wie folgt beschlossen:

 

1. HS 117 (Schmetterling) zunächst mit einem Monatsausstoß von 3000 Geräten, 2X4 mit einem vorläufigen Monatsausstoß von 5000 Geräten,
3. HS 298 mit einer Vorserie von 2000 Geräten,
4. „Enzian" mit einer Vorserie von 2000 Geräten,
was man aber, da dies am 30. Oktober 1944 geschah, als reine Wahnvorstellung bezeichnen muß.



Zu diesem Zeitpunkt standen weder die erforderlichen Produktionsstätten, noch das benötigte Personal, noch die Rohstoffe und schon gar nicht eine geregelte Arbeitszeit zur Verfügung, weil die Arbeiter sich öfter in den Luftschutzkellern als an den Maschinen aufgehalten haben. Anstatt daß man sich auf eine vernünftig durchdachte Flakrakete konzentriert und diese mit den damals verfügbaren Mitteln mit „Volldampf" vorangetrieben hätte, zersplitterte man sich auf viele Projekte, die schließlich zwangsläufig nicht zu Ende geführt werden konnten.


Die Entschuldigung, daß man heute leicht urteilen könne, stimmt nur ganz bedingt. Gerade ein Reichsminister Speer, der über alle Möglichkeiten bestens informiert war, bei Hitler alle paar Tage zu Rapport erscheinen mußte, mußte gewußt haben, daß nicht die geringste Chance bestanden hatte, diese Forderungen auch nur zu einem Bruchteil zu erfüllen.


Aber so war das damals: Man brauchte nur den kommandierenden Generalen zu befehlen, keinen fußbreit Boden preiszugeben - und schon kamen die Millionenheere der Gegner zum Stehen; man brauchte nur die Fertigung von Unsummen an Geräten zu befehlen - und schon lief alles von ganz allein. So wollte man einen Krieg gegen die ganze Welt gewinnen!!!

Im Pläneschmieden waren die Herren wirklich unübertrefflich.
So hat der Staatssekretär der Luftfahrt und Generalinspekteur der Luftwaffe, GL/Flak-E/B. V. unter dem Zeichen 1082/43 g.Kdos-Chefsache, am 15.12.1943 die „Vorschläge für Einsatz und Bodenorganisation von Flakraketen" an alle möglichen Generalstäbe, an die Gruppenleiter der Flakentwicklung, an die Ajutantur beim Führer usw. unterbreitet, die wir nachstehend im vollen Wortlaut wiedergeben wollen, obwohl sie ziemlich umfangreich sind. Weil sie aber als Zeitdokument festgehalten werden sollen, glauben wir dazu verpflichtet zu sein.
Dem sehr umfangreichen Vorschlag lagen eine Menge von Berechnungen und Tabellen bei, die als „Bild" gekennzeichnet wurden. Da sie nur theoretischen Charakter haben, wollen wir, aus Platzgründen, nur einige wiedergeben.


Hier nun der Text:

Die Vorbereitungen für die Serienfertigung von Flakraketen sind in vollem Gang. Nachfolgend werden Vorschläge für Einsatz und Bodenorganisation überreicht.
Im auch auf diesen Teilgebieten die notwendigen Vorbereitungen rechtzeitig einleiten zu können, wird gebeten, führungsseitig sobald als möglich die erforderlichen grundsätzlichen Entscheidungen zu treffen. Besonders wichtig ist dabei die Frage, an welchen Stellen Flak-R-Batterien zuerst eingesetzt werden sollen, da in diesen Bereichen auch die ersten Nachschublager angelegt werden müssen.

 

 



Technische und Leistungsangaben über Flak-R.


I. Allgemeines.


Die 4 Flak-R „Wasserfall" „Enzian" „Schmetterling" „Rheintochter"
sind mit ihren Hauptabmessungen in Bild 1 vergleichsweise gegenübergestellt. „Wasserfall" ist eine Überschall-Flak-R, die übrigen fliegen im Unterschall (v kleiner als 333 m/s). Die wichtigsten Angaben über Ausführung, Leistung, Maße und Gewichte enthält Tabelle 1.

 

Flak-R

Bild 1

 

Tabelle 1 Flak-R

Tabelle 1

Aufstellung Technische und Leistungsangaben für die Flak-R- "Wasserfall", "Enzian", "Schmetterling" und "Rheintochter".

 

 

Die Geschwindigkeitskurven für eine Bahn mit etwa 45° Zielhöhenwinkel sind im Vergleich zur entsprechenden Kurve der 12,8-cm-Sprenggranate Flak 40 in folgender Darstellung dargestellt.

Geschwindigkeitskurven

Bild 2

 

Zur Kennzeichnung der Leistungen der Flak-R werden folgende Begriffe festgelegt:
a) „Wirkungsbereich n = 0". Das ist die größte Reichweite gegenüber Flugzielen, die geradeaus fliegen und keine Abwehrbewegungen machen. Der Wirkungsbereich ist auch von der Geschwindigkeit des Flugzieles (vh) abhängig.


b) „Wirkungsbereich n = 2". Das ist die größte Reichweite gegenüber Flugzielen, die beliebige Abwehrbewegungen bis zu ihrem 2fachen „Lastvielfachen" (bis zur 2fachen Erdbeschleunigung) ausführen n = 2 ist als die heute für Kampfflugzeuge mögliche obere Grenze des Lastvielfachen angenommen worden. Für Sturkampfflugzeuge liegt diese Grenze höher, etwa bei n = 5. Der Wirkungsbereich n = 2 ist kleiner als der Wirkungsbereich n = 0.


c) „Totbereich n = 0 (bzw. n = 2)". In diesem Bereich in der Umgebung der Startstelle können die Flak-R noch nicht vollgesteuert werden. Entweder ist ihre Geschwindigkeit und damit die für die Steuerung erforderliche Auftriebskraft noch nicht groß genug, oder der Schießende hat die Flak-R durch die Funklenkung noch nicht völlig in der Hand.

d) "Kurven gleicher Flugdauer". Aus ihnen ist die Flugdauer der Flak-R zu jedem beliebigen Treffpunkt innerhalb des Wirkungsbereichs zu ersehen.
Die Wirkungsbereiche der Flak-R gegen Ziele ohne Abwehrbewegungen (n = 0) enthält Bild 3. Gegen Ziele, die mit n = 2 beliebige Abwehrbewegungen ausführen, enthält Bild 4 die Wirkungsbereiche. Zahlenmäßig sind die Wirkungs- und Totbereiche für verschiedene Zielhöhen in Aufstellung 2 nochmals zusammengestellt.

 

Bild 3
Bild 4

Tabelle 2

Tabelle 2

Halbmesser der Wirkungsbereiche und Totbereiche für verschiedene Zielhöhen

 


II. „Wasserfall"


„Wasserfall" ist eine mit veränderlicher Überschall-Geschwindigkeit fliegende Rakete mit Flüssigkeitsantrieb. Sie hat (Bild folgend) im Mittelteil Kreuzflügel und am Heck 4 Flossen, die in 4 großen Luftrudern endigen. 4 kleinere Ruder liegen im Antriebsstrahl (Strahlruder). Sie wird in senkrechter Stellung von einem kleinen Wagen aus gestartet und durch Funklenkung entweder mit Knüppelsteuerung von Hand oder selbsttätig zum Ziel gesteuert. Die Steuerung erfolgt nach Ablauf eines vorberechneten Einlenkvorganges, der die senkrecht gestartete Flak-R in Richtung zum Ziel lenkt, nach dem Dreipunkt-Deckungs-Verfahren. In jedem Augenblick liegen hier Ziel, Flak-R und Zieleinrichtung am Boden in einer Graden. Die Überlegenheit des „Wasserfall" als Überschallrakete gegenüber den anderen Flak-R zeigt die Geschwindigkeitskurve (Bild 2 oben). Die Höchstgeschwindigkeit von rd. 770 m/s wird bei Brennschluß des Antriebs erreicht. Von da ab fliegt die Flak-R ohne Antrieb mit abnehmender Geschwindigkeit. Da ein besonderer Zusatzantrieb beim Start fehlt, ist der Geschwindigkeitsanstieg anfangs geringer als bei den übrigen Flak-R.

 

WasserfallWasserfall

"Wasserfall"

 


Daß „Wasserfall" auch mit einer sehr weitgehenden Entwicklung von Flugzeugen und Fernkampfmitteln Schritt halten kann, veranschaulicht Bild 5, das in der äußeren Kurve den Wirkungsbereich gegenüber Flugzeugen mit vh = 250 m/s für n = 0 enthält. Wenn die Ziele bei dieser Geschwindigkeit Abwehrbewegungen bis zu n = 2 machen würden, könnten sie nur noch innerhalb der beiden kleinen Bereiche bekämpft werden, die von den strichpunktierten Linien umschlossen sind.

 

Bild 6

Bild 5

 


III. „Enzian"


Die Flak-R „Enzian" ist eine mit veränderlicher Unterschallgeschwindigkeit (v = 150 bis 275 m/ s)
fliegende Rakete in der Bauart eines schwanzlosen Flugzeugs (Bild 6), das nur um die Längsund Querachse gesteuert wird. Eine zur Längsachse symmetrische Seitenflosse dient der Stabilisierung um die Hochachse.

 

Enzian

Bild 6: "Enzian" auf Startgestell

 

„Enzian" kann entweder senkrecht von einem kleinen Startwagen oder auch schräg in Richtung zum Ziel von einem Startgestell aus gestartet werden. Am Rumpf sind ober- und unterhalb der Flügel 4 Starthilfen angebracht, die etwa 6 s nach dem Start durch Sprengbolzen abgesprengt werden. Von hier ab übernimmt der Flüssiskeitsantrieb allein den weiteren Vortrieb bis zum Ende der Gesamtbrenndauer von rd. 70 s. Nach Brennschluß fliegt die Flak-R mit absinkender Geschwindigkeit weiter (Bild 2). Bild 7 enthält die Wirkungs- und Totbereiche für n = 0 und n = 2. Der Totbereich ist bei „Enzian" besonders klein.

 

Bild 7 Enzian

Bild 7: Wirckungsbereich "Enzian"

 

 

IV. „Schmetterling"


„Schmetterling" ist eine mit annähernd gleichbleibender Unterschallgeschwindigkeit (v = 210 m/s) fliegende Rakete in der Bauart eines Flugzeugs (Bild 1). Sie hat 2 Tragflügel und am Heck ein Seiten- und Höhenleitwerk. Sie wird von einem Startgestell aus schräg in Richtung zum Ziel durch 2 Pulverstarthilfen gestartet, die auf der Ober- und Unterseite der Zelle angebracht sind und nach etwa 600 m Flugweg abgesprengt werden. Von da ab übernimmt ein Flüssigkeitsantrieb den weiteren Vortrieb, bei dem die Geschwindigkeit auf einen ungefähr gleichbleibenden Wert eingeregelt wird. Dies ist zwar eine Erleichterung für die Fernlenkung, aber eine Erschwerung für die Triebwerkkonstruktion.
Bild 8 enthält die Wirkungsbereiche für n = 0 und n = 2, den Totbereich und die Kurven gleicher Flugdauer. Der Totbereich fällt etwa mit der Linie von 20 s Flugdauer zusammen, da angenommen wird, daß der Steuermann am Knüppel erst nach dieser Zeit überhaupt in der Lage ist, die Flak-R richtig zu steuern.

 

Bild 8

Bild 8: Wirckungsbereich "Schmetterling"

 


V. „Rheintochter"


Die Flak-R „Rheintochter" ist eine mit veränderlicher Unterschallgeschwindigkeit fliegende Rakete, die als rundumsymmetrischer Körper mit 6 Flügeln gebaut ist (Bild 1). Sie wird von einem Startgestell aus schräg in Richtung zum Ziel durch einen Pulverantrieb gestartet, der nach etwa 0,7 s abgeworfen wird. Der Startantrieb ist ebenfalls ein rundumsymmetrischer Körper mit 4 Flügeln. Nach Abwurf dieses Antriebs übernimmt der Hauptantrieb (z. Zt. Pulver) den Vortrieb. Nach Brennschluß fliegt die Flak-R mit absinkender Geschwindigkeit weiter (Bild 2). Zur Steuerung trägt die „Rheintochter" an der Spitze 4 Ruder.

 

Rheintochter

"Rheintochter"

 

Die Wirkungs- und Totbereiche und die Kurven gleicher Flugdauer enthält Bild 9.

 

Bild 9

Bild 9: Wirckungsbereich "Rheintochter"

 


Zusammenfassung:


Wasserfall" ist eine Überschall-Rakete, "Enzian", „Schmetterling" und „Rheintochter" sind Unterschall-Raketen.
Den größten Wirkungsbereich hat „Wasserfall", den kleinsten „Rheintochter" (Tabelle 2).

Die Sprengstoffnutzlast beträgt bei

„Wasserfall"
100 kg
„Enzian"
550 kg
„Schmetterling"
23 kg
„Rheintochter"
100 bis 150 kg



Die Fernlenk-Verfahren sind bei allen Flak-R im Grundsatz gleich. Der senkrechte Start bedingt bei „Wasserfall" zusätzliche Maßnahmen gegenüber dem Schrägstart bei „Schmetterling" und „Rheintochter". „Enzian" wird voraussichtlich schräg gestartet.

 

 


B. Verfahren und Geräte für Funklenkung und Zündung der Flak-R


I. Allgemeines über die Funklenkung der Flak-R.


Ausführbar sind folgende Verfahren der Funklenkung für Flak-R:
a) Knüppelsteuerung von Hand bei optischer Ortung des Zieles und optischer Ortung der Flak-R. Dabei kann zusätzlich ein Funkmeßgerät für die Zieleinweisung vorhanden sein. Die Zielführung während der R-Flugdauer würde rein optisch erfolgen.


b) Knüppelsteuerung von Hand bei elektrischer Ortung des Zieles mit Funkmeßgerät und optischer Ortung der Flak-R. Das Ziel braucht hierbei optisch nicht sichtbar zu sein, dagegen muß die Flak-R bis zum Ziel sichtbar bleiben.


c) Knüppelsteuerung von Hand bei elektrischer Ortung von Ziel und Flak-R. Hierbei braucht zum Ziel und zur Flak-R keine optische Sicht zu bestehen.


d) Selbsttätige Steuerung bei elektrischer Ortung von Ziel und Flak-R.
Anstelle der optischen Ortung kann eine Bildwandler-Ortung nach einem Ultrarot- oder sonstigen Verfahren treten.

 


II. Funklenkung bei Senkrechtstart.


Ein Funkmeßgerät (oder auch ein Flak-Richt-Gerät bei optischer Ortung) ortet das Ziel und gibt an ein Anzeigegerät (Lichtpunktgerät) die Richtungswinkel zum Ziel nach Umrechnung in einem Einlenk-Rechengerät und einem Parallax-Rechner, die beide für den Einlenkvorgang aus der Senkrechten in die Richtung zum Ziel notwendig sind, die Flak-R wird vom Start ab mit einem Flak-Richt-Gerät angerichtet, das seine Richtungswinkel ebenfalls in das Anzeigegerät gibt. Der techn. Schießende am Steuerknüppel sitzt an einem weiteren optischen Gerät, dem Flak-Folge-Gerät, das vom Funkmeßgerät in Zielrichtung nachgesteuert wird. Er hat zunächst die Aufgabe, die Flak-R mit dem Knüppel so zu steuern, daß die Lichtpunkte auf dem Anzeigegerät zusammenfallen. Ist dies erreicht, dann ist die Flak-R in Zielrichtung eingelenkt und erscheint jetzt auch im Glas des techn. Schießenden. Von jetzt ab kann er entweder ganz nach optischer Sicht weiter steuern oder bei unsichtbarem Ziel die Flak-R stets im Fadenkreuz des Glases halten.
Tritt anstelle des Flak-Richt-Gerätes für die Ortung der Flak-R ein zweites Funkmeßgerät zur elektrischen Ortung der Flak-R, dann wird der Steuervorgang am Knüppel bis zum Ziel hin nach den Lichtpunkten auf dem Anzeigegerät durchgeführt.
Die durch die Ausschläge des Steuerknüppels gebildeten Steuerkommandos werden über einen Funkkommando-Sender an die Flak-R übertragen.


III. Funklenkung bei Schräg-Start


Ein Funkmeßgerät (oder auch ein Flak-Richt-Gerät bei optischer Sicht) ortet das Ziel und steuert das Startgestell (u. U. mit einem bestimmten Vorhalt) in Zielrichtung. Das Funkmeßgerät steuert ein weiteres, optisches Gerät, das Flak-Folge-Gerät, an dem der techn. Schießende mit dem Steuerknüppel sitzt. Die Flak-R erscheint wegen des Schräg-Starts sofort nach dem Start in dem großen Bildfeld des Glases am Flak-Folge-Gerät, so daß der techn. Schießende sie durch Betätigung des Steuerknüppels in Deckung mit dem Ziel bringen kann. Soll auch die Flak-R elektrisch geortet werden, so kann dies mit einem zweiten Meßkanal durch das gleiche Funkmeßgerät geschehen, welches auch das Ziel ortet. Die Steuerkommandos werden durch einen Funkkommando-Sender an die Flak-R übertragen.


IV. Bordgeräte zur Funklenkung der Flak-R.


An Bord der Flak-R befinden sich:

a) Funkkommando-Empfänger mit Antenne zur Aufnahme der Steuerkommandos.
b) Übertragungs- und Verstärker-Einrichtungen zu den Rudermaschinen.
c) Rudermaschinen-Anlage und Ruder.


V. Zündung der Flak-R am Ziel.


Für die Zündung der Flak-R am Ziel gibt es grundsätzlich folgende 2 Möglichkeiten:
Bei elektrischer Ortung von Ziel und Flak-R werden die beiden Entfernungen sehr genau gemessen und können elektrisch miteinander verglichen werden. Bei Entfernungsgleichheit wird das Funk-Zündkommando ausgelöst.
Die zweite Möglichkeit sieht einen Zünder vor, der bei größter Zielnähe der Flak-R anspricht (Abstandszünder). Entsprechende Entwicklungen laufen.

 

 

 


Vorschläge für den Einsatz der Flak-R.

 


I. Erzielbare Schußzahlen bei An-, Ab- und Vorbeiflügen.


Bei den Flak-R ist die Schußfolge keine feststehende Größe wie bei den Flak-Geschützen, sie wird vielmehr durch verschiedene Umstände bestimmt. Gewicht, Größe, Sperrigkeit und Empfindlichkeit der Flak-R stellen eine unter Gefechtsbedingungen schwierig zu bewältigende Transportaufgabe. Weiter bedingen die Sicherheitsabstände, die von den Bedienungen gegenüber den Antriebsstrahlen der Flak-R beim Start eingehalten werden müssen, Einschränkungen, die sich auf die Schußfolge auswirken. Schließlich geht durch die Funklenkung auch die Flugzeit der Flak-R in die Schußfolge ein, da die Funklenkanlage am Boden während der Flugdauer der Flak-R belegt ist. Die Schußfolge ändert sich deshalb auch mit der Zielgeschwindigkeit, -entfernung und -höhe. Sie ist also während der Bekämpfung eines angreifenden Verbandes veränderlich und muß von Fall zu Fall anhand der Wirkungsbereiche und der Flugdauerkurven ermittelt werden.


