Titel Wasserfall

.

 

Menü

Flakraketen Entwicklung

Vorbemerkung

Technische Leistungsangaben Flak-R

 

Wasserfall

Projekte und Entwicklung Wasserfall

Geforderte Leistungen

Bauweise

Aerodynamische Form

Technische Daten

 

Teil 2

Flakraketen Allgemein

Steuerung

Einsatz Flakraketen

Bodenorganisation

Dokumente

 

 

 

 

 

Flakraketen und die Wasserfall


Überschall-Flak-R

 

"Wasserfall" war der Name einer deutschen Flugabwehrrakete mit Flüssigtreibstoff, die 1943 entwickelt wurde. Ab 1944 fanden etwa 40 Probeflüge statt. Die Rakete sollte zur Unterstützung von Flak -Batterien gegen hochfliegende Bomber bis zu einer Entfernung von 48 km dienen. Nach dem Krieg war sie Grundlage zur Entwicklung amerikanischer Flugabwehrraketen.


Obwohl die Bezeichnung „Flak" aus den Anfangsbuchstaben der Worte Flieger-Abwehr-Kanone entstanden ist und deshalb in Verbindung mit Raketen eigentlich nicht ganz richtig ist, wollen wir sie hier anwenden, weil sich während des Zweiten Weltkrieges das Wort „Flak", auch im amtlichen und dienstlichen Gebrauch für alles, was mit der Fliegerabwehr zu tun hatte, eingebürgert hatte. Man sprach von der „Flak" als Truppe, von Flakkanonieren, Flaksoldaten, Flakscheinwerfern usw. Richtiger wäre allerdings der Name Flabraketen, wie er auch zumindest bei Beginn der Entwicklung gelegentlich gebraucht wurde. Auch die Abkürzung „Fl" wurde wahlweise für Fliegerabwehr, Flugabwehr und Flugzeugabwehr verwendet, worauf hier nicht weiter eingegangen werden soll.

 

 

Start

Start einer Wasserfall Flak-Rakete

 

 


Vorbemerkung


Die Entwicklung von Raketen stand in Deutschland von Anfang an unter einem „unguten Stern". Es dauerte sehr lange, bis man den Wert der Raketentechnik erkannte. Zwar beteiligte sich das Reichswehrministerium bereits in den 20er Jahren an einigen Projekten, aber so ganz ernst hatte man diese „unberechenbaren Kracher" nun doch nicht genommen. Man denke nur daran, daß das Heereswaffenamt bereits am 30. 7.1934 „Die Entwicklung von Rauchzylindern für Bordbewaffnung von Flugzeugen zur Bekämpfung von feindlichen Bombengeschwadern" beschlossen hat und wieweit die Entwicklung bis Ende des Krieges mit dem sogenannten RZ 65 gediehen war.


Als man dann zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, 1939, beschlossen hatte, das Prinzip der Rakete für verschiedene Zwecke auszunützen, entstanden viel zu viele Projekte, von denen wirklich nur einige sehr erfolgreich eingesetzt werden konnten, wie „Panzerfaust", „Panzerschreck", „Nebelwerfer". Schon über den Erfolg der „V 1" und „V 2" gehen die Meinungen auseinander. Auf die Raketen-Triebwerke, z. B. für Flugzeuge, soll hier nicht weiter eingegangen werden.

 

 

Boden-Luft-Raketen

Übersicht der Bodenluftraketen

 

 


Erste Überlegungen, das Raketenprinzip auch zur Bekämpfung von Flugzeugen in Form von Flak-Raketen anzuwenden, wurden ebenfalls bereits zu Beginn des Zweiten Weltkrieges angestellt, als es sich nämlich schon abzeichnete, daß Flugzeuge in Höhen vorstoßen würden, die mit herkömmlichen Geschützen nicht mehr zu erreichen waren.


Aber auch hier ging man nur halbherzig an die Lösung der Probleme heran. Bekannt war, daß Hitler das Raketenprinzip als nutzlose Spielerei abtat. Und weil er sich alle endgültigen Entscheidungen über alle kriegswichtigen Projekte vorbehielt, traute man sich erst gar nicht, mit Vorschlägen an ihn heranzutreten. Tatsächlich konnte sich Hitler auch nicht recht entscheiden. Mal befahl er die Entwicklungen voranzutreiben, dann wieder, weil es ihm viel zu langsam ging, ließ er alles wieder einstellen, um es nach einiger Zeit wieder anlaufen zu lassen. Erst als die SS unter Gruppenführer Kammler die Oberaufsicht über alle Raketen-Entwicklungen 1944 übernahm, ging es mit allen Projekten wieder mit Volldampf voran; aber da war es bereits zu spät.