Für diese Ermittlung, die als Grundlage für die weiteren Einsatzbetrachtungen dient, ist angenommen worden, daß von einem enggeschlossen eine Stellung anfliegenden Verband beim Überfliegen der Grenze des Wirkungsbereichs das vorderste Flugzeug abgeschossen und anschließend mit nur wenigen Sekunden Unterbrechung ein zweites Flugzeug unmittelbar dahinter aufgefaßt und abgeschossen wird. Bei diesem Verfahren wird stets das vorne fliegende Flugzeug bekämpft, bis auf der Abflugseite die Grenze des Wirkungsbereichs überschritten wird. Erst dann wird ein weiteres Ziel auf der Anflugseite gesucht. Bei diesem Verfahren muß nach dem Eintreffen einer Flak-R am Ziel stets sofort wieder eine neue Flak-R startbereit sein, damit nach der Ortung eines neuen Zieles ohne Verzug weitergeschossen werden kann.


Unter dieser Voraussetzung ist ermittelt worden, wieviele Flak-R jeweils bei An-Abflügen und bei Vorbeiflügen mit bestimmten e,kw- und n-Werten von 1 Funklenkanlage zu den Zielen gesteuert werden können und welche Zahl von Startstellen jeder Funklenkanlage in der Feuerstellung zugeordnet werden muß, damit eine pausenlose Zielbekämpfung möglich ist. In Tabelle 3 sind die Ergebnisse zusammengefaßt. Sie enthält in der ersten Längsspalte außer der Gerätart die Zahl der Startstellen, die für 1 Funklenkanlage am Boden erforderlich ist, damit stets rechtzeitig eine startklare Flak-R an einer Startstelle bereitsteht. Außerdem ist noch die Verzugszeit (tv) angegeben, die vergeht, bis an derselben Startstelle nach dem Start einer Flak-R eine neue Flak-R startbereit steht. Diese Zeit geht wesentlich in alle Überlegungen ein und muß so klein wie nur möglich gemacht werden, was hauptsächlich von der zweckmäßigsten Lösung des Transportproblems abhängt.

 

Tabelle 3

Tabelle 3

Zahl der mit 1 Fernlenkanlage erziehlbaren Schüsse beim Anflug eines Verbandes ( Zielgeschwindigkeit Vm = 150 m/s )

 


In der zweiten Längsspalte ist angegeben, ob die ermittelte Schußzahl für einen reinen An-Abflug oder einen Vorbeiflug mit bestimmter ekw gilt- die Ermittlungen sind für Zielhöhen von 2,5,5,0,7.5,10,0 und 12,5 km gemacht worden und außerdem noch unterteilt für Ziele mit und ohne Abwehrbewegungen. Einheitlich wurde eine Zielgeschwindigkeit von 150 m/s zugrunde gelegt. Für „Wasserfall" und „Schmetterling" sind die Rechnungen ausführlicher durchgeführt worden. Für „Enzian" fehlten noch Unterlagen, doch steht soviel fest, daß die Zahlen für „Enzian" etwa die gleichen wie für „Wasserfall" sein werden.


Nach diesen Untersuchungen können bei einem reinen An-Abflug mit 1 Funklenkanlage aus 4 Startstellen je nach Zielhöhe 7 bis 6 Flak-R „Wasserfall" und bei Abwehrbewegungen des Zieles nur 6 bis 4 Flak-R gestartet werden. Die entsprechenden Zahlen für „Schmetterling" sind infolge des geringeren Wirkungsbereichs kleiner.


Bei Vorbeiflügen wirkt sich die e,kw naturgemäß sehr stark aus. Bei „Wasserfall" sind bei 5 km Zielhöhe statt 7 nur noch 6,5 und 3 Starts möglich, wenn die e,kw 7,5.15,0 und 22,5 km beträgt, das Ziel also den Wirkungsbereich auf kleineren Strecken durchfliegt als beim reinen AnAbflug.

 


Zusammenfassung:


Mit nur 1 Funklenkanlage und 4 Startstellen lassen sich auf einen angreifenden enggeschlossen fliegenden Verband nur sehr wenig Flak-R starten, die größte Zahl ist 7, die kleinste 2 (Aufstellung 3 folgend). Mehr Starts lassen sich nur durch Vermehrung der Funklenkanlagen einschließlich der dazugehörenden Startstellen erreichen, es sei denn, daß sich mehrere Flak-R kurz hintereinander im gleichen Ortungsstrahl „auffädeln" lassen. Für die weiteren Untersuchungen werden in jeder Feuerstellung 2 Funklenkanlagen mit je 4 Startstellen vorausgesetzt.

 

Bild 9

Aufstellung 3

Feuerstellungen "Schmetterling"

 

 


II. Zweckmäßige Staffelung der Batteriestellungen:


Mit den vorstehenden Ergebnissen sind weitere Untersuchungen durchgeführt worden, um die zweckmäßigste Staffelung der Batterien und Überlagerung ihrer Wirkungsbereiche zu erhalten. (Die Untersuchungen sind für Flak-R „Wasserfall" und „Schmetterling" ausführlich durchgeführt worden. Anstelle von „Wasserfall" kann etwa mit derselben Sicherheit „Enzian" eingesetzt werden. Dagegen ist die Flak-R „Rheintochter" nicht gleichwertig für „Schmetterling" einsetzbar.) Mit Rücksicht auf die schwierigen Aufgaben der Fernlenkung ist nur eine mäßige Überdeckung der Wirkungsbereiche erwünscht. Je mehr Flak-R gleichzeitig von verschiedenen Batterien her am Ziel erscheinen, um so schwieriger wird es beim Schießen nach optischer Sicht jedem Schießenden, gerade seine Flak-R eindeutig auszumachen und genau zu steuern. Bei elektrischer Ortung der Flak-R wird diese Aufgabe noch schwieriger als bei der optischen, da die Fu. M.G. u. U. mehrere Flak-R nahe beieinander nicht mehr elektrisch trennen können. Eine weitere Grenze ist durch die Zahl der verfügbaren Hochfrequenzkanäle gegeben. Beim „Kehl-Straßburg"-Funklenkverfahren stehen z. B. 18 Frequenzen zur Verfügung, so daß höchstens 9 Batterien mit je 2 Funklenkanlagen sich in ihren Wirkungsbereichen überdecken können.


Als günstiger Zwischenraum zwischen 2 benachbarten Batteriestellungen hat sich 15 km für „Wasserfall" oder „Enzian" 10 km für „Schmetterling"
ergeben. Bei diesen Zwischenräumen ist für Zielhöhen bis 5 km der Totbereich jeder Batterie von den Wirkungsbereichen der beiden Nachbarbatterien überdeckt.


Vier Vorschläge für den Aufbau einer Verteidigungslinie aus Überschall- und Unterschall-Flak-R enthält Bild 10. Gezeichnet ist die Überdeckung der Wirkungsbereiche für 5 km Zielhöhe, und zwar gegen Ziele, die Abwehrbewegungen ausführen. Wenn die Ziele keine Abwehrbewegungen machen, ergeben sich noch etwas günstigere Verhältnisse. Die Bereiche für „Schmetterling" sind dünn ausgezogen, die Totbereiche für „Wasserfall" etwas angelegt. Die eingeschriebenen Zahlen geben an, wievielfach die Überdeckung ist. Der Aufwand an Batterien für 100 km zu schützende Strecke ist für alle 4 Vorschläge gleich groß und beträgt 7 „Wasserfall"- und 10 ,,Schmetterling"-Batterien. Auch der Überlagerungsgrad ist in den 4 Fällen ungefähr gleich. Um einen Überblick zu geben, wie sich die Überdeckung mit der Zielhöhe ändert, sind in gleicher Art in Bild 11 die Verhältnisse für 2,5, 5,0, 7,5,10,0 und 12,5 km Zielhöhe dargestellt. Während bei 2,5 und 5,0 km Zielhöhe noch eine gute 5- bis 7fache Überdeckung besteht, geht sie bei 7,5 km auf eine 4- bis 7fache zurück. Bei 10,0 km Zielhöhe ist die Überlagerung auf größeren Flächen nur noch 2- bis Stach und bei 12,5 km nur 2fach. Gegen Ziele, die keine Abwehrbewegungen ausführen, sind auch noch in 12,5 km Höhe 3fache Überdeckungen auf großen Flächen vorhanden.

 

Bild 10
Bild 11

 

Unter Zugrundelegung dieser Staffelung und Überlagerung sind beim Überflug eines der Breite nach enggeschlossenen Verbandes (Gesamtbreite 1 bis 2 km) über 1 solche Verteidigungslinie von Flak-R-Batterien folgende Schußzahlen zu erzielen, wenn jede Batterie 2 Funklenkanlagen mit je 4 Startstellen hat.

 

Zielhoehen


Selbst bei Annahme sehr hoher Trefferanteile ist also eine ausreichende Dezimierung anfliegender Verbände mit mehreren 100 Flugzeugen in nur 1 Verteidigungslinie nicht zu erreichen, wenn der Gegner der Breite nach enggeschlossen einfliegt. Deshalb müssen mehrere Verteidigungslinien hintereinander angeordnet werden.


Für die Ermittlung der Abstände zwischen den Verteidigungslinien gelten dieselben Überlegungen wie für die Zwischenräume zwischen den Batterien. Es ist zweckmäßig, die Wirkungsbereiche der Verteidigungslinien nur ganz wenig zu überlagern und einen Abstand zwischen den Verteidigungslinien von etwa 50 km vorzusehen.


In Bild 12 ist das Schema für 4 Verteidigungslinien aus „Wasserfall"- und „Schmetterling"-Batterien dargestellt. Größere Abstände als 50 km zwischen den Verteidigungslinien sind aus verschiedenen Gründen erwünscht. Z. B. kann eine Sperrzone von 200 km Tiefe durch Dipol-Abwurf leichter gestört werden, als wenn die Tiefe der Zone größer oder die Verteilung der Batterien in den Linien unregelmäßig ist.

 

Bild 12

Bild 12

 


Zusammenfassung:


Eine Flak-R-Batterie soll mindestens 2 Funklenkanlagen mit je 4 Startstellen haben, um eine ausreichende Zahl von Flak-R beim Überflug eines Verbandes starten zu können.


Für „Wasserfall'-Batterien ist ein Zwischenraum von 15 km, für „Schmetterling"-Batterien von 10 km günstig. 1 Linie aus „Wasserfall"- und „Schmetterling"-Batterien mit diesen Zwischenräumen ergibt bei 5 km Zielhöhe gegen einen eng anfliegenden Verband die mögliche Zahl von 47 Schüssen gegen Ziele ohne Abwehrbewegungen und von 36 Schüssen gegen Ziele mit Abwehrbewegungen. Für 12,5 km Zielhöhe ergeben sich 24 bzw. 10 Schüsse. Um auch große geschlossen anfliegende Verbände wirksam bekämpfen zu können, sind 3 bis 4 Verteidigungslinien im Mindestabstand von etwa 50 km hintereinander erforderlich. Die Verhältnisse ergeben sich etwas günstiger, wenn der Gegner in breiter Front anfliegt und dadurch eine größere Zahl von Batterien berührt


III. Erforderliche Zahl der Batterien.


Mit diesen Ergebnissen ist zu prüfen, ob die Bildung einer Luftverteidigungszone oder Objektschutz mehr Aufwendungen erfordert.

a) Objektschutz


In Bild 13 ist für rd. 70 Städte mit über 100 000 Einwohnern ein Objektschutz aus je 4 Verteidigungslinien mit nur 30 km mittlerem Abstand dargestellt. Für die Gesamtlänge der Verteidigungslinien von rd. 18000 km wären erforderlich 1200 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" 1800 Batterien „Schmetterling"

b) Luftverteidigungszone


Bild 14 zeigt den Entwurf für eine geschlossene LVZ (= Luftverteidigungs-Zone). An den meistgefährdeten Grenzen sind 4 Linien vorgesehen, an der Ostgrenze vorerst nur 1 Linie. Bei einer Gesamtlänge von rd. 13000 km sind erforderlich 870 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" 1300 Batterien „Schmetterling".
Davon wären für den ersten Ausbau mindestens notwendig: 600 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" und 900 Batterien „Schmetterling".

 

Bild 13: Objektschutz
Bild 14: Luftverteidigungszone



Wenn die Entwicklung der Kriegslage auch nach Osten hin einen stärkeren Schutz durch Flak-R-Batterien notwendig machen sollte, wird vorgeschlagen, die für den zweiten Ausbau in Bild 14 vorgesehenen Linien 8-8 und 13-13 in die Lücken zwischen den Verteidigungslinien 6 und 2 bzw. 7 und 3 zu legen. Dann wäre ohne Erhöhung des Gesamtaufwandes auch ein stärkerer Schutz nach Osten hin gegeben.


Die LVZ in der vorgeschlagenen Anordnung erfordert nur 72 % der Batterien, die für den Objektschutz nach Bild 13 notwendig sind.
Eine LVZ kann aber nur dann den Schutz sicherstellen, wenn sie weder überflogen, noch unterflogen, noch umflogen werden kann und wenn eine genügend große Treffwahrscheinlichkeit gegeben ist.


Das Überfliegen können die Flak-R „Wasserfall" verhindern, da mit ihnen bis zu 16 km Höhe mit noch genügendem Wirkungsbereich geschossen werden kann (siehe Bild 3). Das Unterfliegen ist teils durch die eingeschobenen „Schmetterling"-Batterien; vor allem aber durch leichte Flak-Batterien zu verhindern. Das Umfliegen setzt eine lückenlose Verteidigungslinie von Batterien voraus. Eine ausreichende Treffwahrscheinlichkeit soll die Fernlenkung der Flak-R geben. Auch die Frage der Störbarkeit der Funklenkanlagen ergibt sich für eine LVZ keineswegs ungünstiger als für den Objektschutz.


Für die zusätzliche Jagdabwehr ergeben sich 2 klar umrissene Einsatzräume außer- und innerhalb der LVZ. Ein verstärkter Jagdeinsatz müßte auch während der Aufbauzeit der LVZ das Umfliegen verhindern.

 

Alarmzonen

Alarm and zone of fire of an AA-Rocket Battery (Plan U.S.A)


Zusammenfassung:


Die Gegenüberstellung des erforderlichen Aufwandes an Batterien für einen Objektschutz und eine LVZ erweist die Vorteile der LVZ, die nur 72 % Batterien im Vergleich zum Objektschutz benötigt. Eine LVZ nach Bild 14 erfordert im ersten Ausbau 600 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" und 900 Batterien „Schmetterling", wozu für den Endausbau noch 270 Batterien „Wasserfall" und 400 Batterien „Schmetterling" kommen. Für jede andere Linienführung kann die benötigte Zahl der Batterien aus der Gesamtlänge der Verteidigungslinien geteilt durch 15 bzw. 10 erhalten werden.

 

 


IV. Taktische Gliederung, Feuerleitung, Nachrichtenverbindungen:


Da die Verteidigungslinien verhältnismäßig weit auseinanderliegen, werden zweckmäßig die Flak-R-Batterien innerhalb 1 Linie zur nächstgrößeren Einheit zusammengefaßt. Es wird vorgeschlagen, etwa 7 bis 10 Batterien („Wasserfall" oder „Enzian" und „Schmetterling" gemischt) zu einem Flak-R-Regiment zu vereinigen, damit die Zahl der Nahtstellen innerhalb der Verteidigungslinien nicht zu groß wird. Da ein der Breite nach enggeschlossen fliegender Verband im Bereich eines Regiments oder höchstens zweier Regimenter bleibt, ist eine einheitliche Gefechtsführung, Unterrichtung der Batterien über die Luftlage und Zieleinweisung gewährleistet. Bild 15 gibt das Schema einer solchen Gliederung für eine LVZ mit 4 Verteidigungslinien. Mehrere Regimenter (z. B. 12 bis 14) können zu einer Flak-R-Division zusammengefaßt werden, die sich in der Tiefe auf alle 4 Verteidigungslinien erstrecken würde. Die Befehlsbereiche hätten danach etwa folgende Größe:

in der Breite
in der Tiefe
Regiment
40 bis 50 km
20 km
Division
130 bis 180 km
170 km

 

In Bild 15 sind auch die Nachrichtenverbindungen (Funk oder Draht) eingezeichnet. Zwischen den Batterien und Regimentern sind Sternnetze vorgesehen, die auch für die Übertragung der Ortungswerte der Funkmeßgeräte zum Regiment und der Zieleinweisungswerte vom Regiment zu den Batterien in dieser Anlage gebraucht werden (z. B. Gerät „Haselnuß" oder „Luxor"). Zwischen den Regimentern ist ein vernaschtes Ringnetz zweckmäßig, das gleichzeitig auch Führungsnetz für die Division sein kann.

Bild 15

Bild 15


Zusammenfassung:


Um eine einheitliche Gefechtsführung sicherzustellen, wird vorgeschlagen, 7 bis 10 Flak-R-Batterien 1 Verteidigungslinie jeweils zu einem Flak-R-Regiment und 12 bis 14 Regimenter aller 4 Linien zu einer Flak-R-Division zusammenzufassen. Die Nachrichtenverbindungen zwischen den Batterien und Regimentern werden am zweckmäßigsten als Sternnetze, die Verbindungen zwischen den Regimentern untereinander und der Division als vermaschtes Ringnetz vorzusehen sein.

 


V. Flakschutz der Flak-R-Batterien.


Eine Flak-R-Batterie kann gegen Tiefangriffe bis zu einer Schrägentfernung von etwa 4 bis 6 km wegen des Totbereichs mit ihren Flak-R nichts ausrichten und bedarf eines besonderen Schutzes. Die Überlagerung der Totbereiche durch die Wirkungsbereiche benachbarter Batterien reicht noch nicht aus, weil nur beschränkte Schußzahlen möglich sind und es bei geringen Zielhöhenwinkeln Zielungenauigkeiten geben kann. Deshalb muß ein zusätzlicher Schutz durch Flakgeschütze mittleren Kalibers oder durch Luftsperren mit einer Reichweite von 5 bis 6 km sichergestellt werden. Aufgabe dieses Schutzes ist die Abwehr von Angriffen durch Kampf- und Sturzkampfflugzeuge und durch Tiefflieger.

 


VI. Personalbedarf der Flak-R-Batterien.


Der voraussichtliche Personalbedarf einer Flak-R-Batterie für „Wasserfall" ist in Tabelle 4 gegeben. In einer Gesamtkopfstärke von 151 Mann sind an besonders ausgebildetem Fachpersonal vorhanden:

1 Ing. oder Techn. als Hochfrequenz-Prüfing.
2 Uffz. und 4 IVIann als Hochfrequenz-Gerätewarte
1 Uffz. (Wm.) als Munitions-Uffz. (Sprengstoffwart)
2 Uffz. und 6 Mann als Raketenwarte
6 Wachtmeister als techn. Schießende am Steuerknüppel.


Tabelle 4

 

Tabelle 4

Vorläufiger Personalbedarf einer Flak-R-Batterie "Wasserfall" mit 2 Funkanlagen und 8 Startstellen

 

 

 

 


Bodenorganisation.

 


I. Grundsätzliches über Nachschub, Transport und Lagerung der Flak-R.


Durch die Größe, die Sperrigkeit und das Gewicht der Flak-R ergeben sich bzgl. des Nachschubs, des Transportes und der Lagerung schwierige Aufgaben, die besondere Einrichtungen und Geräte notwendig machen. Dabei ist folgendes zu beachten.


Zwischen den Fertigungswerken und den Feuerstellungen liegen weite Transportwege. In den Batteriestellungen kann nur ein bestimmter Vorrat an Flak-R untergebracht werden. Der Nachschub muß den stoßweisen Verbrauch von Flak-R an bestimmten Stellen des Einsatzes decken. Zwischen den Fertigungswerken und den Batteriestellungen müssen deshalb Nachschublager liegen, welche die laufende Fertigung aufnehmen und die stoßweisen Anforderungen der Truppe erfüllen können.

In den Feuerstellungen können Montagearbeitern beim Flak-R-Nachschub nicht ausgeführt werden, da hierzu die Zeit, Fachkräfte und Einrichtungen fehlen. Den Stellungen müssen startfertige Flak-R in kürzester Zeit angeliefert werden.


In den Feuerstellungen müssen möglichst alle vorkommenden Transportaufgaben mit einem Universalgerät ausführbar sein. Das Heranschaffen der Flak-R im Gefecht aus ihren Lagerräu-men an die Startstellen muß in der kürzestmöglichen Zeit erfolgen. Hierzu sind Sondergeräte notwendig.


Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte wird folgendes einzurichten sein:


Die Flak-R gehen von den Fertigungswerken zu den Nachschublagern in mehreren Teilen, die durch Schnelltrennstellen ohne umfangreiche Montagearbeiten zusammengesetzt werden können. Der Transport in mehreren Teilen beansprucht erheblich weniger Transportraum als beim ganzen Gerät.


Bei „Wasserfall", der größten Flak-R, erfordert z. B. der Transport von 36 Geräten

beim Versand in 3 Teilen 17 Wagen
beim Versand als ganzes Gerät 36 Wagen
(Bild 17 unten)
Beim „Enzian" und „Schmetterling" ist die Einsparung nicht so groß.


Die Nachschublager werden folgende Arbeiten ausführen müssen:
a) Zusammenbau der Flak-R
b) Betanken mit Brennstoff, Sauerstoffträger und hochverdichtetem Gas
c) Einbringung der Sprengstoff-Nutzlast und der Zerlegerladungen
d) Lagerung der startfertigen Flak-R bis zum Nachschub an die Batterien

 

Bild 16 17

Bild 16 & 17


Von den Nachschublagern aus, die etwa 100 Batterien im Umkreis bis zu 100 km versorgen sollen, werden die fertig zusammengebauten Flak-R mit Lastwagen-Transport-Kolonnen in die Feuerstellungen gebracht, soweit nicht Versand auf Eisenbahnwagen möglich ist.


Für die Nachschublager muß die Frage der Sicherung gegen Luftangriffe geprüft werden. Verbunkerte Ausführung oder unterirdische Anlage kann notwendig sein.


Für „Wasserfall" zeigt Bild 16 (siehe oben) die Verladung des ganzen Gerätes auf einem Eisenbahn-Rungenwagen und einem Lastwagen-Sonder-Anhänger 319.


Als Universalhebezeug in den Lagern und Stellungen werden fahrbare Miag-Kräne mit dieselelektrischem Antrieb vorgeschlagen. Bild 18 folgend zeigt einen solchen Kran in Sonderausführung mit langem Ausleger, wie er für „Wasserfall"-Batterien vorgesehen ist. Mit ihm kann eine liegende Flak-R aufgerichtet bzw. eine stehende umgelegt und eine senkrecht am Kranhaken hängende Flak-R transportiert werden. Alle diese Vorrichtungen müssen in den Feuerstellungen für „Wasserfall" ausgeführt werden. Für die übrigen Flak-R können die Kräne kleiner und leichter sein.

Bild 18

Bild 18: Kran

 


Die Hebezeuge und Transportgeräte, welche im Gefecht notwendig sind, werden im nächsten Abschnitt bei den Batteriestellungen behandelt.
Für den Nachschub sind weiterhin noch Kraftstoff- und Säure-Kesselwagen, Flaschen für hochverdichtete Gase, Pumpen, Kompressoren, Schläuche, Mengen- und Druckmeßgeräte, Filter, Armaturen usw. erforderlich.

 

Zusammenfassung:


Der Nachschub, der Transport und die Lagerung der Flak-R erfordern Transportwagen, fahrbare Hebezeuge, Lagerhallen für Zusammenbau und Munitionierung, Betankungsanlagen usw. Zwischen die Fertigungswerke und die Batteriestellungen sollen Nachschublager gelegt werden, in welchen die in 2 oder 3 Hauptteilen gelieferten Flak-R zusammengebaut, munitio-niert, betankt und für den Nachschub der fertigen Flak-R in die Feuerstellungen gelagert werden. Diese Nachschublager müssen im Einsatzraum der Batterien liegen, damit die Munitionsergänzung mit Lastwagen möglich ist.

 


II. Mechanische Einrichtungen für den Start der Flak-R im Gefecht.


a) Allgemeines.


Die Hauptaufgabe im Gefecht ist die schnelle und sichere Beschickung der Startstellen mit Flak-R. Zu jeder der 8 Startstellen einer Batterie gehört ein Lagerraum für 10 startfertige Flak-R. Zwischen dem Lagerraum und der etwa 30 m entfernten Startstelle liegt ein Feldbahngleis für den Zubringewagen. Die Zubringeeinrichtungen werden nachstehend beschrieben.


b) Startwagen und Startstelle für "Wasserfall".


Die senkrecht startende Flak-R „Wasserfall" hat einen einfachen Startwagen mit 2 m Spurweite, auf dem sie schon im Lagerraum steht. Sie ist mit 4 Schrauben auf dem Wagen festgezogen, die an der Startstelle mit wenigen Griffen gelöst werden.


An der Startstelle ist in einer Betonplattform eine mit Schotter und Pflastersteinen gefüllte Grube mit einem Abzugrohr nach einer Sickergrube (Bild 19). Damit die Pflastersteine durch den Antriebstrahl nicht wegfliegen, werden sie mit einem Rost aus hochkant gestellten Flacheisenschienen gehalten. Die Gruben sind notwendig, damit beim Versagen eines Starts die aus den Behältern unter Druck auslaufenden Brennstoffe schnell unter Bildung einer großen Oberfläche wegfließen und durch Zugabe von Wasser bis zur Zündunfähigkeit verdünnt werden können. Nur so ist an der Startstelle ein gefährlicher Brand zu vermeiden, der, einmal entstanden, kaum zu löschen ist. An der Startstelle ist ferner ein Anschluß für die Stromzuführung und die Betätigungsleitungen für das Startkommando des techn. Schießenden vorhanden. Nach dem Start wird der leere Startwagen über die Grube hinaus auf dem verlängerten Gleis weitergeschoben.

Bild 19

Bild 19:


c) Startstelle für „Enzian".


Da für „Enzian" noch offen ist, ob der Start senkrecht oder schräg erfolgt, liegt die Einrichtung der Startstelle noch nicht fest. Bei Senkrecht-Start ist wie für „Wasserfall" ein einfacher Startwagen, bei Schräg-Start ein Startgestell ähnlich wie bei „Schmetterling" und „Rheintochter" erforderlich.


d) Startgestell und Zubringewagen für „Schmetterling".


Das Startgestell für „Schmetterling" entspricht etwa der Lafette eines mittelschweren Flakgeschützes. Auch der Zubringewagen ist sehr einfach (Bild 20). Das Startgestell wird um eine senkrechte und waagerechte Achse vom Fu. M. G. oder einem Flak-Richt-Gerät aus ferngesteuert. Die Flak-R „Schmetterling" liegt mit ihren Flügeln ohne Befestigung auf 2 Auflageflächen des Startgestells und wird in Richtung zum Ziel gestartet. Der Zubringewagen hat 2 heb-und senkbare Backen. Im Lagerraum fährt der Wagen unter die in entsprechender Lage aufgebockten Flak-R, worauf die Backen und damit die Flak-R angehoben werden. Der Zubringewagen fährt dann am Startgestell so zwischen die 2 Auflageflächen für die Flügel, daß sich die Flak-R beim Senken der Backen auflegt.

Bild 20

Bild: 20

Zubringewagen
Lagerraum mit Schienen
Schienen-Kreuzung

 

Startgestell aufziehen des Startwagens

Hs 117 mit Zubringewagen am Seil

 

Startgestell aufziehen des Startwagens

 

 


e) Startgestell und Zubringewagen für „Rheintochter".


Entsprechend dem größeren Startgewicht von 1750 kg sind Startgestell und Zubringewagen für „Rheintochter" schwerer als für „Schmetterling" (Bild 21). Um bei der Höhe des Wiegendrehpunktes von 2,75 m das Beladen des Startgestells zu erleichtern, steht es in einer 2 m tiefen Grube. Es ist um seine senkrechte und waagerechte Achse drehbar und wird vom Fu. M. G. ferngesteuert. Im Lagerraum liegen die Flak-R auf einem Schlitten mit 2 Paar Rollen. Auf ihnen werden sie auf den Zubringewagen gerollt, der auf einem Feldbahngleis von 1 m Spurweite zum Startgestell fährt. In der Ladestellung fährt der Zubringewagen mit einem Dorn in ein Loch im Startgestell. Auf dem Schlitten rollt dann die Flak-R auf das Startgestell über. Nach dem Start wird der leere Schlitten beim Überschieben der neuen Flak-R nach hinten abgerollt. Das Startgestell wiegt einschl. Gegengewicht rd. 4500 kg, der Zubringewagen rd. 550 kg.

Bild 21

Bild 21:

 


Zusammenfassung:


Während für jede Flak-R „Wasserfall" ein einfacher Startwagen notwendig ist, auf dem sie vom Lagerraum zur Startstelle gefahren wird, brauchen die Flak-R „Schmetterling" und "Rheintochter" wegen des Schräg-Startes ein ferngesteuertes 2achsiges Startgestell und einen Zubringewagen für seine Beladung. Diese Geräte liegen im Entwurf vor. Änderungen können sich noch bei der Durchkonstruktion ergeben. Für „Enzian" muß die Startart noch festgelegt werden.

 


III. Elektrische und optische Einrichtungen für den Start der Flak-R.


a) Elektrische Ortungsgeräte.


Elektrische Ortungsgeräte sind für die Ortung des Zieles und auch der Flak-R erforderlich. In Frage kommen hierfür wegen der unerläßlichen Peilgenauigkeit von 1° vorerst: Fu. M. G. „Mannheim-Riese" (2achsiges Fu. M. G. Riese mit ,,Mannheim"-Elektrik). später: Fu.M.G. „Rheinland" (Fu.M.G. mit Peilung nach Instrumentenanzeige, aber mit abgesetztem, Sachsig gelagertem Spiegel „Drache").

 

Riese

Funkmessgerät 41 T (Mannheim-Riese)

 


Bei den Batterien mit Schrägstart erhält das Zielortungs-Fu. M. G. einen zweiten Meßkanal für die elektrische Ortung der Flak-R. Beim Senkrecht-Start soll für die elektrische Ortung der Flak-R kein zweites Fu. M.G., sondern eine Sachsig gelagerte Ortungsantenne genommen werden, die weniger Aufwand erfordert als der „Drache".


Das Fu. M. G. erhält Geber für die ferngesteuerte Nachführung optischer Ortungsgeräte und der Startgestelle für Schräg-Start.


b) Optische Ortungsgeräte.


Zur optischen Ortung des Zieles, die bei guter Sicht eine genauere und stetigere Steuerung der Flak-R zuläßt und die besonders für „Schmetterling" vorgesehen ist, werden Flak-Richt-Geräte (F. R. G.) benutzt. Sowohl das F. R. G. 40 A als auch die Neuentwicklung F. R. G. 43 sind 2achsig gelagert, was für die Flak-R-Ortung Nachteile hat. Beim Senkrechtstart soll für den ersten Einsatz und als Hilfsverfahren beim Ausfall oder der Störung der elektrischen Ortungsgeräte auch die Flak-R optisch geortet werden können. Hierzu soll ebenfalls das F. R. G. 40 A mit 2 Richtleuten Verwendung finden.


Für den techn. Schießenden ist noch ein weiteres optisches Gerät, das Sachsige Flak-Folge-Gerät (F. F. G.), von Askania entwickelt worden, das über Empfänger von einem Fu.M.G. oder F. R. G. ferngesteuert wird. Es hat einen Sitz für den techn. Schießenden, ein sehr lichtstarkes Glas, den Steuerknüppel und noch ein Anzeigegerät zur Anzeige der Winkeldifferenz zwischen den Richtungen zum Ziel und zur Flak-R, die der techn. Schießende zu Null steuern muß.


Als Zusatzgerät ist bei Schräg-Start noch ein einfacher Vorhaltrechner erforderlich, der das Startgestell gegenüber der Optik um einen grob berechneten Vorhalt vorsteuert, damit die Flak-R auch sicher im Glas des techn. Schießenden erscheint. Für den Senkrecht-Start ist ein besonderes Einlenk-Rechengerät mit Parallax-Rechner notwendig, das zum Umlenken der Flak-R aus der Senkrechten in die Zielrichtung auf günstigster Flugbahn dient.


c) Funklenkanlage.


Alle Flak-R werden vorerst nach dem „Kehl-Straßburg"-Funklenk-Verfahren ferngesteuert, das später durch das Gerät „Kogge" ersetzt wird. Dazu ist am Boden ein Funkkommando-Sender vorhanden, der die Steuerkommandos des Steuerknüppels an die Flak-R überträgt. Beim „Wasserfall" ist für später der Übergang von der Knüppelsteuerung von Hand zu einem Verfahren der selbsttätigen Funklenkung geplant, zu dem aber ebenfalls ein Funkkommando-Sender gehört.


d) Signal- und Meldeanlagen.


Zwischen der Batteriebefehlsstelle, den techn. Schießenden am Steuerknüppel und den Startstellen ist eine Signal- und Meldeanlage erforderlich, die bestimmte Signale überträgt wie z. B. „Flak-R startklar", „Störung", „Bedienung im Unterstand", „Feuer frei", „Feuerverbot" usw. Diese Anlage ist notwendig, um die schnelle Verständigung im Gefecht sicher zu stellen. Für solche Anlagen bestehen Vorbilder vor allem bei der Kriegsmarine.


Zusammenfassung.


Zur Ortung der Ziele und der Flak-R sind elektrische Ortungsgeräte (Fu. M.G. „Mannheim-Riese", später „Rheinland") und optische Ortungsgeräte (Flak-Richt-Gerät und Flak-Folge-Gerät) erforderlich. Vorhalt- und Parallax-Rechner sowie ein Einlenk-Rechengerät sind Zusatzgeräte für Schräg- und Senkrecht-Start.


Die sichere und schnelle Verständigung zwischen Batteriebefehlsstelle, den techn. Schießenden und den Startstellen erfordert eine Signal- und Meldeanlage.

 


IV. Sonstige Einrichtungen und Geräte in den Batteriestellungen.


a) Lagerräume.


In jeder Batteriestellung müssen Lagerräume für 80 Flak-R vorhanden sein (8 Startstellen mit je 10 Flak-R). Eine Aufstellung der Flak-R im Freien scheidet wegen der Empfindlichkeit der hochwertigen Geräte aus. Die Lagerräume für „Wasserfall" haben eine Höhe von rd. 10 m. Für die übrigen Flak-R ist die Höhe der Lagerräume geringer. Die Räume müssen trocken, gut gelüftet u. U. bei strengem Frost auch heizbar sein, damit die Temperatur nicht unter einen bestimmten, durch Versuche noch zu ermittelnden Wert, absinkt. Die Flak-R sind zwar für tiefe Temperaturen ausgelegt, die Leistung kann sich aber durch zu starke Abnahme des Drucks hochverdichteter Gase mit sinkender Temperatur ändern. In den Lagerräumen sollen die Flak-R für die Wartung und Geräteprüfung zugänglich sein. Die Tore müssen im Gefecht schnell geöffnet und geschlossen werden können (Schiebetore).


b) Werkstatt und Prüfraum.


Jede Stellung muß eine Werkstatt haben, in der kleine Instandsetzungen an den mechanischen Geräten (Armaturen, Rudermaschine) und an den Hochfrequenzgeräten (Antennen, Empfänger, Mischgeräte) ausgeführt werden können. Für die laufende Überprüfung muß die Hochfrequenz-Werkstatt mit einem Satz Prüfgeräte ausgerüstet sein. Zur Werkstatt gehört auch ein kleines Lager für Ersatzgeräte und -teile.


c) Hebezeuge.


In den Stellungen sind Hebezeuge für das Entladen der Flak-R aus Last- oder Eisenbahnwagen und für Transportarbeiten in den Lagerräumen, der Werkstatt usw. erforderlich. Für „Wasserfall" ist hierzu der fahrbare Miag-Kran K 5000 D/P mit 9,25 m Hubhöhe bei 4 t Belastung entwickelt worden. Er dient

1. zum Abladen der liegend in der Stellung ankommenden Flak-R,
2. zum Transport der liegenden Flak-R von der Ablade- zur Aufrichtstelle,
3. zum Aufrichten der Flak-R in die senkrechte Stellung und zum Umlegen unklarer Flak-R,
4. zum Transport der senkrecht stehenden Flak-R von der Aufrichtstelle in die Lagerräume.


Bei den kleineren Gewichten der übrigen Flak-R und deren geringeren Abmessungen kann in diesen Stellungen das Hebezeug kleiner sein (z. B. Miag-Kran K 5000 D mit 5,2 m Hub bei 2 bis 5 t Tragfähigkeit). In den Stellungen sollen mit Rücksicht auf den Aufwand keine ortsfesten Krananlagen oder Kranbahnen in den Lagerräumen vorgesehen werden.


d) Stromversorgung.


Für die Fu. M. G., Funklenkanlagen und Startgestelle werden etwa 60 bis 90 kVA Drehstrom von 220 Volt gebraucht, wofür bereits eingeführte Dieselmaschinensätze mit Gleichrichtern für Sammlerladung genommen werden können (einer zu 60 kVA und einer zu 30 kVA als Notmaschinensatz).

e) Feuerlöschgeräte.


Durch die flüssigen Brennstoffe sind alle Flak-R sehr feuergefährliche Geräte. Brände können z. B. beim Leckwerden von Behältern infolge Korrosion oder durch undichte Armaturen entstehen. Beim Zusammenfluß der beiden selbstentzündlichen Brennstoffe entsteht auch beim Fehlen von Luftsauerstoff ein Brand, der kaum gelöscht werden kann. Deshalb ist eine Brandbekämpfung mit dem Schaumlöschverfahren zwecklos. Versuche haben gezeigt, daß durch sehr starke Verdünnung mit Wasser ein Brand sich erheblich eindämmen läßt. Hierfür sind in den Stellungen leistungsfähige Pumpen und Brunnen oder Wasserbehälter notwendig.


f) Schutzeinrichtungen.


Die Flak-R sollen in den Stellungen mit betankten Behältern angeliefert werden. Möglicherweise kommt aber die Betankung mit dem eigentlichen Brennstoff, dessen Menge kleiner ist als die des Sauerstoffträgers, erst in der Stellung infrage, um auf dem Transport eine Selbstentzündung beider Stoffe infolge von Undichtigkeiten zu verhindern. Obwohl also in den Stellungen im allgemeinen nicht mit den gefährlichen Sauerstoffträgem umgegangen zu werden braucht, muß doch beim Austritt solcher Flüssigkeiten an eine Flak-R herangegangen werden. Hierzu sind säurefeste Schutzanzüge (Jacke, Hose, hohe Stiefel, Handschuhe und Brille mit Gesichtsschutz) sowie Gasmasken mit Sonderfiltern gegen nitrose Gase erforderlich. Zur Ausrüstung des Sanitätsdienstgrades jeder Batterie müssen auch ein Atemgerät und Schutzmittel gegen Verätzungen gehören.