Der größte Fehler, den man bei der Entwicklung von Flak-Raketen beging, war der, daß man an zu vielen Projekten arbeitete. In Friedenszeiten wäre dies schon zu vertreten gewesen, aber mitten im Krieg, wo es an Produktionsstätten, an Arbeitskräften, an Arbeitszeit und natürlich auch an den verschiedenen Materialien mangelte, mußte sich diese Zersplitterung nachteilig auswirken.
Bekannt sind die verschiedenen Projekte, wie z. B. „Wasserfall", „Rheintochter", „Rheinbote", „Enzian", „Taifun", „Hs 298" und natürlich auch „Schmetterling", mit dem wir uns in diesem Beitrag beschäftigen wollen. Über das Konkurrenzdenken der verschiedenen Firmen und die Rivalitäten zwischen den einzelnen Ämtern, die sich auch nachteilig auswirken mußten, haben wir schon verschiedentlich berichtet.

 

 

 

Allgemeine Technische-Daten und Leistungsangaben über Flak-R



Die 4 Flak-R „Wasserfall" „Enzian" „Schmetterling" „Rheintochter"
sind mit ihren Hauptabmessungen in Bild 1 vergleichsweise gegenübergestellt. „Wasserfall" ist eine Überschall-Flak-R, die übrigen fliegen im Unterschall (v kleiner als 333 m/s). Die wichtigsten Angaben über Ausführung, Leistung, Maße und Gewichte enthält Tabelle 1.

 

Flak-R

Bild 1

 

Tabelle 1 Flak-R

Tabelle 1

Aufstellung Technische und Leistungsangaben für die Flak-R- "Wasserfall", "Enzian", "Schmetterling" und "Rheintochter".

 

 

Die Geschwindigkeitskurven für eine Bahn mit etwa 45° Zielhöhenwinkel sind im Vergleich zur entsprechenden Kurve der 12,8-cm-Sprenggranate Flak 40 in folgender Darstellung dargestellt.

Geschwindigkeitskurven

Bild 2

 

Zur Kennzeichnung der Leistungen der Flak-R werden folgende Begriffe festgelegt:
a) „Wirkungsbereich n = 0". Das ist die größte Reichweite gegenüber Flugzielen, die geradeaus fliegen und keine Abwehrbewegungen machen. Der Wirkungsbereich ist auch von der Geschwindigkeit des Flugzieles (vh) abhängig.


b) „Wirkungsbereich n = 2". Das ist die größte Reichweite gegenüber Flugzielen, die beliebige Abwehrbewegungen bis zu ihrem 2fachen „Lastvielfachen" (bis zur 2fachen Erdbeschleunigung) ausführen n = 2 ist als die heute für Kampfflugzeuge mögliche obere Grenze des Lastvielfachen angenommen worden. Für Sturkampfflugzeuge liegt diese Grenze höher, etwa bei n = 5. Der Wirkungsbereich n = 2 ist kleiner als der Wirkungsbereich n = 0.


c) „Totbereich n = 0 (bzw. n = 2)". In diesem Bereich in der Umgebung der Startstelle können die Flak-R noch nicht vollgesteuert werden. Entweder ist ihre Geschwindigkeit und damit die für die Steuerung erforderliche Auftriebskraft noch nicht groß genug, oder der Schießende hat die Flak-R durch die Funklenkung noch nicht völlig in der Hand.

d) "Kurven gleicher Flugdauer". Aus ihnen ist die Flugdauer der Flak-R zu jedem beliebigen Treffpunkt innerhalb des Wirkungsbereichs zu ersehen.
Die Wirkungsbereiche der Flak-R gegen Ziele ohne Abwehrbewegungen (n = 0) enthält Bild 3. Gegen Ziele, die mit n = 2 beliebige Abwehrbewegungen ausführen, enthält Bild 4 die Wirkungsbereiche. Zahlenmäßig sind die Wirkungs- und Totbereiche für verschiedene Zielhöhen in Aufstellung 2 nochmals zusammengestellt.

 

Bild 3
Bild 4

Tabelle 2

Tabelle 2

Halbmesser der Wirkungsbereiche und Totbereiche für verschiedene Zielhöhen

 


Typen-Zusammenfassung:


Wasserfall" ist eine Überschall-Rakete, "Enzian", „Schmetterling" und „Rheintochter" sind Unterschall-Raketen.
Den größten Wirkungsbereich hat „Wasserfall", den kleinsten „Rheintochter" (Tabelle 2).