U. U. sind noch Schutzeinrichtungen erforderlich gegen Schäden durch die herabfallenden Teile der Pulverstarthilfen bei „Enzian", „Schmetterling" und „Rheintochter", die nach rd. 600 bis 800 m Flugweg von der Flak-R abgesprengt werden. Gefährdet können bei steilen Starts das Fu. M. G., F. R. G. und F. F. G. mit den Richtleuten und den techn. Schießenden sein.


g) Unterkünfte.


Da die Kopfstärke einer Flak-R-Batterie nicht größer als die einer Geschützbatterie ist, stellt die Unterbringung der Leute keine besonderen Aufgaben. Die Unterkünfte müssen wegen der Gefahr des Auftretens nitroser Gase beim Start genügend weit ab von den Startstellen angeordnet werden.

 


Zusammenfassung.


In den Batteriestellungen müssen Lagerräume für 80 Flak-R vorhanden sein, dazu ein Werkstatt- und Prüfraum für kleine Instandsetzungen und die laufende Prüfung der Hochfrequenzgeräte.


Ein möglichst vielseitig verwendbares, fahrbares Hebezeug ist der Miag-Kran K 5000 D, der in einer Sonderausführung für die Flak-R „Wasserfall" 9,25 m Hub hat.


Für die Stromversorgung sind 2 Dieselmaschinensätze für 60 und 30 kVA Drehstrom 220 V mit Ladeeinrichtungen für Sammler notwendig.


Fahrbare Feuerlöschpumpen sind je Stellung 3 bis 5 erforderlich, um große Brände wenigstens eindämmen zu können.


An Schutzeinrichtungen kommen Schutzanzüge, Gasmasken mit Filtern gegen nitrose Gase, Augen- und Gesichtsschutz, Atemgeräte und Mittel gegen Verätzungen infrage.


An die Unterkünfte sind keine besonderen Anforderungen zu stellen.

 

V. Batteriebefehlsstelle.


Die BBS ist im Gefecht besetzt mit dem taktisch Schießenden, dem Befehlsübermittler, dem Funklenk-Offizier, dem Trupp für die Zieleinweisung und mit Fernsprechern: An. techn. Einrichtungen hat die BBS außer der Signal- und Meldeanlage zu den Startstellen und den techn. Schießenden vor allem Geräte für die Zieleinweisung der Fu.M.G. (z, B.. Geräte „Haselnuß" oder „Luxor"). Die BBS wäre zweckmäßig zu verbunkern. Eine Übersicht über die Startstellen von der BBS aus ist erwünscht.


Die BBS einer Flak-R-Batterie wird zweckmäßig auch als zentrale Schaltstelle für die Stromversorgung, die Signal- und Meldeanlage und die Fernsprechleitungen angelegt. Entwürfe hierfür werden noch ausgearbeitet.


VI. Entwürfe für Batteriestellungen.


a) Allgemeines.


Die räumliche Anordnung der Startstellen und der Geräte für die Zielortung und die Funklenkung ist durch die Arbeitsweise der Geräte festgelegt. Die Zahl der Startstellen wird durch taktische Forderungen bestimmt, während ihre gegenseitigen Abstände durch Sicherheitsforderungen festgelegt sind.


Im Endausbau müßte jede Flak-R-Stellung aus zwei gleichen Halbbatterien mit je 4 Startstellen, 1 Funklenkanlage und 1 Zielortungsgerät bestehen. Diese Anordnung stellt auch eine Reserve dar, da beim Ausfall der einen Halbbatterie die andere weiter schießen kann. Die Flak-R-Batterien wären am zweckmäßigsten voll zu verbunkern, um ihre stete Einsatzbereitschaft zu sichern und ihre kostspieligen Geräte vor Beschädigung und Vernichtung zu schützen. Die Verbunkerung ist aber wohl kaum in dem Rahmen durchführbar, in dem der Einsatz der Batterien notwendig ist. Möglicherweise kann eine beschränkte Anzahl von Stellungen in besonderer Lage als Bunkerstellungen angelegt werden.


Nachstehend sind 2 Entwürfe für „Wasserfall"-Stellungen beschrieben, von denen die eine Holzbaracken als Lagerräume und die andere halbsichere Bunker hat. Eine vollsichere Verbunkerung ist möglich, nur ist der Stahlbedarf hierfür entsprechend groß.


Die verbunkerten Fu.M.G.-Stände, die Lagerräume, Gleisanlagen und Startstellen lassen eine Verlegbarkeit der Flak-R-Batterien nicht zu. Lediglich für die Flak-R „Schmetterling" ist bei den geringen Gewichten der Flak-R, des Startgestells und des Zubringewagens eine beschränkte Verlegbarkeit möglich, solange nur nach rein optischer Sicht gesteuert werden soll, also kein Fu. M. G. vorhanden ist.


Eine Flak-R-Stellung hat folgende Bauten:

8 Lagerräume für je 10 Flak-R 1 Werkstatt- und Prüfraum
1 Batteriebefehlsstelle Unterkünfte für 150 Mann
8 Startstellen
2 (4) Stände für Fu. M. G. bzw. Ortungsantennen 2 (3) Stände für F. R. G.
2 (3) Stände für F. F. G.

 


b) Unverbunkerte Stellung für "Wasserfall".


Folgende Bildreihe gibt eine Stellung nach vorstehenden Grundsätzen wieder unter Verwendung von Holzbaracken nach Bild 22 als Lagerräume.

 

Abscuss

Bildreihe

 

Bild 22

Bild 22: Lagerhalle für "Wasserfall"

 

Die Stellung hat 2 Pu. M. G.-Stände, die als Betonbunker von 13,5 m Länge, 5 m Breite und 3 bis 5 m Höhe bei 0,5 m starken Wänden und Decken ausgeführt werden sollen. Auf dem Bunker steht der Fu.M.G.-Spiegel mit 7 m Durchmesser und in dem Bunker das dazugehörige Hochfrequenzgerät. Jeder Bunker erfordert etwa 100 m3 Beton und 5t Bewehrungsstahl.


25 m vom Fu. M. G. entfernt sind die Stände für das F. R. G. und F. F. G., die als Erdstände mit Splitterschutzwall aus Erde ausgeführt werden können. 125 m vom Fu. M.G. ab liegt die Mitte der dazugehörigen Startstellen, die auf einem Kreis von 35 m Halbmesser liegen und untereinander 50 m Abstand haben. 30 m von jeder Startstelle entfernt steht eine Holzlagerhalle nach Bild 22. In ihr liegen 2 Gleise von 2 m Spurweite, die bis über die Startstelle hinaus laufen. Auf jedem Gleis stehen 5 Flak-R.


Zwischen den beiden spiegelbildlich angeordneten Halbbatterien liegt noch ein dritter F. R. G.- und F. F. G.-Stand, der aber nur für „Wasserfall" erforderlich ist.


Im Endausbau wird in der Mitte zwischen je 4 Startstellen noch eine 3achsige Antenne für die elektrische Ortung und Umlenkung des „Wasserfall" stehen.


Zwischen den Startstellen und Gerätständen sind Straßen notwendig, auf denen der Miag-Kran die Flak-R und die Geräte transportieren kann. Vor der Werkstatt ist eine große Betonfläche als Abladeplatz für den Flak-R-Nachschub vorgesehen.


Die ganze Stellung ist 550 m lang und 240 m breit. Die Unterkünfte können beliebig liegen.

 

Baustoffbedarf



Die Stellung hat keinen Schutz gegen Bombenangriffe, da Splitterschutzwälle und Dachabdeckungen für die 10 m hohen Holzlagerhallen mit erträglichem Aufwand nicht zu erstellen sind. Der hohen Hallen, Straßen und Gleise wegen ist die Stellung auch schwer zu tarnen. Im Truppenbau können nur die Lager- und Werkstatthallen und Unterkunftsbaracken erstellt werden. Startstellen, Fu.M.G.-Stände, Straßen und Gleise müssen unter Mitwirkung von Fachkräften gebaut werden.

Für die übrigen Flak-R „Enzian", „Schmetterling" und „Rheintochter" ist der Gesamtaufwand etwas geringer. Unverändert bleiben. Fu. M.G.-Stände, Batteriebefehlsstelle und Unterkünfte. Einfacher werden für „Enzian" und „Schmetterling" die Startstellen. Für „Rheintochter" ergeben die 2 m tiefen Gruben von 8,8 m Durchmesser nach Bild 21 (siehe oben) etwa den gleichen Aufwand wie die Startstellen für „Wasserfall". Die Abmessungen der Lagerräume für die übrigen Flak-R stehen noch nicht fest, da die zweckmäßigste Art der Lagerung (liegend oder stehend) noch untersucht wird. Die Straßen brauchen weniger befestigt zu sein als in der „Wasserfall'-Stellung.


c) Halbverbunkerten Stellung für „Wasserfall".


Man lagert Sprengstoff in Bunkern von etwa 75 cm Wandstärke, die nach einer Seite nur durch Holztüren abgeschlossen sind. Tritt eine Explosion ein, so fliegt die Tür heraus und die Nachbarbunker werden nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Ein annähernd quadratischer Grundriß ist in 10 Zellen unterteilt, von denen 8 als Lagerzellen für je 5 Flak-R, 1 als Werkstatt und 1 als Gerätebunker für 1 Fu. M. G. dienen. Wände und Decke sind aus 1 m starkem, besonders sicher bewehrtem Stahlbeton. Die 10 m hohen Zellen sind nach außen durch Holz-Schiebetore abgeschlossen. An 2 Längsseiten sind 3 m hohe schmale Untertreträume für die R-Trupps vorgesehen. Aus jeder Zelle führt ein Gleis zur 20 m entfernten Startstelle. Der „Drache" bzw. eine einfachere 3achsig gelagerte Ortungsantenne steht mitten auf dem Dach des Bunkers. Die zugehörigen Hochfrequenz- und Steuergeräte sind in der mit Fu. M. G. bezeichneten Zelle, die bei ihrer großen Höhe noch als Unterkunft für eine Bereitschaftsbedienung oder als Lager und Prüfraum dienen kann, untergebracht. Die außerdem noch freie Zelle dient im Bunker 1 als Werkstatt und im Bunker 2 als Batteriebefehlsstelle. Durch die sehr gute Raumausnutzung ist die Stellung leicht zu tarnen. Um jeden Bunker läuft eine befestigte Straße, die auch beide Bunker verbindet

 

Baustoffbedarf

Dafür bietet sie einen Schutz gegen leichte und mittlere Brand- und Phosphorbomben und gegen kleine Sprengbomben. Es besteht aber noch die Gefahr, daß Splitter durch die Holztore hindurch die Flak-R treffen können. Durch den hakenkreuzartigen Grundriß der Anlage ist aber immer nur ein Teil der Flak-R dieser Gefahr ausgesetzt.


In dieser Stellung können lediglich die Unterkünfte im Truppenbau erstellt werden.


Für die übrigen Flak-R ist dieser Stellungsentwurf nicht brauchbar, weil der Bunker mitten zwischen den Startgestellen den Schräg-Start behindern würde. Da aber die Lagerbunker für diese Flak-R niedriger sind als für „Wasserfall", kann für die übrigen Flak-R auch bei verbunkerten Lagerhallen der Grundriß beibehalten werden. Auch bei „Wasserfall" stört der Bunker etwas den techn. Schießenden am F. F. G., da er die Sicht zu einer Startstelle nimmt. Beim Senkrecht-Start ist dies aber nicht wesentlich, da ja die Anfangsrichtung senkrecht nach oben geht.


d) Vollverbunkerte Stellung für "Wasserfall".


Die Flak-R aus einer festungsartigen Stellung zu starten, wäre die sicherste Lösung, die allerdings wegen des Aufwands an Baustoffen und Arbeitsstunden nur auf lange Sicht hinaus zu verwirklichen ist. Unter Zuhilfenahme geeigneter maschineller Einrichtungen könnte man mit 4 statt 8 Startstellen auskommen, so daß man nur einen großen Bunker für 80 Flak-R benötigte. Für einen solchen 30 m x 40 m großen und innen 10 m hohen Bunker bei 2,5 m Wand- und 3,5 m Deckenstärke wären nach einem durchgerechneten Entwurf rd. 18000 nf Stahlbeton und rd. 900 t Bewehrungsstahl,
also die 2fache Beton- und die 2,6fache Stahlmenge wie für die beiden halbsicheren Bunker erforderlich.


Ein solcher Bunker würde aber völlige Sicherheit bieten. Er könnte so angelegt werden, daß nur die jeweils zum Start fertige Flak-R ungeschützt im Freien steht und die Bedienungen völlig geschützt im Bunker bleiben. Das setzt allerdings maschinelle Anlagen voraus. Ein solcher Flak-R-Bunker wäre einem Ferngeschützbunker des Atlantikwalles vergleichbar und ein unverletzbares Element eines Flak-Festungs-Gürtels.


Unterdessen ging die Entwicklung und Erprobung der verschiedenen Flak-Raketen nur sehr langsam voran. Immer wieder zeigte sich der Nachteil, der sich bei der Schaffung zuvieler verschiedener Systeme ergab.
Sicher wäre es besser gewesen, nur ein Projekt voranzutreiben und hierfür alle, ohnedies nur spärlich vorhandenen Mittel einzusetzen.


Die Probleme der Steuerung glaubte man dadurch lösen zu können, daß man befahl, nach Möglichkeiten für eine einheitliche Lenkung von „Wasserfall", „Rheintochter", „Schmetterling" und „Enzian" zu suchen, wie man aus dem Dokument vom 21.12.1943 ersehen kann.

21.12.1943

21.12.1943 pdf. Datei Grösse 1 MB

 


Auch die Vermessung der Flugversuche sollte einheitlich geregelt werden. So hat die Flakversuchsstelle der Luftwaffe in Karlshagen/Pommern am 28.1.1944 Bb. Nr. 450/44 g, Flak eine ausführliche Verfügung über die Zusammenarbeit verfügt.

Hier heißt es u. a.:

„Bei den zu treffenden Festlegungen ist zu berücksichtigen, daß die Flakversuchsstelle beauftragt ist, neben der Erprobung „Wasserfall" auch die Freiflugerprobung für die Geräte „Schmetterling", „Rheintochter" und „Enzian" vorzunehmen. Die Versuchsschießen mit diesen Geräten sollen von der Startstelle Strand (vor Pr. IX) erfolgen.

 

Am 7.2.1944 wurde von derselben Stelle unter der Bd. Nr. 942/44 g /HAP eine klare Festlegung der Basen und Stände getroffen und bestimmt, daß sämtliche Verschaltungs-arbeiten durch HAP 11 durchgeführt werden.


Und weil das Versuchsgelände „Greifswalder Oie" Eigentum des Reichsfiskus Heer war, wurde am 29.4.1944 unter der Bb. Nr. 1601/44 g vom Heimat-Artillerie Park 11, Karlshagen festgestellt, daß nunmehr auch diese Anlage durch die Flakversuchsstelle der Luftwaffe, Karlshagen benutzt werden kann.


Am 2.10.1944-wurde vom OKL-TL/Flak-E unter Bb. Nr. 573/44 g. Kdos. (Il/C) die Ausarbeitung über die Stellung „Brabant" für den Abschuß der Flak-Raketen erlassen.Hierin heißt es:


Bericht über den Aufbau der Stellung „Brabant".


Der nachfolgende Bericht gibt eine Übersicht über den geplanten Aufbau der Stellungen „Brabant"; mit diesem Stellungsaufbau soll der Einsatz der Flak-R durchgeführt werden. Die Stellung besteht im wesentlichen aus folgenden Geräten:

Funkmeßgerät für die Zielortung Fu. M. G. (Z)
Funkmeßgerät für die Flak-R Ortung und Lenkung Fu. M. G. (L)
Lafetten bzw. Startstellen der Flak-R.


Der Bericht gliedert sich in folgende Abschnitte:
I. Aufbau des Funkgerätes für die Zielortung Fu. M. G. (Z)
II. Aufbau des Funkgerätes für die Funklenkung Fu. M. G. (L)
III. Aufbau der Steuerung in den Stellungen.

 

 

Bild 13

Burgund Stellung : Skizze U.S.A

 

 

 


I. Aufbau des Funkmeßgerätes für die Zielortung Fu. M. G. (Z)


Das Fu. M. G. (L) besteht aus einem „Mannheim-Richtstand" mit eingebautem elektrischen Gerät für Ortung und Lenkung der Flak-R. An dem Richtstand ist seitlich eine Plattform mit dem Platz für den Lenkschützen angebaut. Vor dem Lenkschützen sind zur Lenkung der Flak-R das Richtprüfgerät, das elektrische Visier, der Knüppel und ein mit dem Spiegel des Richtstandes verbundenes Doppelfernrohr 10 x 80 (Blickwinkel 7,5°) mit einschaltbarer Vorsatzoptik 4 x 28 (Blickwinkel 10°) angebracht. Diese Vorsatzoptik wird beim Lenken nach optischer Sicht benötigt, um bei kleinen Entfernungen der Flak-R vom Richtstand die Flak-R nicht aus dem Gesichtsfeld zu verlieren.


Das Fu. M. G. (Z) besitzt zur Steuerung der Lenkvorgänge an seinen Achsen Gebersysteme des ÜG 37. Die Steuerleitungen gehen hiervon einmal zu Empfängersystemen am Funkmeßgerät „Mannheim" und weiter zu den Rechengeräten nach außen. Zur Einweisung des F. M. G. (Z) auf anliegende Ziele sind für die Grob-Empfänger am Funkmeßgerät Doppelempfängersysteme mit Abdeckzeiger vorgesehen. Der Anschluß der ersten Empfänger erfolgt an die an den Achsen des F. M. G. (Z) befestigten Grobgeber, der Anschluß der zweiten Empfänger erfolgt an von außen kommende Einweisungsleitungen.


Der Einsatz des F. M. G. (Z) kann nach 2 Methoden erfolgen, je nach dem, ob optische Sicht vorhanden oder nicht vorhanden ist


Optische Sicht: Richten des F. M. G. (Z) zum Ziel durch Flakfernrohre am Riesenspiegel; e-Messung durch des Funkmeßgerät „Mannheim".


Ohne optische Sicht: Richten des Fu. M. G. (Z) zum Ziel mit Hilfe des Funkmeßgerätes „Mannheim"; e-Messung durch das Funkmeßgerät „Mannheim".

 


II. Aufbau des Funkmeßgerätes für die Funklenkung Fu. M. G. (L)


Aufgaben des Fu. M. G. (L)
Das Fu. M. G. (L) hat folgende Aufgaben zu lösen:
1.) Ortung der Flak-R nach Seite, Höhe und Entfernung
2.) Lenkung der Flak-R zum Ziel
3.) Zündkommandogabe vom Boden aus (nicht für alle Anlagen vorgesehen).

Konstruktiver Aufbau des Fu. M. G. (L).
Das Fu. M. G. (L) besteht aus einem „Mannheim-Richtstand" mit eingebautem elektrischen Gerät für Ortung und Lenkung der Flak-R. An dem Richtstand ist seitlich eine Plattform mit dem Platz für den Lenkschützen angebaut. Vor dem Lenkschützen sind zur Lenkung der Flak-R das Richtprüfgerät, das elektrische Visier, der Knüppel und ein mit dem Spiegel des Richtstandes verbundenes Doppelfernrohr 10 x 80 (Blickwinkel 7,5°) mit einschaltbarer Vorsatzoptik 4 x 28 (Blickwinkel 10°) angebracht. Diese Vorsatzoptik wird beim Lenken nach optischer Sicht benötigt, um bei kleinen Entfernungen der Flank-R vom Richtstand die Flank-R nicht aus dem Gesichtsfeld zu verlieren.

Aufbau der Funklenkelektrik des Fu. M. G. (L).
Das elektrische Gerät für die Funklenkung (Abb. Fu M G folgend) enthält zwei HF-Übertragungskanäle 1) Boden zu Bord 2) Bord zu Boden
Für diese HF-Übertragungskanäle werden zwei Entwicklungsstufen unterschieden.

 

Abb 2

Fu M G

 

Entwicklungsstufe "Söhnlein b".
(Mit der Bezeichnung „Söhnlein" ist die Funkelektrik an Bord des Körpers benannt.)

Funkweg Boden zu Bord.
Sender am Boden „Kran", Empfänger an Bord „Brigg". Funkweg dient zur Übertragung der Funklenkkommandos nach dem Prinzip der Anlage „Straßburg-Kehl".


Funkweg Bord zu Boden.
Sender an Bord „Rüse", Empfänger am Boden „Rüse-Empfänger". Der Empfänger am Boden kann wahlweise nur die im 3-m-Spiegel sitzende Antenne „Heinchen" mit einem Blickwinkel von + 3° bzw. auf die am Spiegel angeflanschte Antenne „Männchen" mit einem Blickwinkel von + 60° umgeschaltet werden. Der „Rüse-Empfänger" gestattet die Ortung der Flak-R nach folgenden Methoden:

1)
Der Spiegel des Fu. M. G. (L) wird durch Richten des Standes nach zwei elektrischen Meßinstrumenten (Höhe und Seite) immer mit seiner Achse genau auf die Flak-R gerichtet.
2)
Der Spiegel zeigt mit seiner Achse nicht genau auf die Flak-R. Die Ablage der Flak-R von der Achse wird dann im „Elektrischen Visier" (Braunsches Rohr) durch die Abwanderung eines Leuchtpunktes in einem Fadenkreuz der Höhe und Seite nach angezeigt.



Der „Rüse-Empfänger" wertet weiterhin noch die Ruderzuordnung bei Drehung der Flak-R um die Längsachse aus und dreht die entsprechende Korrektur in den Knüppel hinein. Die Auswertung geschieht mit Hilfe der an Bord der Flak-R linearpolarisiert strahlende Antenne der „Rüse".


Da bei Entwicklungsstufe „Söhnlein b" eine Entfernungsauswertung für die Flak-R vom Boden aus nicht möglich ist, muß die Flak-R zur Auslösung der Zündung mit einem Abstahdszünder ausgerüstet sein.

 


Entwicklungsstufe "Söhnlein c".

Funkweg Boden zu Bord.
Sender am Boden „Kohlmeise", Empfänger an Bord „Fregatte". Funkweg dient wie bei 1 b) zur Übertragung der Steuerkommandos und weiterhin zusätzlich zur Entfernungsmessung der Flak-R und zur Übertragung des Zündkommandos vom Boden zum Bord.


Funkweg Bord zu Boden.
Funkweg arbeitet wie unter 1 b) beschrieben. Zusätzlich kommt hinzu die Übertragung und Auswertung der Entfernungsmessung der Flak-R. Die Entfernungsmessung basiert auf der Methode der Laufzeitmessung einer Schwingung für den Weg Boden zu Bord und zurück Bord zu Boden. Die Genauigkeit dieser Messung wird seitens Telefunken mit ± 50 m angegeben, von GL/Flak-E/B. V. wird eine Genauigkeit von mindestens ± 20 m gefordert. Die Zündkommandogabe wird ausgelöst durch den Vergleich der elektrischen Werte der Entfernungsmessung von Fu. M. G. (Z) mit den elektrischen Werten des Fu. M. G. (L) (Koinzidenzverfahren).


Steuerungsmäßiger Einsatz des Fu. M. G. (L).
Der Richtstand des Fu. M. G. (L) kann steuerungsmäßig nach zwei verschiedenen Methoden im Stellungsaufbau eingesetzt werden. (Abb. 3).

a) Messung der Anlage der Flak-R.
Der Richtstand wird von außen durch Rechner gesteuert und mit Hilfe der Funklenkelektrik wird die Ablage der Flak-R von den von außen gegeben Sollwerten durch das elektrische Visier gemessen.


b) Ortung der Flak-R (YR,0R).
Der Richtstand wird mit Hilfe der Funkelektrik durch Richten nach zwei elektrischen Meßin-strumenten (Höhe und Seite) mit seiner Achse immer genau auf die Flak-R gerichtet. Die Werte (YR,0R) werden durch am Richtstand angebrachte Geber nach außen gegeben.
Da die Getriebe des „Mannheim-Richtstandes" eine automatische Nachlaufsteuerung nicht zulassen, wird die Nachlaufsteuerung des Richtstandes für die Methode a) von Hand über Doppelanzeigeempfänger mit Abdeckzeiger vorgenommen (Abb. 4). Das erste Empfängersystem wird durch die an den Achsen des Gerätes angeschlossenen Geber gespeist, das zweite Empfängersystem erhält seine Steuerwerte von Rechnern außerhalb des Gerätes. Für die Methode b) werden die Werte von den am Richtstand angebrachten Gebern direkt nach außen gegeben.

 

Abb 3 & 4
Abb 5

 


III. Aufbau der Steuerung in den Stellungen.
Das Fu. M. G. (L) ist konstruktiv so aufgebaut, daß es beliebig in den nachfolgend beschriebenen Stellungsaufbauten (Abb. 5) verwendet werden kann. Die einzelnen Aufbauten werden nur durch Änderung der Verkabelung hergestellt. Der endgültige Stellungsaufbau für den Senkrechtstart wird nach Erprobung der nachfolgend beschriebenen Lösungen A bis C festgelegt.


Schrägstart.
Vom Fu. M. G. (Z) wird das Fu. M. G. (L) über die Doppelanzeigeempfänger durch Abdecken der Zeiger starr mitgenommen. Der Mitlauf der Lafetten erfolgt automatisch nach dem Fu. M. G. (Z) über Rechner (Parallaxrechner, Vorhalterechner), gelenkt wird die Flak-R durch den Lenkschützen am Fu. M. G. (L) bei optischer Sicht nach dem Doppeldeckungsverfahren unter Benutzung des Flakfernrohres, bei nicht vorhandener optischer Sicht nach dem „elektrischen Visier".


Senkrechtstart.

Lösung A.
Bei der Lösung A des Senkrechtstartes wird das Fu. M. G. (L) über Doppelanzeigeempfänger durch Abdecken von Zeigern starr mitgenommen. Die Werte für die Mitnahme werden vom Fu. M. G. (Z) über Einlenkrechner und Parallaxrechner geliefert. Die Lenkung der Flak-R geschieht bei optischer Sicht dadurch, daß der Lenkschütze die Flak-R immer im Fadenkreuz seines Flakfernrohres hält. Nach Ablauf des Einlenkprogramms erscheint im Gesichtsfeld auch das Ziel und der Lenkschütze steuert die Flak-R nach dem Doppeldeckungsverfahren weiter. Bei nicht vorhandener optischer Sicht wird nicht nach dem „Elektrischen Visier" gesteuert.


Lösung B.
Bei der Lösung B des Senkrechtstartes wird das Fu. M. G. (L) nach der Anzeige der elektrischen Meßgeräte mit seiner Achse dauernd auf die Flak-R gerichtet. Die Werte yR,0R, des Fu. M. G. (L) werden mit den vom Fu. M. G. (Z) über Einlenkrechner und Parallaxrechner kommenden Werten yz, 0z im Richtprüfgerät (R. P. G.) verglichen. Bei Gleichheit der zu vergleichenden Werte ergibt sich im R. P. G. keine Ablage des Lichtpunktes von der des Fadenkreuzes.
Während des Ablaufes des Einlenkprogramms lenkt der Lenkschütze die Flak-R so, daß im R. P. G. der Lichtpunkt immer in Fadenkreuzmitte bleibt, bei optischer Sicht lenkt der Lenkschütze nach Ablauf des Einlenkprogramms die Flak-R mit Hilfe des Flakfernrohres nach dem Doppeldeckungsverfahren. Bei nicht vorhandener Sicht wird nach der Anzeige des R. P. G. auch nach Ablauf des Einlenkprogramms weitergelenkt.

Lösung C.
Diese von Telefunken vorgeschlagene Lösung verwendet als Einlenkspiegel den „Star"; dies ist ein dreiachsiger kleiner Spiegel, wie er erst für das Projekt „Rheinland 3", „Siegfried" vorgesehen ist. Bei dem Spiegel ist für diesen Stellungsaufbau die dritte Achse (Querachse) gezurrt.

Für die Dauer des Einlenkvorganges wird nur der „Star" an die im Fu. M. G. (L) befindliche Funklenkelektrik angeschlossen, nach beendetem Einlenkvorgang wird auf dem Spiegel des Fu. M. G. (L) automatisch umgeschaltet. Der „Star" ist mit automatischer Nachlaufsteuerung versehen und kann daher, weil er ohne Bedienung arbeitet, in der Mitte aller Startstellen einer Batteriestellung aufgebaut werden. Die Werte Yz 0z des Fu. M. G. (Z) werden über das Einlenkgerät und den Parallaxrechner einmal an den „Star", das andere Mal direkt zum Fu. M. G. (L) gegeben.


Der „Star" läuft zu Beginn des Einlenkvorganges aus der Stellung y = 90° los und schreibt die Bahn für die Flak-R vor. Gelenkt wird die Flak-R nach der Anzeige des „elektrischen Visiers". Nach beendetem Einlenkvorgang übernimmt der Spiegel des Fu. M. G. (L) die Messung der
Ablage der Flak-R. Jetzt kann bei optischer Sicht mit Hilfe des Flakfernrohres nach dem Doppeldeckungsverfahren gelenkt werden. Bei nicht vorhandener optischer Sicht wird nach der Anzeige des „Elektrischen Visiers" weitergelenkt.


Aus der Niederschrift über die Besprechung „Halbmond" von Chef TLP/Flak-E Bb. Nr. 665/44 gKdos vom 9.10.1944 interessiert in diesem Zusammenhang nur ein Abschnitt:


Entwicklung:
Wasserfall und Schmetterling wegen Serie besonders forcieren. Rheintochter 3 und Enzian weiter entwickeln bis Versuchsergebnisse mit voll steuerbaren Geräten vorliegen. Voraussichtlich Ende Dezember 1944 würde es möglich sein, die Entscheidung zu treffen, ob ein Gerät Schmetterling 2 (mit größerer Sprengstoffmenge und Reichweite) oder Rheintochter 3 oder Enzian zu einem bestimmten Zeitpunkt die Serie Schmetterling 1 ablösen soll.


Offenbar bestand Ende 1944 die Absicht, die Vielzahl der projektierten Flak-Raketen einzuschränken. Jedenfalls wurde bei der Forschungsführung des RdL am 23.10.1944 unter der B. Nr. 4469/44 g. Kdos ein Vergleich zwischen „Schmetterling" und „Enzian" angestellt, wie wir aus folgendem Dokument (23.10.1944) ersehen.

23.10.1944

23.10.1944


Und bei einer Besprechung zwischen Herren der GL/Flak mit Reichsminister Speer im Anschluß an eine Vorführung vor dem Reichsmarschall am 30.10.1944 wurden die künftigen Vorhaben festgelegt, wie man aus dem Dokument 30.10.1944 ersehen kann.

30.10.1944

30.10.1944 pdf. Datei Grösse 1 MB


Danach waren die Arbeiten an der sogenannten Amerika-Rakete A9 ab sofort einzustellen. Der „Schmetterling" sollte besonders konzentriert weiterentwickelt und sogar sofort in Serie gehen. Dabei sollten 3000 Geräte monatlich hergestellt werden, aber sicher wußte niemand, wie das vor sich gehen konnte. Im Beschlüssefassen waren die Herren wirklich unschlagbar. Die Realität sah ganz anders aus.



Gegen Ende 1944 wurden die Grundlagen des Schießens mit „Schmetterling" aufgestellt. Das Merkblatt hatte folgenden Wortlaut:


Über die Grundlagen des Schießens mit der vom Boden aus über Funklenkung gesteuerten Flakrakete "Schmetterling".
Die Anlage „Burgund S" mit Rechengerät A wird benötigt, um einen durch Raketenantrieb betätigten Flugkörper, den Schmetterling, in Richtung eines Flugzieles nach dem Zieldek-kungsverfahren zu steuern. Der Schmetterling wird gestartet von einem der Seite und Höhe nach schwenkbaren Geschütz.


Die Bodenanlage besteht aus dem zielverfolgenden Gerät (Sichtmeßgerät), dem körperverfolgenden Gerät (Sichtlenkgerät) und den Geschützen. Es sind vier Geschütze vorgesehen, von denen jeweils eines für den Schuß ausgewählt wird. Bei den ersten Anlagen sind optische Meß- und Lenkgeräte verwendet, während später elektrische Geräte angewandt werden. Der Lenkschütze befindet sich auf dem Lenkgerät und steuert von dort die Flakrakete nach dem Funklenkverfahren.


Da der Abschuß der Flakrakete vorerst gewisse Gefahren in sich birgt, müssen Bedienungsmannschaften und empfindliche Geräte mindestens 50 m von der jeweiligen Startstelle entfernt sein. Daraus ergibt sich folgende Anordnung der Bodengeräte:


Das Sichtmeßgerät und Sichtlenkgerät sind 10 m voneinander entfernt, um eine gegenseitige Behinderung in der optischen Freiheit möglichst gering zu halten. Der Abstand zwischen den Geschützen und dem Lenk- bzw. Meßgerät soll mindestens 50 m betragen. Der Abstand zwischen den einzelnen Geschützen ist ebenfalls 50 m. Andererseits sollen die Geschütze nicht mehr als 100 m von dem Lenkgerät entfernt sein.


Da die Flakrakete nach dem Abschuß von dem Geschütz die Visierlinie des Lenkschützen in verhältnismäßig kurzer Entfernung schneiden soll, muß der Stellungsunterschied zwischen Lenkgerät und jeweiligem Abschußpunkt berücksichtigt werden. Dies erfolgt durch den Stellungsunterschiedrechner, der dafür sorgt, daß die Geschoßbahn die Visierlinie schneidet und mit dieser einen spitzen Winkel bildet. Dadurch wird erreicht, daß die Flakrakete möglichst lange im Blickfeld des Lenkschützen bleibt und vom Augenblick des Eintretens in das Blickfeld durch das Steuerorgan des Lenkschützen, den Pol, beeinflußt werden kann.


Der Punkt, in dem die Flakrakete die Visierlinie schneidet, soll 550 m vom Lenkschützen entfernt sein (Einlenkpunkt).
Da die Flakrakete eine gewisse Zeit benötigt, um vom Abschußpunkt zu dem Einlenkpunkt zu gelangen, muß die Änderung der Zielrichtung während dieser Zeit durch einen Vorhaltrechner berücksichtigt werden. Das Verhalten der Flakrakete in den ersten Flugsekunden bis zum Einlenkpunkt bedingt einen Aufsatzrechner, da keine Steuerimpulse während dieser Zeit auf die Flakrakete abgegeben werden.

Außer der Ermittlung der Werte für den Stellungsunterschied, Vorhalt- und Aufsatzwinkel muß noch der C-Winkel während der Gesamtflugzeit errechnet werden, über den später noch Näheres ausgeführt wird. Der gefundene C-Winkel wird dem Lenkorgan des Lenkschützen zugeführt und bedingt eine sinnfällige Zuordnung der Ruderausschläge der Flakrakete zu den Knüppelauslenkungen des Lenkschützen. Die Flakrakete wird von dem Geschütz abgeschossen, dessen Seiten- und Höhenwinkelwerte von dem Rechengerät für Stellungsunterschied, Vorhalt und Autsatz gebildet werden.


Der Lenkschütze steuert den Körper vom Augenblick des Eintretens in das Blickfeld an und bringt ihn mit dem Fadenkreuz bzw. dem in der Optik sichtbaren Ziel in Deckung.


Die Zerlegung der Flakrakete im Treffpunkt erfolgt durch den Abstandsmesser, der den Zünder betätigt. Sollte der Abstandsmesser bei den ersten Anlagen serienmäßig noch nicht vorliegen, so erfolgt die Zerlegung der Flakrakete durch ein Funkkommando, das von dem e-Meßmann gegeben wird, der in einem e-Meßgerät ohne Meßmarke den Abstand zwischen Ziel und Flakrakete beobachtet und bei minimalem Abstand das Zerlegungskommando gibt.


Die Geschütze erhalten, wie schon vorher erwähnt, ihre Werte von den Rechengeräten über Fernsteuerungen. Für die ersten Versuche ist ein Festsetzen der Geschützsteuerung kurz vor dem Start vorgesehen, da noch nicht einwandfrei geklärt ist, ob die Flakrakete das Geschütz beim Drehen und Schwenken vorschriftsmäßig verläßt.


Eine Signal- und Kommandoanlage stellt sicher, daß der ordnungsgemäße Ablauf sämtlicher Vorgänge vor und während des Schusses gewährleistet wird und daß der jeweilige Zustand der Anlage der Batteriebefehlsstelle gemeldet wird.


Vor dem eigentlichen Start wird eine Zeit von 180 Sekunden gebraucht, bis die Flakrakete abschußfertig ist. Diese Zeit wird benötigt, um den Lagenkreisel hochlaufen zu lassen und die Röhren für die Verstärker anzuheizen. Nach Betätigung des Startknopfes durch den Lenkschützen wird ein Zeitprogramm in Funktion gesetzt, daß die Zeit für das Hochlaufen des Generators in der Flakrakete berücksichtigt, die Umschaltung des Senders vornimmt, den Zündvorgang auslöst und das Relais zum Festsetzen des Geschützes betätigt. Ebenso wird der C-Rechner nach einer bestimmten Zeit eingeschaltet. Das Zerlegen der Flakrakete und das Ende des Schusses wird durch den Lenkschützen quittiert, der die Taste „Ende" drückt.


Dies wird in großen Zügen die Grundlagen für das Schießen mit der Flakrakete „Schmetterling" in der Ausführung mit Rechengerät.


Über die Erprobung der Hs 117 und Hs 298 wurde mit der Br. B. Nr. 2450 / 44 E 4 g. Kdos. von der Erprobungsstelle der Luftwaffe, Karlshagen, am 28.8.1944 ein Bericht als Aktenvermerk erstellt, den wir als folgendes Dokument wiedergeben. Daraus ersieht man die Schwierigkeiten, die sich bei dieser neuartigen Waffe ergaben.

Erprobung Hs 117

Erbrobung Hs 117 & Hs 298 pdf. Datei Grösse 6 MB

 


Auch die Berichte über die Erprobungen der Triebwerke für Hs 117 vom 13.9.1944 und 8.12.1944 derselben Dienststelle zeigen, daß man es auch auf diesem Gebiet nicht leicht hatte, eine zuverlässige Lösung zu finden. Sehen Sie unter folgenden Dokumenten.

 

13.09.1944
08.12.1944
13.09.1944
08.12.1944 pdf Datei Grösse 6 MB

 


Am 14.10.1944 fand eine Besprechung bei der Gruppe Flak-Entwicklung 5 über die Organisation und Unterstellung der Versorgungsstellen für „Schmetterling" statt, worüber eine Niederschrift unter Az. 144 Nr. 703/44 g. Kdos erstellt wurde, welche wir als folgendes Dokument vom 16.10.1944 wiedergeben.

16.10.1944

16.10.1944 pdf. Datei Grösse 16 MB

 


Aus einem weiteren Bericht vom 22.10.1944 über die weiteren Planungen und den Serienablauf drucken wir lediglich eine Tabelle ab, aus welcher die hochgesteckten Ziele zu ersehen sind. Hier werden Zahlen angegeben, die einem reinen Wunschdenken entsprungen sind.