Die Sprengstoffnutzlast beträgt bei

„Wasserfall"
100 kg
„Enzian"
550 kg
„Schmetterling"
23 kg
„Rheintochter"
100 bis 150 kg



Die Fernlenk-Verfahren sind bei allen Flak-R im Grundsatz gleich. Der senkrechte Start bedingt bei „Wasserfall" zusätzliche Maßnahmen gegenüber dem Schrägstart bei „Schmetterling" und „Rheintochter". „Enzian" wird voraussichtlich schräg gestartet.

 

 

 

Schnittzeichnung

Skizze Projekt Wasserfall

 

 

 

 

 

Die Wasserfall Flak-R

 

 

Projekt und Entwicklung Wasserfall

 

Projektbezeichnungen:

C 1,

Boden-Luft-Rakete, Projekt einer Feststoffrakete von 6,86 m Länge. Zugunsten der C 2 aufgegeben.

C 2,

"Wasserfall". Boden-Luft-Rakete. 7780 kp Schub für 42 s. Weiterentwickelte A 7 mit kreuzförmig angeordneten Trapez- flächen. Brennstoffe «Visol« (350 kg) und «Salbei« (1500 kg). 150 kg-Sprengladung in der Spitze. Leitstrahlsteuerung. Versuchsraketen wurden 1944 gestartet, doch es erfolgte kein Einsatz. Länge 7.80 m, Spannweite 1,89 2,51 m, Leergewicht 1756 kg, Startgewicht 3810 kg, Massenverhältnis 2,18:1.

C 3,

Boden-Luft-Rakete, Projekt einer zweistufigen Feststoffrakete von 11,20 m Länge; zugunsten der C 2 aufgegeben.

 

 

In Erfüllung der taktisch-technischen Forderungen,, die vom Führungsstab IT der Luftwaffe im Schreiben Az. 67 Nr. 173o g.K. vom 25.9.1942 niedergelegt sind, wurde von der Heeresanstalt Peenemünde ein erster Entwurf für eine gesteuerte Flüssigkeitsrakete ausgearbeitet.

Ein Gerät dieser Art wurde bereits in einem Bericht der Heeresanatalt vom 27.5.1941 (HAP Archiv-Nr. 58/1) von Dr. von Braun vorgeschlagen. In einem späteren Bericht der Heeresanstalt vom 2.11.1942 (HAP Archiv.-Nr. 58/3) sind weitere Vorschläge enthalten.

Folgend werden nun in kurzen Zügen Fertigung, die taktischen Forderungen, die Verwendungsmöglichkeit und die für die Fertigung und den Einsatz erforderlichen Aufwendungen dargestellt. Hinweis: Unser Bericht gibt den Stand der Arbeiten vom ca.1943 wieder!

 

 

Bauteile

Montage "Wasserfall

 

 

Eine der wesentlichsten Grundlagen für die Gestaltung der Entwürfe für das Projekt "Wasserfall" war neben den taktisch-technischen Forderungen für die Flak-R-Entwicklung die Forderung des RLM-GL-Flak-E, das Gerät für eine monatliche Ausbringung von 5000 Stück auszulegen. Das bedeutete, daß die Ausbildung das gesamten Gerätes trotz der sehr hohen Anforderungen an die Steuerung, eines derartigen Geschosses sehr einfach sein mußte, um Schwierigkeiten in der Massenfertigung, nach Möglichkeit zu vermeiden. Aus den in Teil E mitgeteilten Daten ist zu ersehen, daß es gelungen ist, im Entwurf ein Gerät vorzulegen, das mit einem Aufwand von 500 Arbeitsstunden zu erstellen ist.

 

Fertigungsaufwand

Fertigungsaufwand für Wasserfall - pdf Datei Grösse 37 MB

 

 

Es liegt auf der Hand, daß bei einer derartig starken Bevorzugung der Belange der Fertigung nicht das Optimum der Leistung erreicht werden kann. So mußten z.B. bei der Entwicklung der aerodynamischen Form weitgehende Zugeständnisse gemacht werden. Durch größere Ovigalradien, bessere Flügelstreckung und entsprechende Ausbildung des Leitwerkes hätte man den Widerstand verringern können. Auch hätte man an manchen Stellen statisch und gewichtlich günstiger konstruieren können, was allerdings eine entsprechend kompliziertere Fertigung bedingt hätte. Trotzdem ist es gelungen, ein Gerät zu entwickeln, dessen Leistungen zwar nicht die sehr weit gestellten Forderungen restlos erfüllten, das aber bei einem verhältnismäßig geringen Aufwand einem außerordentlich Einsatz verspricht.