 

22.10.1944

Tabelle vom 22.10.1944

 


Im Rahmen dieses Beitrages über den „Schmetterling" wollen wir nun eine Beschreibung der Rakete und der Anlagen bringen, wie sie am 9.5.1944 verfaßt wurde. Da dort keine Bilder vorhanden sind, ergänzen wir die Beschreibung mit Bildern vom 1.4.1945.


Der Text lautet:


Übersicht


1) Zweck


Die Hs 117 ist ein vom Boden aus einzusetzendes Angriffsmittel gegen Flugzeuge. Sie ist als ferngelenktes Kleinflugzeug ausgeführt, das nach Sicht im Zieldeckungsverfahren gesteuert wird.


Die Hs 117 fliegt mit hoher Unterschallgeschwindigkeit. Ihre Sprengladung wird in einem größten Abstand von 7 m vom Ziel durch einen Abstandszünder zur Detonation gebracht.


Auf Grund von Erfahrungen mit Flugkörpern ähnlicher Geschwindigkeit, Reichweite und Steuerung wird eine hohe Treffwahrscheinlichkeit erwartet.


Die Hs 117 ist ein Jahr lagerfähig und bei Temperaturen zwischen -50°C und +6CTC einsatzbereit.


2) Kenngrößen

1. Startgewicht (mit Starthilfen)
440 kg
2. Fluggewicht (ohne Starthilfen)
250 kg
3. Pulverfüllung der Starthilfen
80 kg
4. Treibstoff-Füllung der Dauerschubanlage
75 kg
5.Sprengstoff
25 kg
6. Elektrische Ausrüstung (mit Fernzünder)
18 kg
7. Zelle (Flügel, Rumpf, Leitwerk)
60 kg
8. Dauerschubanlage ohne Treibstoff
75 kg
9. Flügelfläche (aerodynamisch)
1.14 m2
10. Flächenbelastung beim Start
377 kg/m
bei Flugbeginn
219 kg/m
bei Flugende
159 kg/m
11. Gipfelhöhe
10 km
12. Angriffshöhe, maximal
9 km
13. Fluggeschwindigkeit im Verhältnis zur
Schallgeschwindigkeit
ca. 0,75 c
  mittlere 240 m/s
  mittlere 865 km/h
14. Spannweite
2,0 m
15. Länge   3,8 m


3. Einsatzbereich


Die Hs 117 kann gestartet werden, wenn sich das Ziel in einem bestimmten Bereich, dem in der Anlage dargestellten „Schußbereich" befindet. Dieser Bereich ist für einen Anflug des Gegners mit konstanter Geschwindigkeit in gleichbleibender Höhe und für geraden Flugweg berechnet. Bei Ausweichbewegungen des angegriffenen Flugzeuges vermindert sich der Schußbereich auf Entfernungen, die in der graphischen Darstellung als Mindestgrenzen eingetragen sind. Die äußerste Schußentfernung ist durch die Sichtweite gegeben, die mit höchstens 16 km angenommen wird.


Für andere Zielgeschwindigkeiten sowie Windeinfluß verschiebt sich der Schußbereich: Für größere Geschwindigkeiten der Zielflugrichtung entgegen, für geringere in Zielflugrichtung. Die innere Grenze des Schußbereiches ist durch eine Zeit von etwa 20 sek. bedingt, die der Schütze zum sicheren Einsteuern und Beruhigen des Flugkörpers auf dem Sehstrahl braucht.


Der Treffbereich ist sinngemäß die Darstellung des Raumes, in dem das Ziel erreicht wird, wenn es innerhalb des „Schußbereiches" angegriffen wurde.

 

 


Baubeschreibung


1) Die Zelle


a) Tragwerk


Das Tragwerk ist in Mitteldeckeranordnung dem Rumpf angefügt. Die Flügel sind pfeilförmig mit Trapezgrundriß und symetrischem Profil (NACA 0012). Sie haben ein tragendes Metallgerüst mit einem Holm und Rippen und sind metallbeplankt. Die Verbindung zwischen Flügelholm und Rumpfholmträger wird durch je ein beiderseits eingesetztes Stahlrohrstück hergestellt. Dadurch sind die Flügel abnehmbar.


Als Querruder findet eine Ruderleiste Anwendung, die im Bereich des Außenflügels angebracht und durch im Flügel selbst untergebrachte Elektromagnete betätigt wird.


b) Leitwerk


Das Höhenleitwerk ist mit Rechteckgrundriß ausgeführt und über dem Rumpfende angeordnet. Die beiden Leitwerkshälften werden auf einem gemeinsamen, in das Rumpfende eingeschobenen Holm befestigt. Das Höhenleitwerk ist, gleich dem Tragwerk, Ganzmetallausführung. Als Höhenruder wird eine Ruderleiste mit Magnetbetätigung verwendet.


Das Seitenleitwerk hat Trapezform und ist nur Stabilisierungsfläche; es hat also keine Ruderleisten: Es ist mit dem Rumpfende fest verbunden und ebenfalls in Metall ausgeführt.


c) Rumpf


Der Rumpf ist aus drei Baugruppen zusammengesetzt; die Verbindungen sind lösbar.


Das Rumpfvorderteil mit tragender Metallhaut enthält die elektrische Anlage: Fernzünder, Stromversorgung, Kreisel und Empfänger; außerdem ist in ihm die Sprengladung untergebracht.


Das Rumpfmittelstück besteht aus der selbsttragend angeordneten Behältergruppe für Preßgas, Treibstoff und Brennstoff. Begrenzt wird es durch Beschläge, die Absprengrohr für die Starthilfen aufnehmen.

Das Rumpfhinterteil mit tragender Metallhaut ist zur Aufnahme der Leitwerke und der Brennkammer mit Regelung ausgebildet.

 

Zuender

Bau-Zeichnung vom 22.10.1944

 

 


2) Elektrische Anlage


a) Stromversorgungsanlage


Die Stromversorgung wird während der Vorbereitungszeit am Boden durch ein 24-Volt-Gleichstromaggregat der Bodenanlage übernommen. Während des Fluges tritt an dessen Stelle ein im Gerät eingebauter Generator, der durch eine Luftschraube angetrieben wird. Die vom Generator gelieferten Spannungen werden durch einen Regler bei Umdrehungen von 8.000 - 20.000 pro Minute auf ihren Sollwert geregelt.


Zur Überbrückung der toten Zeit vom Start bis zur Erreichung der der Generatordrehzahl entsprechenden Luftschraubendrehzahl wir der Generator angelassen und nach dem Start der Hs 117 durch eine Schwungmasse das Abfallen unter eine Mindestdrehzahl verhindert. Bei Drücken des Startknopfes wird eine Anlaßspannung von 36 Volt (später evtl. 48 Volt) an den Generator gelegt. Der Generator läuft hierauf 5 Sekunden lang als Motor hoch. Diese Zeit ist durch einen Zeitgeber in der Bodenanlage genau definiert. Danach erhält die untere Rakete Zündspannung. Bei Abreißen des Abreißsteckers wird der normale Generatorbetrieb aufgenommen.

Stellung Flakraketen Hs 117

elektrische Vorgänge

 


b) Empfangsanlage mit Steuerungsteil


Die Empfangsanlage mit Steuerungsteil dient zur Aufnahme der von der Bodenanlage gesendeten Kommandos und Übertragung derselben auf die Ruderleisten. Sie besteht aus der Antenne mit Antennenpaßgerät, dem Empfänger, dem Filter mit Querstabilisierungskreisel und den Steuermagneten, welche die Ruderleisten (Schwingleisten nach Prof. Dr. Wagner) betätigen. Der Empfänger hat die Aufgabe, die von der Antenne empfangene HF-Energie zu verstärken, zu demudulieren und im NF-Teil nochmals zu verstärken. Im NF-Teil findet eine Trennung des Höhenruderkommandos vom Querruderkommando statt. Jedes dieser Kommandos wirkt auf eine Wicklung des ihm zugeordneten Ausgangsrelais. Bei der Höhensteuerung arbeitet dieses Relais direkt auf die Rudermagnete, während bei der Quersteuerung eine Stabilisierung notwendig ist, um ein Rollen der Hs 117 zu vermeiden. Dies geschieht durch das Quersteuerungsgerät (Q-Gerät). Im Q-Gerät werden die Impulse des Ausgangsrelais durch Filter in Gleichstrommittelwerte umgewandelt, die noch eine bestimmte Restwelligkeit besitzen. Die beiden Gleichströme werden einem Doppelpotentiometer, das durch einen Kreisel lagefest gehalten wird, zugeführt. Die Abgriffe der Potentiometer sind mit der Wicklung eines Relais verbunden, das die Querrudermagnete steuert.


Hat sich unter dem Einfluß eines Kommandos das Impulsverhältnis verschoben, dann entsteht an den Abgriffen des Doppelpotentiometers eine Spannungsdifferenz, die das Relais und damit die Querrudermagnete steuert. Ist der kommandierte Sollwinkel erreicht, so ist durch Verschiebung der Abgriffe an dem lagefesten Doppelpotentiometer die Spannungsdifferenz Null geworden.


In dieser Null-Lage wird durch einen RC-Kreis in Verbindung mit der Restwelligkeit ein dauerndes Klappern der Ruderleisten zur Verminderung der Kommandoverbesserung infolge Reibung bewirkt. Gleichzeitig wird durch den RC-Kreis eine Dämpfung hervorgerufen, um ein Überdrehen der kommandierten Lage zu vermeiden.

 

c) Sprengstoffzündanlage


Die Sprengstoffzündanlage besteht aus dem Donag-Fernzünder (oder Marabu), dem Verzögerungsschaltwerk und der elektrischen Zündladung C 98.


Der Donag-Fernzünder trägt zwei teilweise konzentrisch ineinanderliegende Antennen, deren eine als Sendeantenne ein bevorzugt nach der Seite gerichtetes Wellenbündel aussendet und deren andere die direkte und reflektierte Strahlung empfängt. Das der Hs 117 sich nähernde Ziel bedeutet eine den Wellenzug reflektierende Metallfläche, deren relativ schwacher Reflek-tionsimpuls von der direkten Strahlung durch die Dopplermodulation unterschieden wird. Die Modulation wird verstärkt und betätigt direkt ein Ausgangsrelais. Dieses Relais schaltet die Zündspannung auf die elektrische Zündladung C 98.


Zur Sicherung der Zündladung wird diese vom Fernzünderkreis abgeschaltet und erst 5 Sekunden nach dem Abschuß durch ein mechanisches Uhrwerk auf geschaltet.

 

Zuender

Sprengstoff-Zünder

 

 


d) Absprengzündanlage für Starthilfen


Die Zündung des Sprengsatzes für die Absprengung der beiden Starthilfen erfolgt durch ein Zeitschaltwerk. Dieses ist auf die obere Brennzeittoleranz der Starthilfen eingestellt. Während des Absprengvorgangs wird die Aussteuerbarkeit der Querbeschleunigungen des Flugkörpers begrenzt, um Beschädigungen durch die Starthilfen zu vermeiden. Aus dem gleichen Grunde wird der Zündkreis des Dauerschubes gleichzeitig eingeschaltet, so daß der Schub erst nach der Absprengung einsetzt.


3) Triebwerk


a) Dauerschub


Für den eigentlichen Flug der Hs 117 ist als Vortriebsanlage eine Flüssigrakete eingebaut. Diese wird nach dem Zweistoffverfahren mit Selbstzündung und Preßgasförderung betrieben. Um einen bestimmten Geschwindigkeitsbereich (konstante Machzahl) zu gewährleisten, wird der dem Brennraum vorgelagerte Düsensatz durch Drehschieber geregelt beschickt. Die Regelung erfolgt durch einen Machzahl-Regler, der mittels Elektromotor den Drehschieber betätigt. Diese Schaltung dieses Motors erfolgt durch ein Druckdosenaggregat, dessen Druckdosen die Differenz zwischen Staudruck und statischem Druck ermitteln. Diese Drücke werden von einem am Seitenleitwerk angebrachten Prandtlrohr abgegeben.


b) Startschubanlage


Die Fluggeschwindigkeit der Hs 117 wird auf einem im freien Raum liegenden, gestoperten Beschleunigungsweg erreicht. Den zur Beschleunigung erforderlichen Schub, in der Größenordnung vom etwa 10-fachen Betrag des Dauerschubs, liefern zwei außerhalb des Flugkörpers angebrachte Startraketen, die als Pulverraketen ausgebildet sind. Nach dem Ausbrennen werden diese Startraketen durch Absprengen entfernt. Das Absprengen erfolgt durch Zünden eines kleinen Sprengsatzes, der sich im Befestigungsrohr innerhalb des Rumpfes befindet.

 

4) Sprengladung


Der Sprengsatz besteht in der Hauptsache aus einer Sprengmasse (Hexogen + Trinitroluol), die nahezu zylindrisch ausgebildet ist, mit einem Durchmesser etwa gleich dem Rumpfdurchmesser. In dieser ist der Zünder C 98 eingebettet, jedoch so, daß er erst kurz vor dem Abschuß eingesetzt und während des Fluges geschärft werden kann. Die Sprengwirkung ist eine Minenwirkung, die in der Hauptsache ringförmig um den Flugkörper wirksam wird.


5) Bodenanlage


a) Zielgerät
Zum Schutz vor den Raketengasstrahlen wird die Gruppe der Zielgeräte etwa 40 m vom Startgestell entfernt aufgestellt. Die Zielgeräte umfassen ein Zielsuchgerät, ein Flak-Richtgerät und ein Flak-Folgegerät.


Das Zielsuchgerät übernimmt die Einweisung des Flak-Richtgeräts. Sobald dieses das Ziel aufgefaßt hat, werden Flak-Folgegerät und Startgestell über eine elektrische Nachlaufeinrichtung mit ihm zusammengeschaltet. Das Flak-Richtgerät wird von sogenannten Beobachtern bedient; der Schütze hat seinen Platz am Flak-Folgegerät.


b) Fernsteuerung


Die Bodenanlage besteht aus dem Sender mit Modulationsteil, dem Geber, dem Umformer und der Antenne mit Anpaßgerät. Die Lenkung erfolgt durch Bewegung eines Kommandogebers (Steuerknüppel). Je nach Knüppelausschlag wird getrennt für Höhen- und Quersteuerung je ein Impulsverhältnis im Modulationsteil des Senders verschoben. Im Takte dieser Impulsverhältnisse werden durch je ein Relais abwechselnd zwei verschiedene Tonfrequenzen geschaltet. Mit diesen Tonfrequenzen wird die hochfrequente Sendeenergie, die der quergesteuerte Sender liefert, moduliert, so daß eine zweifach modulierte Hochfrequenz über das Anpaßgerät von der Antenne ausgestrahlt wird. Der Umformer liefert die zum Betrieb der Sendeanlage notwendigen Spannungen.


c) Startgestell


Das Startgestell ist ein vom Flak-Folgegerät gesteuertes Richtgerät, das die Längsachse des Flugkörpers nach Seite und Höhe in die Richtung des Sehstrahls zum Feind bringt, und zwar unter Berücksichtigung des erforderlichen Verhaltens. Infolge Vorzündens der unteren Startrakete hebt sich die Hs 117 im Augenblick des Starts ab. Auf eine Gleitbahn ist verzichtet. Die Hs 117 wird daher mit einem Teil des Tragwerks auf das Startgestell aufgelegt.


Die Einbringung in das Startgestell erfolgt mittels besonderer Zubringewagen.


Das Startgestell enthält zusätzlich die elektrische Anlage zur Speisung der noch nicht selbständigen Bordanlage der Hs 117 und zur Auslösung des Starts.


Anmerkung: Die vorstehend beschriebene Bodenanlage ist als Entwurf zu betrachten. Änderungen sind nach Erprobung dieser Anlage und einer zweiten, ohne elektrische Nachsteuerung der Bodengeräte, möglich.

 

 

Anwendung


a) Startvorbereitung


Die Hs 117 befindet sich fertig im Bereitschaftslager neben dem Startgestell. Hier werden bei Alarm die elektrischen Bordgeräte mit Fremdstrom gespeist (Anlaufen des Kreisels, Anheizen der Empfängerröhren). Der Zünder wird eingesetzt. Die Hs 117 ist nach 2 Minuten gefechtsklar. Für den Einsatz wird die Hs 117 auf dem Zubringewagen zum Startgestell gebracht und dort abgesetzt. Die Speisung der elektrischen Anlage ist für diese Zeit (max. 1 Minute) unterbrochen und wird durch Herstellen der Verbindungen auf dem Startgestell fortgesetzt. (Anmerkung: Die hier geschilderten Startvorbereitungen haben wir bereits am Anfang dieses Beitrags, auf Fotos dargestellt!)

 

Stellung Flakraketen Hs 117

Gerätelaufbahn der Hs 117

 


b) Start


Der Schütze gibt im geeigneten Augenblick nach der Auffassung des Zieles den Startbefehl elektrisch direkt an das Startgestell. Mit diesem Kommando läuft der Stromerzeuger mit Fremdstrom an. Nach 5 Sekunden zündet zunächst die untere Startrakete. Die Hs 117 hebt ab. Die 2. Startrakete zündet 0,5 sec. später.


c) Einsteuern


Nach dem Start sind die Steuermagnete aufgeschaltet. Der Schütze beginnt das Einsteuern auf den Sehstrahl zum Ziel. Der Vorgang wird während des Absprengens der Starthilfen (siehe folgenden Absatz) kurzzeitig automatisch unterbrochen. Das gesamte Einsteuern und Beruhigen auf dem Sehstrahl nimmt etwa 20 Sekunden in Anspruch.

 

Stellung Flakraketen Hs 117

Bild 1: Der „Schmetterling" wurde vom sogenannten R-Geschütz, aber auch, wie hier, von einfachen Startgestellen abgeschossen...

 

 

Beobachtungskamera

Bild 2: Blick durch die Beobachtungs- und Vermessungskamera auf den „Schmetterling" im Startgestell...

 

 

Zuendung Startrakete

Bild 3: ... Die erste Startrakete wird gezündet, kurz darauf die zweite.

 

Hebt ab..

Bild 4:... der „Schmetterling" hebt ab...

 

Schweif

Bild 7: .. .der „Schmetterling" fliegt seinem Ziel entgegen.

 

Flug

Bild 8: .. .der „Schmetterling" fliegt davon, verfolgt von der Vermessungskamera

 

 

d) Absprengung der Starthilfen


Das Entfernen der Startraketen vom Flugkörper (siehe hierzu auch Abschnitt B 3b) erfolgt ein kurzzeitiges Begrenzen der Höhensteuerung, um zu verhindern, daß der Flugkörper das Beschleunigungskommando einer abgesprengten Rakete nacheilt. Die Dauer dieser Begren-zung liegt unter 2 Sekunden. Sie erfolgt auf einer Bahnstrecke, auf der der Flugkörper unkontrollierten Eigenbewegungen mehr macht.


e) Flug


Nachdem die Hs 117 auf dem Sehstrahl eingesteuert ist, wird sie weiterhin auf dem Kurs gehalten, d.h. im Zieldeckungsverfahren gesteuert. Diese Steuerung erfolgt im Koordinatensystem bei dem jeder Knüppelrichtung eine Querlage des Flugkörpers und jeden Knüppelausschlag eine Beschleunigung zugeordnet ist. Da die Steuerung optisch, also mit Sicht, erfolgt, wird eine ausreichende Sichtbarkeit gewährleistet.


f) Zerlegung


Die Detonation der Sprengladung wird durch den Fernzünder oder, im Falle eines Fehlschuss-ses, durch Zeitschaltwerk ausgelöst. Auf den Flugkörper selbst wirkt die Detonation nicht voll zerstörend, so daß damit zu rechnen ist, daß das Flügel-Rumpf-Leitwerk-System zum Teil beschädigt, aber zusammenhängend abstürzt. Jedoch kann angenommen werden das hierbei keine sehr erhebliche Endgeschwindigkeit zustandekommt, daß vielmehr Trudelbewegungen den freien Fall hemmen.