Es wurde dazumal auch erörtert, daß es wohl möglich ist, durch Vergrößerung des Gerätes auch die gestellten Forderungen zu erreichen, daß aber der damit verbundene Aufwand gleichzeitig um ein Vielfaches gewachsen wäre.

 

 

Testmodel

Testmodel in kleinem Massstab der Wasserfall

 

 

Daß hier im einzelnen beschriebene "kleinere" Gerät C-2 Version ist so ausgelegt, daß ein Einsatz mit einfachen Mitteln noch möglich ist. Das Gerät kann auf einem normalen Rungenwagen der Deutschen Reichsbahn transportiert und mit einem einfachen fahrbaren Hebezug in Stellung gebracht werden. Bei größeren Aggregaten (C-3) ist das nicht mehr möglich. Wesentlich zur Vereinfachung des Aggregates hat der Aufbau des Triebwerkes beigetragen. Statt einer in der Zeit üblichen Pumpenförderung wurde wieder auf Druckförderung zurückgegriffen. Hierdurch wurde die Pumpenanlage einschließlich Turbine nebst Energieerzeugung durch einen Druckktank mit einesm entsprechenden Regler ersetzt. Bei den vorliegenden Größenverhältnissen bringt das gewichtlich keine Verschiebungen, jedoch werden die zur Fertigung der Turbine und Dampfanlage notwendigen Arbeitszeiten erspart. Bei Vergrößerung des Gerätes durfte indes die Druckförderung räumlich und gewichtlich sehr bald wesentlich ungünstiger werden. Eine weitere Vereinfachung des Triebwerkes wurde erreicht durch Verwendung selbstentzündlicher Treibstoffe. Dadurch konnte die gesamte Zündeinrichtung wegfallen. Durch Ersatz des in dieser Zeit als Sauerstoffträger verwendeten flüssigen Sauerstoffes durch Salpetersäure wurden die Fragen dar Lagerfähigkeit gelöst und gleichzeitig infolge des höheren spezifischen Gewichtes die zur Erzielung einer Leistung erforderlichen Treibstoffräume verkleinert. Allerdings wurde hierbei ein Absinken der Ausströmgeschwindigkeit und damit eine Zunahme des spezifischen Verbrauchs erkauft. Unangenehm war dazumal die ungelöste korrodierende Wirkung der Salpetersäure durch Verwendung anderer Sauerstoffträger!

Für die Steuerung spielt die Größe des Aggregates keine allzu große Rolle. Gewichtlich und räumlich bleiben die Anforderungen der Steuerung gleich, sodaß der prozentiale Anteil an des Gesamtgerätes mit wachsender Aggregatgröße kleiner wird. Die notwendigen Ruderkräfte und damit die Anforderungen an die Ruderpumpen werden größer.

Die Treffgenauigkeit dar Flak-Rakete hängt von dem zur Verwendung kommenden Nachsteuerverfahrenverfahren und der Ausbildung der Bord- und Bodengeräte ab. In Teil "Flakraketen-Allgemein" unten folgend, sind im einzelnen die Verfahren beschrieben. Es kann damit gerechnet werden, daß mit dem vorliegenden Gerät auf etwa 30 m genau gesteuert werden konnte. Durch ein entsprechend gut arbeitendes Zündverfahren ist es theoretisch möglich, mit jedem Gerät einen Treffer zu erzielen. Da das Steuerverfahren nur bis zu einem gewiesen Grad an Prüftischen erprobt werden konnte, war die eigentliche Erprobung erst am fertigen Gerät im Freiflug möglich.

Welche Leistungen beim Einsatz des Wasserfall Gerätes erreicht werden konnten, ist in den Bildern 5 und 6 unten folgend zu sehen und eingehend dargeleg. Bei den Berechnungen zugrunde gelegten Annahmen war ein verhältnismäßig großer Aufwand an Batteriestellungen notwendig, um einen wirksamen Erfolg zu erzielen. Aus den ersichtlichen Tabellen und Zahlen geht hervor, daß es dazumal günstiger war, übers ganze Land eine Luftverteidigungszone zu erstellen, als nur einzelne wichtige Induetriezonen zu schützen. Dies im Grossverband mit anderen Flak-Raketensystemen. Dabei darf nicht vergessen werden, daß der Wirkungsbereich der Flak-Rakete erst ab mindestens 5000 m Höhe beginnt, daß also die Höhen unter 5000 m von den Flakgeschützen bzw. der Pulver-Flak-Raketen gesichert werden mussten. Die Idee einer derartigen Laftverteidigungszone ist in "Vorschläge für den Einsatz" in Plänen weiter unten folgend, ausführlich dargestellt.