 


D. Ziel-Übungs- und Ziel-Studien-Gerät


Es ist erforderlich, den Schützen für die Steuerung der Hs 117 zu schulen und erwünschte Bewegungsstudien mit gegebenen Flugbahngesetzen vornehmen zu können. Für diesen Zweck wurde ein Gerät entwickelt, das in einem Modellmaßstab alle möglichen Bewegungen einschließlich des Einflusses möglicher Bau- und Bedienungsfehler wiederzugeben kann.

 


Für den Schützen werden bei diesem Gerät alle Bedingungen der tatsächlichen Ausführung gleichgehalten. Dies gilt sowohl für die Anordnung und Bewegung seines Sitzes, wie für den Einblick in die Optik und die Anordnung des Steuerknüppels.
Insbesondere wird das Ziel-Übungsgerät auch den Start- und Beschleunigungsvorgang sowie die Bedingungen des Einsteuerns und des Parallaxeinflusses darstellen.

Anschauungsmodell

Bericht 01.11.1943: Anschauungsmodelle zur Flugbahn von Flakraketen / pdf. Datei -Grösse 5 MB

 


Im Laufe des Jahres 1944 hatte sich die Lage der deutschen Flak immer weiter verschlechtert. Die Bomberpulks der Westalliierten kamen in Höhen, die von der Flak nicht mehr oder doch sehr unzulänglich erreicht werden konnten. Die Tagangriffe der Bomber wurden so zahlreich, daß der Schrei nach wirksamen Flak-Raketen immer lauter wurde. Und weil besonders die Projekte „Schmetterling" und „Enzian" vorangetrieben werden sollten, konnte dies nur auf Kosten anderer Vorhaben geschehen.


Dies bekam auch Prof. Dr. Werner Braun, der an der „A 4" und am „Wasserfall" arbeitete, zu spüren, worüber er sich am 21.12.1944 unter Bb. Nr. ES 2-214/44 gKdos bei Prof. Dr. Fischel von der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug Ernst Udet in Ainring/Obb. u. a. wie folgt ausließ:


„Sie werden inzwischen von dem Ausgang der „Halbmond"-Tagung bei uns gehört haben, die seinerzeit zu der Verschiebung meines Besuchs bei Ihnen geführt hatte. Hierbei ist nun entschieden worden, daß die Vorhaben „Wasserfall" und „Rheintochter", d. h. beide Kreuzflüglerprojekte, nur noch mit halber Kraft gefahren werden sollen, während der Fertigungsanlauf vor allen Dingen für die Geräte „Schmetterling" und „Enzian" mit aller Macht vorangetrieben werden soll. Man hat also im Hinblick auf gewisse fertigungstechnische Vorteile die Ebenflüg-ler nunmehr vor die Kreuzflügler gestellt.


Ich hatte kürzlich Gelegenheit, Herrn Reichsminister Speer meine größten Bedenken gegen diese Entscheidung persönlich vorzutragen, da ich ja selbst Gelegenheit hatte, durch unsere Versuche mit Ihrem Modellgerät die subjektiven Schwierigkeiten, die schon beim Knüppeln von Kreuzflüglern aufgetreten sind, kennenzulernen; ich wies darauf hin, daß die militärischen Schwierigkeiten für den Knüppelschützen noch keineswegs als gesichert angesehen werden dürfen.


Meine Auffassung ist dabei die, daß der Ebenflügler wohl in dem verhältnismäßig geradlinigen Verfolgungsteil eines im Abflug bewegten Flugzieles gewisse Aussichten haben dürfte, daß aber z. B. das direkte oder schräge Überfliegen der Feuerstellung, bei der der Ebenflügler sozusagen aus der Rückenlage angreifen muß, eine fast unlösbare Aufgabe darstellen wird, zumal Kursänderungen immer nur über Querneigung und Wederollmoment eingekoppelt werden können.


Um diese Frage nochmals vor einem fachkundigen Gremium restlos zu klären, habe ich mit Prof. Gladenbeck, dem Vorsitzenden der Entwicklungskommission für Steuergeräte zu Munition, vereinbart, daß wir Anfang Januar einen „Sängerkrieg" mit den beteiligten Eintwick-lungsstellen veranstalten wollen, bei dem wir gerade diese Fragen einmal in den Mittelpunkt der Unterhaltung stellen wollen. Gladenbeck wird Sie hierzu einladen und Sie bitten, sich über dieses Thema in einem kurzen Vortrag zu äußern. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie zu diesem Zusammentreffen zusagen würden."

 


Die Position von Prof. v. Braun war, besonders seit dem ersten Angriff des „Konkurrenzprojekts" der „V 1" am 12./13. 6.1944 auf London, nicht besonders rosig geworden, weshalb er sich mit diesem Schreiben Schützenhilfe von Prof. Fischel erhoffte. Dieser bedurfte er tatsächlich auch dringend, weil der Reichsbeauftragte für Raketenwaffen, SS-Gruppenführer Dr.-Ing. Kammler, seine Aufgabe sehr ernst nahm und ihm „Feuer unter dem Sessel" gemacht hat.


Am 29. 12. 1944 richtete Prof. v. Braun unter der Bb.Nr.: EW 2-221/44 gKdos an SS-Gruppenführer Kammler folgendes Schreiben:

„Sie erteilten mir kürzlich den Befehl, Ihnen einen Bericht über die Entwicklungsvorhaben auf dem Flakraketengebiet und meine Stellungnahme dazu auszuarbeiten. Ich lege Ihnen diesen Bericht in Anlage vor. Sollten Sie über diesen Bericht hinausgehende Angaben wünschen, so halte ich mich jederzeit zu einem mündlichen Vortrag zur Verfügung, gez.: H. H. Ihr sehr ergebener Braun."



Natürlich wußte Kammler, wie er Prof. v. Braun einzuschätzen hatte, und daß er in seinem Bericht wohl kaum sein eigenes Projekt negativ beurteilen würde.

Wir wollen es deshalb unseren Lesern überlassen, diesen Bericht, der unter der Bb.Nr. EW 2-224/44 gKdos lief, entsprechend zu deuten !

 

Link

Bericht unter Bb.Nr. EW 2-224/44 gKdos

 

 

 


Projekte S II

Überblick


Vor allem an Hand einer eingehenden Betrachtung über die Blindschußmöglichkeiten wird die Weiterentwicklung des „Schmetterling" begründet. Es werden drei verschieden große Projekte

SIIa 1500 kg
SIIb 900 kg
SIIc 485 kg


vorgelegt, die alle für den Blindschuß geeignet sein sollen, und von denen die beiden größeren auch beliebig schnelle Gegnerflugzeuge angreifen können. Die Geschwindigkeit ist entsprechend der Gegnerfahrt einstellbar, womit bei kleinen Gegnerfahrten große Reichweiten erzielt werden. Zur Erhöhung der Schußzahl wird der Garbenschuß vorgeschlagen.


Zur Erreichung des Blindschusses soll mit Funk-Leitstrahl und Selbstzielsuchkopf gearbeitet werden. Der Selbstzielsuchanflug soll fürs erste nach dem Hundekurvenverfahren erfolgen als Selbstzielsuchköpfe erscheinen hierfür Ultrarot-Geräte und später vor allem halbaktive Hochfrequenz-Suchköpfe erfolgversprechend.


Beim Vorliegen von Steuerungen für das Vorhaben der konstanten Peilung und entsprechender Selbstzielsuchverfahren soll auch der Einbau solcher Steuerungen überprüft werden. Bei diesem Verfahren bekommt man vor allem bei großen Flughöhen und großen Gegnergeschwindigkeiten bessere Reichweiten als beim Hundekurvenverfahren; beim Verfahren der konstanten Peilung ist zwar die Anzahl der erreichbaren Abschüsse beim Vorbeiflug eines gegnerischen Verbandes im allgemeinen geringer, dafür kann der Gegner aber schon im Anflug angegriffen werden.


Als das eigentliche Problem des Blindschusses erscheinen uns weniger die Selbstzielsuchgeräte oder deren Entdüppelung, sondern das Funkmeßverfahren zur Vorortung, das zu einer einigermaßen gleichmäßigen Führung des Leitstrahles führen muß.


Es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, bis die an die Hochfrequenzgeräte zu stellenden Bedingungen und deren Erfüllbarkeit wirklich geklärt sind. Neben dieser mit aller Dringlichkeit auszuführenden Aufgabe sollte man die Arbeiten an den S Ii-Geräten beginnen. Das 900-kg-Projekt und das 485-kg-Projekt, die beide das gleiche Marschtriebwerk haben, empfehlen wir zur Ausführung.


A. Gesichtspunkte


1. Garbenschuß


Als wichtigstes Mittel zur Erhöhung der auf einem vorbeifliegenden Verband anbringbaren Treffer wird der Garbenschuß vorgeschlagen, d.h. der Start einer größeren Anzahl von Geräten schnell hintereinander, noch bevor die vorhergehenden Geräte in Zielnähe gekommen sind. Dieser Garbenschuß soll dadurch verwirklicht werden, daß die Geräte in an sich bekannter Weise durch einen Leitstrahl bis in Zielnähe geführt werden, ohne daß eine Kommandogabe für das Gerät vom Boden aus erfolgt, sondern im Gerät selbst eine Ortung gegenüber dem Leitstrahl vorgenommen und zur Steuerung ausgenutzt wird. Der Rest des Anfluges erfolgt mit dem Selbstzielsuchkopf.


2. Blindschuß


Die wichtigste Aufgabe der Weiterentwicklung der Flakraketen ist die Erreichung des Blindschusses. Die diesbezüglichen Aussichten, die wir einigermaßen günstig beurteilen, sind unter B. eingehender besprochen und insbesondere unter B. 6 zusammengefaßt.


3. Sprengstoffmenge


Wir stellen uns die Aufgabe, auch wenn der Gegner im Pulk fliegt, möglichst in die Nähe eines bestimmten Flugzeuges zu kommen und möchten die Sprengladung nicht größer machen, als zur Zerstörung des Flugzeuges bei dieser Treffgenauigkeit erforderlich ist. Vor allem bei Verwendung von Selbstzielsuchgeräten liegt die erforderliche Sprengstoffmenge einigermaßen fest, denn die Unsicherheiten des Gesamtverfahrens liegen viel mehr beim Einweisen des Gerätes in Feindnähe und beim ersten Teil des Selbstzielsuchvorganges, bei welchem sich das Gerät noch in größerer Entfernung vom Gegner befindet, als im allerletzten Teil, der den Treffvorgang bestimmt. Entweder funktioniert also das Gesamtverfahren, dann trifft man ordentlich, oder es funktioniert nicht, dann reicht wohl keine noch so große Sprengstoff menge aus, um den Verschuß solcher Flakraketen zu rechtfertigen. Wir schlagen 70 kg Sprengstoff vor.


4. Geschwindigkeit


Die großen gegnerischen Bombenflugzeuge werden wohl noch lange Zeit eine Geschwindigkeit von 720 km/h (200 m/sek.) nicht übersteigen, während bei den kleinen Jagdbombern mit Strahltriebwerk diese Geschwindkeiten in absehbarer Zeit überschritten werden. Der Übergang auf diese ganzen hohen Gegnergeschwindigkeiten bedeutet aber für die Flakrakete den Zwang, mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen, was nur bei einer wesentlichen Gewichtsvermehrung möglich ist. Es besteht also für die Flakrakete die unangenehme Situation, daß man zwar große Bomber mit verhältnismäßig kleinen Geräten abschießen kann, für kleine Jagdbomber aber große Flakraketen braucht. Wir mochten uns unsererseits doch mit dem Schwerpunkt auf die Bekämpfung der großen feindlichen Bomber legen und dabei vorwiegend diejenigen Geschwindigkeiten berücksichtigen, die diese voraussichtlich in den nächsten Jahren erreichen können und für diese Aufgabenstellung unseren Geräten eine angemessene Reichweite sichern.


Um mit dem gleichen Gerät auch Jagdbomber angreifen zu können, wird die Fluggeschwindigkeit des Gerätes vor dem Abschuß entsprechend der Gegnergeschwindigkeit einstellbar gemacht werden. Der Angriff auf Jagdbomber ist somit mit diesem Geräten auch möglich, doch ist für diesen Fall ihr Angriffsbereich gering.


5. Bemerkung zu den vorgeschlagenen Projekten


Wir haben für drei Projekte die Leistungsfähigkeit durchgerechnet, und zwar für eine

1500-kg-Flakrakete
900-kg-Flakrakete
485-kg-Flakrakete



Wir möchten empfehlen, die beiden Geräte für 900 kg und 485 kg tatsächlich auszuführen. Beide Geräte haben das gleiche Marschtriebwerk. Da wir für das 485-kg-Gerät Flügel und Flosse von der 8-117 verwenden wollen, entsteht für dieses kein besonderer Entwicklungsaufwand, so daß wir glauben, daß es, obwohl es nur auf Unterschallgeschwindigkeit zugeschnitten ist, als wenig aufwendiges, leicht transportables, für den Blindschuß geeignetes Flakgerät immerhin beachtlicher Reichweite interessant genug ist.


B. Blindschuß

1. Überblick


Bei entsprechender Einengung des Angriffsbereiches scheinen Selbstzielsuchgeräte auch bei Störmaßnahmen des Gegners einsetzbar. Eine entsprechende Schußzahl soll trotz des kleinen Angriffsbereiches dadurch erreicht werden, daß während dieser kurzen Zeit nach Art einer Maschinengewehrgarbe viele Geräte schnell hintereinander gestartet werden. Dabei kann als interessierendes Ziel ein Pulk angenommen werden.

 

2. Selbstzielsuchmethoden und ihre Anwendungsmöglichkeit


Optische Zielsuchgeräte (Ultrarot) können für den Einsatz bei Nacht, bei klarem Wetter oder über den Wolken als geeignet angesehen werden; sie würden also ein bei Nacht wohl ständig einsetzbares Mittel für sehr hoch fliegende Flugzeuge abgeben.


Ultrarot-Geräte dürften für den Tageinsatz wohl bestenfalls bei geringeren Flughöhen, in denen jedoch häufig mit Wolken gerechnet werden muß, verwendbar sein. Es wird als unwahrscheinlich angesehen, daß sie bei der außerordentlichen Helligkeit in großen Höhen bei Tag verwendbar sind.


Hinsichtlich der akustischen Geräte, die bei allen Wetterlagen einsetzbar sind und für die der Gegner kaum in der Lage sein dürfte, wirksame Abwehrmittel zu schaffen, ist vielleicht ihre ausreichende Reichweite im Zusammenhang mit dem hohen Störpegel raketenangetriebener Geräte zu bezweifeln.


Die Hochfrequenzgeräte müssen für den Allwettereinsatz als grundsätzlich sehr geeignet betrachtet werden; ihr größter Mangel ist unser z.Zt. leider geringer Hochfrequenz-Entwicklungsstand auf diesem Gebiet, der es als sehr schwierig erscheinen läßt, den Funkkrieg erfolgreich zu führen. Vor allem zu dieser Frage werden noch weiter unten Betrachtungen angestellt.


3. Anflugverfahren mit Hundekurve


Es wird die Existenz von Funkmeßgeräten vorausgesetzt, die eine Ortung des Gegners mit einer Genauigkeit von etwa 1° bzw. 2% seiner Entfernung vom Zielstand auch dann gestatten, wenn der Gegner Abwehrmaßnahmen trifft bzw. verdüppelt. Vermittels dieser bekannten Richtung wird ein Funkleitstrahl gerichtet, auf dem das Gerät automatisch entlangfliegt. Dabei soll keine Kommandogabe für das Gerät vom Boden aus erfolgen, sondern im Gerät selbst seine Ortung gegenüber dem Leitstrahl vorgenommen und zur Steuerung ausgenutzt werden.


Nachdem auf diese Weise das Gerät in Zielnähe herangeführt ist, wird der Suchkopf aufnahmebereit gemacht. Der Suchkopf soll im Gerät fest in Richtung seiner Längsachse eingebaut sein. Damit er in Zielnähe zwangsläufig angenähert in Zielrichtung blickt, wird der Leitstrahl nicht auf das Ziel selbst gerichtet, sondern auf einen stets hinter dem Ziel bleibenden Punkt; auf die genaue Lage dieses Punktes kommt es nicht allzusehr an (siehe Abb. 1). Nach Erfassen des Zieles schaltet sich die Steuerung automatisch an den Suchkopf, und das Gerät nimmt die Verfolgung des Zieles nach einer Hundekurve auf.


Dieses Angriffsverfahren ist zwar für den Schuß gegen den anfliegenden Gegner ungeeignet, durch entsprechende Wahl der Geschwindigkeit der Flakrakete und bei entsprechender Beschleunigungsfähigkeit derselben läßt sich aber immerhin erreichen, daß der Treffpunkt noch ein gutes Stück vor dem Wechselpunkt liegt.


Obiges Verfahren kann ohne Einschränkung bei Verwendung von Ultrarot-Suchköpfen und wahrscheinlich auch bei Schall-Suchköpfen verwendet werden. Auch für die Hochfrequenz-Selbstzielsuchgeräte wäre obiges Verfahren ohne Einschränkung anwendbar, wenn man nicht mit Verdüppelung rechnen müßte.


4. Garbenfeuer (Hundekurve)


Die Geräte können nun in verhältnismäßig kurzer Reihenfolge gestartet werden. Der kleinst-mögliche Abstand wird dadurch gegeben, daß das neu abgeschossene Gerät den Leitstrahl nicht allzusehr verzerrt, wobei dafür gesorgt werden kann, daß das neu abgeschossene Gerät erst in einem gewissen Abstand vom Start in den Leitstrahl eintritt.


Bei Hochfrequenz-Suchköpfen scheint es vermeidbar, daß sich die Raketen gegenseitig als Ziel auffassen; außerdem könnte man den Zünder sperren, solange nicht ein echtes Ziel erfaßt ist. Bei Ultrarot-Suchköpfen muß man wohl den Abstand größer machen; andererseits braucht hier der Angriffsbereich nicht so eng begrenzt zu werden, wie dies bei HF-Geräten wegen der Düppelgefahr (siehe unten) erforderlich ist.


Schall-Suchköpfe scheinen in dieser Hinsicht am wenigsten geeignet zu sein.

 

5. Entstörung bei HF-Suchköpfen bei Hundekurve


Bei den HF-Suchköpfen kommt es darauf an, die durch Düppel verursachte Dopplerfrequenz von der durch das Ziel gegebenen zu unterscheiden. Ordnet man den Sender am Startort an (andere Orte sind fürs erste nicht günstiger), so läßt es sich erreichen, daß die Dopplerfrequenz der Düppel mindestens 1,6mal so hoch ist als die Dopplerfrequenz des Zieles, wenn man sich auf den Nachschuß beschränkt, genauer, wenn man etwa im Wechselpunkt abschießt. (Ein auf Verdüppelung Rücksicht nehmendes Angriffsverfahren, bei welchen man schon frühzeitig den anfliegenden Gegner angreifen kann, wird zweifellos kompliziert und erfordert einen hinter dem Gegner angeordneten Sender.) Dabei ist eine Ungenauigkeit der Gegnergeschwindigkeit von ± 15% (z.B. ein Bereich von 500 bis 650 km/h) berücksichtigt.