Die in den nachfolgenden Teilen dargelegten Einzelheiten der Wasserfall sollen ein klares Bild über die Einsatzmöglichkeiten des Gerätes geben und gleichzeitig die Fragen und Probleme zeigen, die im Jahre 1943 noch offen waren. Es kann jedoch bemerkt werden, das die Forschungen (Stand 1943) davon ausgegangen waren, daß der Angriff eines Bomberverbandes in großen Höhen mit Sicherheit abgewehrt werden kann!

Als erster Entwurf der Wasserfall wurde ein Projekt mit 8 Tonnen Schub und einer Brennzeit von 45 sec. ausgearbeitet. Diese Grösse wurde gewählt als kleinstes Aggregat, mit dem eine zu dieser Zeit diskutable Lösung erzielt werden konnte.

In den Bildern 5 und 6 (unten folgend) sind die Bereiche A und B aufgetragen. Die Forderung einer Reickweite von 50 km in 20 km Höhe waren damit nichterfüllt, jedoch können im Bereich A Gegner in l0 km Höhe bei 5o km getroffen werden. Bei 15 km Höhe wird noch eine Reichweite von 43 km erzielt. Über 17 km können Treffer allerdings nicht erzielt werden. Da dieser erste Entwurf jedoch die Leistung der damaligen Höhenbomber überdeckte und in der Reichweite die Leistung der FM-Geräte übertraff, wurde er damals als Ausreichend für weitere kommende Jahre angesehen. Die Verkleinerung des Wirkungsbereiches bei stärksten Abwehrbewegungen nach Bereich "B" kam hauptsächlich in der Veringerung der Treffer-Höhe zum Ausdruck. In diesem Fall ist eine Bekämpfung von Gegnern, die in über 12,5 km Höhe Abwehrkurven mit 2 g Beschleunigung fliegen, kaum mehr möglich. Es ist dabei allerdinge notwendig, daß der Gegner ganz bestimmte Kurven mit größter Präzision fliegt.

 

Wasserfall

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 

A
B
Bild 5
Bild 6

 

 

Um die Leistung der Flakrakete zu steigern und der Erfüllung der taktisch-technischen Forderungen näher zu kommen, wurde ein zweiter Entwurf ausgearbeitet, der ein Triebwerk von 14 Tonnen Schub und 60 sec Brennzeit aufweist (Version C-3) aber zugunsten der C-2 aufgegeben wurde.

Es ist dies also eine Steigerung von 360000 kg x sec auf 840000 kg x sec. Die Leistungserhöhung liegt im Bereich A in denn gewünschten Grenzen! Die Forderungen wurden somit mit diesem Entwurft erfüllt, wenn der Gegner nur horizontle und geringe vertikale Abwehrbewegungen fliegt.

 

 

Wasserfall

"Wasserfall"

 

Die entgültige Version C-2 der „Wasserfall" ist eine mit veränderlicher Überschall-Geschwindigkeit fliegende Rakete mit Flüssigkeitsantrieb. Sie hat (Bild folgend im Abschnitt Aerodynamische Form) im Mittelteil Kreuzflügel und am Heck 4 Flossen, die in 4 großen Luftrudern endigen. 4 kleinere Ruder liegen im Antriebsstrahl (Strahlruder). Sie wird in senkrechter Stellung von einem kleinen Wagen aus gestartet und durch Funklenkung entweder mit Knüppelsteuerung von Hand oder selbsttätig zum Ziel gesteuert. Die Steuerung erfolgt nach Ablauf eines vorberechneten Einlenkvorganges, der die senkrecht gestartete Flak-R in Richtung zum Ziel lenkt, nach dem Dreipunkt-Deckungs-Verfahren. In jedem Augenblick liegen hier Ziel, Flak-R und Zieleinrichtung am Boden in einer Graden. Die Überlegenheit des „Wasserfall" als Überschallrakete gegenüber den anderen Flak-R zeigt die Geschwindigkeitskurve (Bild 2oben). Die Höchstgeschwindigkeit von rd. 770 m/s wird bei Brennschluß des Antriebs erreicht. Von da ab fliegt die Flak-R ohne Antrieb mit abnehmender Geschwindigkeit. Da ein besonderer Zusatzantrieb beim Start fehlt, ist der Geschwindigkeitsanstieg anfangs geringer als bei den übrigen Flak-R.