An die Filterung der Dopplerfrequenz wären also im wesentlichen folgende Anforderungen zu stellen:

Anflugferfahren mit Hundekurve

 

Bezeichnet man eine von der Geschwindigkeit des Zieles und der gewählten Hochfrequenz abhängige Frequenz als „Nennwert" der Dopplerfrequenz, so müssen:

a) die unter etwa 40 % des Nennwertes liegenden Dopplerfrequenzen herausgefiltert werden, wobei die Dämpfung nicht übertrieben gut zu sein braucht (diese Heraüsfilterung ist erforderlich, um Interferenzen verschiedener Gegnerflugzeuge auszusieben und um das gegenseitige Anfliegen von Geräten innerhalb der Garbe zu vermeiden).


b) die zwischen 60 bis 100 % des Nennwertes liegenden Dopplerfrequenzen ausgewertet
werden.


c) die zwischen 160 bis 250 % des Nennwertes liegenden Dopplerfrequenzen als von den Düppeln herrührend hochwertig ausgeschieden werden.


d) höhere Tonfrequenzen, die durch Interferenz mit einem Störsender entstehen können, auch ausgeschieden werden, doch dürften diese Tonfrequenzen zumindest um eine Größenordnung höher liegen als der Nennwert.



Erschwerend tritt zu obigen Bedingungen hinzu, daß die Nenndopplerfrequenz je nach der Fluggeschwindigkeit des Gegners in einem Bereich von etwa 1 :1,7 veränderlich ist und vor dem Abschuß am Boden eingestellt werden muß (bis zu einem gewissen Grade könnte hier auch mit verschiedenen Zielsuchköpfen gearbeitet werden, z. B. mit einem, der für die viermotorigen Bomber und einem, der für Hochgeschwindigkeitsflugzeuge ausgelegt ist).


Bei Verwendung von 20-cm-Welle für die Zielsuchanlage beträgt der niedrigste Nennwert der Dopplerfrequenz 1000 Hz, der höchste etwa 1650 Hz. Bei diesen Dopplerfrequenzen sollten die zur Erreichung einer glatten Zielsuch-Flugbahn erforderlichen kleinen Zeitkonstanten von wenigen Zehntelsekunden eben noch erreichbar sein. Selbstverständlich wäre eine Heraufsetzung der Hochfrequenz und mithin auch der Dopplerfrequenzen zwecks Verringerung des Geräteaufwandes und der Zeitkonstanten erwünscht.


Eine weitere Störmöglichkeit besteht darin, daß ein den gegnerischen Verband begleitendes Flugzeug auf der in Betracht kommenden Hochfrequenz funkt. Es besteht dann die Möglichkeit, daß die von dieser Sendung herrührende Dopplerfrequenz der Düppel in den Bereich der uns interessierenden Dopplerfrequenzen fällt. Um eine solche Störung auszuscheiden, muß die Selbstzielsuchanlage mit modulierter Hochfrequenz arbeiten.


6. Anflugverfahren mit konstanter Peilung


Beim Anflugverfahren mit konstanter Peilung wird der Funkleitstrahl, auf dem die Geräte im ersten Teil der Flugbahn entlangfliegen, direkt auf das Ziel gerichtet. Die Achse der Selbstzielsuchgeräte wird in bekannter Weise in Leitstrahlrichtung gehalten, so daß schließlich das Ziel erfaßt werden muß und vermittels einer nicht ganz einfachen Steuerung wird dann aufs Ziel zugeflogen. Dieses Verfahren ist mit Ultrarot-Suchköpfen grundsätzlich im ganzen Angriffsbereich anwendbar, wobei beim Angriff gegen das anfliegende Ziel entweder große Empfangsweiten des Suchkopfes gefordert werden müssen oder die Steuerzeiten für den Selbstzielsuchflug wahrscheinlich zu kurz werden würden. Die Entdüppelungsfragen liegen beim Verfahren mit konstanter Peilung wie folgt:


Für die Entdüppelung des im spitzen Winkel anfliegenden Gegners können wir keine Vorschläge machen.


Die Entdüppelung des abfliegenden Gegners ist ohne besondere Maßnahmen nur bei ganz spitzen Abflugwinkeln durch Unterscheidung der Dopplerfrequenzen von Gegner und Düppel möglich. Der verhältnismäßig große Angriffsbereich für den Abflug, wie er beim Hundekurvenverfahren erreicht werden kann, ist beim Anflugverfahren mit konstanter Peilung durch Unterscheidung der Dopplerfrequenzen von Ziel und Gegner nur dann möglich, wenn man den Leitstrahl für den ersten Teil der Flugbahn auch auf einen hinter dem Ziel liegenden Hilfspunkt hält; doch werden dann die Selbstzielsuch-Flugbahnen mit konstanter Peilung erschwert beherrschbar.


Beim Angriff in der Nähe des Wechselpunktes kann nur die durch den Propeller des Gegners (solange nicht Strahlbomber in Betracht gezogen werden müssen) hervorgerufene Modulation zur Unterscheidung von den Düppeln herangezogen werden. Diese Unterscheidung ist verhältnismäßig leicht, weil die Dopplerfrequenz der Düppel bei einigermaßen kurzen Wellen sehr hoch über der Propellermodulation liegt. Bei Strahlenbombern gibt es hierfür aber keine uns bekannte Entdüppelungsmöglichkeit.


Das Verfahren der konstanten Peilung ist also bei HF-Suchköpfen vorwiegend für den Abschuß im Bereich des Wechselpunktes geeignet, solange die gegnerischen Flugzeuge Propeller haben. Der Garbenschuß bereitet aber insofern Schwierigkeiten, als die von einem voranfliegenden Flakgeschoß herrührenden Dopplerfrequenzen bei allen einigermaßen in Betracht kommenden Hochfrequenz-Wellenlängen sich kaum von der Propellermodulation unterscheiden lassen.


7. Zusammenfassung


Vorstehende Überlegungen ergeben zusammenfassend folgendes Bild:


Ultrarot-Suchkopf mit konstanter Peilung ist im ganzen Angriffsbereich möglich. Ein
Garbenschuß ist nur in sehr beschränktem Maße möglich, da beim Anflug nach konstanter Peilung der Suchkopf des nachfolgenden Gerätes immer das vorhergehende Gerät orten wird und somit die Möglichkeit des Mitreißens eines größeren Garbenteiles mit einem versagenden Gerät bestehen würde.


Ultrarot-Suchkopf mit Hundekurvenverfahren ist bei allen Flughöhen im Abflug anwendbar, etwa von der Stelle ab, wo der Treffpunkt im Wechselpunkt liegt. Garbenschießen ist mit einer Schußfolge von etwa 10 Sek. vor allem im Bereich des Wechselpunktes, möglich.


Der Blindschuß mit HF-Suchkopf, der für das halbaktive Verfahren näher untersucht wurde, läßt sich für das Verfahren mit konstanter Peilung nur bei Schüssen, deren Treffpunkt einigermaßen im Bereich des Wechselpunktes liegen, entdüppeln, und dies auch nur dann, wenn das gegnerische Flugzeug Propeller hat. Der Abstand zwischen zwei Abschüssen muß groß sein.


Das Hundekurvenverfahren bei halbaktiven HF-Suchköpfen ist nur im Abflug entdüppelbar. und zwar kann abgeschossen werden, wenn der Gegner etwa den Wechselpunkt erreicht hat. Dafür ist bei diesem Verfahren ein enges Garbenfeuer möglich (2 bis 5 Sek.).


Als vorzugsweise zu verwirklichende Lösung ist also das Hundekurvenverfahren mit HF-Suchkopf anzustreben, da es bei jeder Wetterlage und auch bei Strahlbombern einsetzbar ist. Bei einem darauf abgestimmten Fluggerät lassen sich auch Ultrarot-Geräte mit ausreichender Erfolgsaussicht einsetzen. Die Steuerung wird für dieses Hundekurvenverfahren recht einfach. Das Hundekurvenverfahren erfordert aber eine einigermaßen ordentliche Anpassung der Flakraketengeschwindigkeit an die Geschwindigkeit des Gegners.


Es ist klar, daß für den Blindschuß noch eine größere Zahl von Fragen zu klären ist, wie z. B.

a) die Genauigkeit der Funkmeßordnung des Gegners vom Boden aus, wobei entscheidender Wert auf eine einigermaßen ruhige Nachführbarkeit des für den ersten Teil der Bahn erforderlichen Leitstrahles gelegt werden muß,

b) die Funktionsfähigkeit z. B. der halbaktiven Suchköpfe und vor allem auch ihre Reichweite,


c) eine Anzahl technischer Fragen hinsichtlich der Mittel zur Entdüppelung und ein sorgfältiges Studium der möglichen Mittel des Funkkrieges, wie z. B. Tarnung und Frequenzwechsel, um vor allem dem immer möglichen Zustopfen des Suchkopf-Empfängers von seiten des Gegners entgegenzuwirken.



Im ganzen darf man aber doch mit der Lösbarkeit der Blindschußaufgabe rechnen. Vorläufig soll man die Lösung mit den zwar nur beschränkt anwendbaren, aber wohl am besten absehbaren Ultrarot-Geräten beginnen.


C. Projektbeschreibungen


1. Gewichte und Leistungen


Die Kenngrößen und Materialaufwände sind unter Gegenüberstellung der drei Projekte angegeben.


Die Angriffsbereiche sind für die drei Projekte auf den Abb. 3 bis 5 angegeben, wobei die Flugbahnen entsprechend dem Deckungsverfahren vorausgesetzt sind. Zum Vergleich ist ferner der Angriffsbereich der S-117 schwach gestrichelt eingezeichnet. Bei den Geräten S IIa und S IIb ist außer der Flakraketengeschwindigkeit (in m/sec) die zugehörige Gegnergeschwindigkeit (in km/h) angegeben, wie sie dem Selbstzielsuchangriff mit Hundekurvenverfahren entspricht. Diese Angriffsbereiche werden nun weder beim HF- noch beim UR-Suchkopf voll erreicht.


Beim HF-Suchkopf mit Hundekurvenverfahren sind die bei einem Vorbeiflug des Gegners ausnutzbaren Bereiche und die den verschiedenen Flugbahnen entsprechenden Schußzahlen auf den Abb. 6 bis 11 für verschiedene Flughöhen (H in km) und Gegnergeschwindigkeiten (W in km/h) angegeben. Bei Festlegung dieser Bereiche und Schußzahlen ist angenommen, daß keine Grenze durch die Leistungsfähigkeit der HF-Selbstsuchgeräte gegeben ist; eine solche Begrenzung ist vor allem bei großem Abstand des Zieles vom Startort zu erwarten, da dann die vom gegnerischen Flugzeug reflektierende Energie gering wird und gleichzeitig die erforderliche Ansprechreichweite des Suchkopfes groß wird.


Für den UR-Suchkopf mit Hundekurvenverfahren sind die Angriffsbereiche und Schußzahlen ab Abb. 12 bis 16 angegeben. Dabei ist eine Auffaßentfernung des UR-Suchkopf es von mindestens 5 km angenommen.

 

Projekt S II

Projekt S II "Schmetterling" : pdf Datei Grösse 23 MB

 

 


2. Beschreibung des Gerätes S IIb (auch für S IIa gültig)


a) Gesamtanordnung


Die S IIb besteht aus dem eigentlichen Flugkörper, der das Flüssigkeitsmarschtriebwerk enthält, und aus vier Pulvertriebwerken, von denen je zwei oben und zwei unten angeordnet sind. Zwei gegenüberliegende dieser Pulvertriebwerke sollen als Startraketen, die wenige Sekunden nach dem Start abgesprengt werden, dienen. Die beiden anderen Pulvertriebwerke dienen als Antrieb für den ersten Teil des Fluges, und zwar brennt zuerst die eine der beiden Raketen, nach deren Absprengung die zweite, die dann auch abgesprengt wird. Dann erst wird das Marschtriebwerk gezündet.


b) Zelle


Der Flugkörper ist ein als Mitteldecker gebautes Entenflugzeug. Flügel und Höhenflosse haben Pfeilform; die Höhenflosse besitzt kein Höhenruder, sondern wird bei der Steuerung als

 

S IIa
S IIb
S IIc

 

Ganzes verstellt. Als Querruder sind an den Flügelenden Leistenruder vorgesehen. Das Seitenleitwerk ist am Heck ober- und unterhalb des Rumpfes angeordnet. Flügel, Flossen und Rumpf bestehen aus Leichtmetall.


An der Rumpfspitze ist das Selbstzielsuchgerät eingebaut, dahinter folgen Antrieb für die Höhenrudermaschine und Steuerung. Hinter der Steuerung liegen der Sprengstoff und dann das Marschtriebwerk. Am Heck ist hinter der Flügel-Rumpf-Verbindung die Brennkammer angeordnet.

 

S II Tabelle


c) Steuerung


Die Steuerung im allerersten Teil des Fluges erfolgt vermittels eines Kreisels automatisiert geradeaus.


Nachdem das Gerät in den Funk-Leitstrahl eingetragen ist, beginnt der Empfänger zu arbeiten; er mißt die Ablage des Gerätes von der Leitstrahlachse nach Richtung und Größe. Sein Ausgang wird auf die Steuerung geschaltet, und zwar wird die Zelle um ihre Längsachse in eine solche Drehlage gebracht, daß ihre Hochachse durch die Leitstrahlmitte geht. Die Höhensteuerung erfolgt vermittels des schon für den Start gebrauchten Kurskreisels und einer Windfahne. Der Kurskreisel ist als Nachdrehkreisel ausgebildet. Die Nachdrehgeschwindig-keit wird durch den Leitstrahlempfänger gesteuert.


Die Selbstzielsteuerung arbeitet für den Fall der Verwendung von Ultrarot-Geraten ohne Kreisel (sie ist im Erprobungsstadium). Die Steuerung bei Verwendung von HF-Suchköpfen ist noch ungeklärt, da sie von den Eigenschaften der auf Entstörung gezüchteten HF-Köpfe
abhängig ist.


Als Stromversorgung dient ein Generator, der von einem Gaserzeuger vermittels einer kleinen Turbine angetrieben wird. Auch die Betätigung der Höhenrudermaschine erfolgt vermittels Druckgas, während die Querruder durch Magnete betätigt werden.

 

d) Triebwerk


Das Flüssigkeitsmarschtriebwerk besitzt kugelförmige Stahlbehälter. Die Entnahme erfolgt durch Saugrüssel. Der erforderliche Druck wird von einer Preßluftflasche geliefert; um diese klein halten zu können, ist an die zusätzliche Verwendung eines Gaserzeugers gedacht.
Das Triebwerk ist regelklar. Die Regelung erfolgt vermittels eines Logs.


3. Beschreibung des Gerätes S llc


a) Gesamtanordnung


Das Gerät besteht aus dem eigentlichen Flugkörper und je einer über und unter ihm angeordneten Startrakete, die dann abgesprengt wird.


b) Zelle


Die Zelle ist als Normalflugzeug gebaut. Flügel und Flossen werden von der 8-117 übernommen. Der Rumpf soll im übrigen so weit als möglich der gleiche sein wie beim Projekt S IIb.


c) Steuerung


Die Steuerung ist, abgesehen von der Verwendung magnetangetriebener Ruderleisten für das Höhenruder, weitgehend identisch mit dem Projekt S IIb.


d) Triebwerk


(Siehe S IIb).
Anmerkung der Redaktion: Auf die Wiedergabe der Zeichnungen 2 bis 16, die ohnedies nur theoretische Berechnungen darstellen, haben wir aus Platzgründen verzichtet.)

 

 

Hs 117 H

Hs 117 H

Beschreibung Hs 117 H: pdf Datei Grösse 6 MB

 

 

 

Start einer Hs 117 H ab einem Trägerflugzeug

 

1
2
4 3
Start einer HS 117 H
Trägerflugzeug He 111
Zündung des Triebwerks
Flug im Alleingang

 

 


 

 

 

Teil 2

 

 Technische Berichte

Dokumente in der Zeitlinie

Bilder & Skizzen

Dia Show

 

 

 

Technische Berichte

 

bau
Baubeschreibung Hs 117 : pdf Datei Grösse 6 MB
Erprobung Hs 117 : pdf Datei Grösse 5 MB
bau
bau
Hs 117 Beschreibung : pdf Datei Grösse 27 MB
Entwicklung Triebwerk: pdf Datei Grösse 13 MB
bau
bau
Treffermöglichkeiten für Flak-Geschosse : Datei 18 MB
Flugkörper in der Schallgeschwindigkeit : Datei 6 MB
   
bau
Bedienungsanweisung
Stellungnahme DFS : pdf Datei 5 MB
Bedienungsanweisung für Ladevorgang 0,5 MB

 

 

 

 

Versuchsanstalt Natter Windkanal

Besprechung Flugkörper vom 24.03.1944 - pdf Datei Grösse 6 MB

 

 

 

 

Dokumente in der Zeitline

Entwicklung der Hs 117 (Flak-R)

 

 
Dokument
Zeitrahmen
Grösse
   
1941
 
pdf
Peenemünde
29.10.1941
6,0 MB
       
   
1942
 
       
text
General der Flakwaffe
18.09.1942
0,5 MB
       
pdf
Oberbefehlshaber der Luftwaffe
25.09.1942
5,0 MB
       
text
Oberkommando des Heeres
04.11.1942
0,5 MB
       
pdf
Wa Prüf.
13.11.1942
1,0 MB
       
pdf
Oberkommando des Heeres
07.12.1942
1,0 MB
       
 
1943
 
   
 
text
L Flak
11.01.1943
0,5 MB
   
 
text
Heeres - Fernschreiben
13.01.1943
0,5 MB
   
 
text
Meldung Englische Luftabwehr
15.01.1943
0,5 MB
   
 
text
Reichsminister d. Luftfahrt
02.02.1943
0,5 MB
   
 
text
Heeres - Fernschreiben
05.06.1943
0,5 MB
   
 
pdf
Wa Prüf.
10.02.1943
4,0 MB
   
 
pdf
Reichsminister d. Luftfahrt
15.02.1943
8,0 MB
   
 
pdf
Flakversuchsstelle
14.04.1943
12,0 MB
   
 
pdf
Beschsprechungs Niederschrift
05.05.1943
3,0 MB
   
 
pdf
Telefunken Besprechung
19.05.1943
9,0 MB
   
 
pdf
Oberkommando des Heeres
25.05.1943
3,0 MB
   
 
text
Rechlin
06.10.1943
0,5 MB
   
 
pdf
Reichsminister für Rüstung
21.12.1943
1,0 MB
   
 
   
1944
 
pdf
Erprobungsstelle der Luftwaffe
28.08.1944
5,0 MB
       
text
Erprobungsstelle der Luftwaffe
13.09.1944
0,5 MB
       
pdf
16.10.1944
13,0 MB
   
 
text
Forschungsführung
23.10.1944
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Besprechung Reichsminister
30.10.1944
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Flak- E5
03.11.1944
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Erprobungsstelle der Luftwaffe
08.12.1944
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Oberkommando der Luftwaffe
09.12.1944
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Übersicht Zeiteinheiten

Zeiteinheiten

 

 


Bilder & Skizzen

 

 

 

 

 

 

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Nase

 

 

Flak

Bild: herkömmliche Flak-Stellung - Inspektion durch US-Soldat

 

 

 

 

 

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