Daß die „Wasserfall" auch mit einer sehr weitgehenden Entwicklung von Flugzeugen und Fernkampfmitteln Schritt halten kann, veranschaulicht Bild 7, das in der äußeren Kurve den Wirkungsbereich gegenüber Flugzeugen mit vh = 250 m/s für n = 0 enthält. Wenn die Ziele bei dieser Geschwindigkeit Abwehrbewegungen bis zu n = 2 machen würden, könnten sie nur noch innerhalb der beiden kleinen Bereiche bekämpft werden, die von den strichpunktierten Linien umschlossen sind.

 

Bild 6

Bild 7

 

 

 

Geforderte und erreichte Leistungen

 

In den taktisch-technischen Forderungen war für die Flüssigkeitsrakete folgendes verlangt worden:

 

 

1.) Erreichung und sichere Vernichtung eines mit 25o m/sec in 2o km Höhe einfliegenden Gegners auf eine Entfernung von 50 km.

Vorausgesetzt wurde für die Leistungsrechnung die Möglichkeit, einen Gegner mit 90 kg Brisanzstoff und 40 kg Mantelgewicht flugunfähig zu machen, hinzu kommt noch die Sprengwirkung der zu gerlegenden Geräte mit einem Gewicht von etwa 1,3 to.

Die Eigenart einer Raketenflugbahn bringt es mit sich, daß bei der Bestimmung der Wirkungsbereiche zwei Grenzen zu berücksichtigen sind. Die erste Grenze deckt sich mit der eines normalen Geschosses und ist bedingt durch die abnehmende Geschwindigkeit. Die zweite Grenze ergibt sich dadurch, daß eine Rakete mit der Geschwindigkeit Null ihren Flug beginnt und erst nach einer mehr oder weniger langen Zeit eine genügende Geschwindigkeit erreicht hat. Vermindert oder doch wenigstens stark reduziert werden kann diese zweite Grenze durch eine entsprechend große Beschleunigung der Rakete, wie sie für die Pulver-Falk-Rakete vorgesehen ist.

 

Nullmomentenmessung

Untersuchungen Nullmomentenmessung - pdf Datei Grösse 10 MB

 

 

Für die Flüssigkeitsrakete kann die Anfangsbeschleunigung nicht so hoch gewählt werden, da dann die Reichweite infolge der notwendigen kurzen Brennzeit wieder stärker beeinträchtigt wird. Ein Katapultieren kommt nicht infrage, da man, um einen merklichen Gewinn zu erzielen, mit sehr hohen Beschleunigungen bzw. großen Katapultlängen arbeiten müßte. Das durch die erhöhten Beanspruchungen stark vermehrte Gewicht zehrt den erzielten Gewinn wieder auf. Für die Flüssigkeitsrakete kommt daher nur der Senkrechtstart in Betracht.

 

Massengewicht

Untersuchungen Konstruktionsgewichte - pdf Datei Grösse 10 MB

 

 

 

Aus den verschiedenen Arten von Verfolgungsbahnen, die für eine gesteuerte Rakete untersucht wurden, ergibt sich für zwei Verfahren die Möglichkeit der Anwendung. Das erste und sogenannte Dreipuntkt-Deckungs-Verfahren ermöglicht das Führen der Rakete auf dem Verbindungsstrahl Startstelle - Ziele. Dieses Verfahren wurde für die Flüssigkeitsrakete ausgewählt und ist im Abschnitt "Flakraketen Allgemein" beschrieben!

 

 

Erzeugung und Hundekurve einer Dreipunktkurve

Modell
Hundekurve

 

 

Ein zweites Verfahren ist das Hundevorhalt-Verfahren, das eine Zielsuchende Einrichtung zur Voraussetzung hat. Eine Lösung für dieses am bestes arbeitende Verfahren wurde ca. Ende 1943 gefunden. Mit dem oben erwähnten Dreipunkt-Deckungs-Verfahren ergeben sich dann mit einen angenommenen Projekt ver schiedene Leistungsbereiche. Um die Leistung an der Flakrakete beurteilen zu können, ist die Berechnung von 2 Bereichem notwendig, die wie folgt festgelegt sind:

Bereich A ist die Begrenzung des Raumes, in dem das Ziel erreicht wird, wenn der Gegner horizontal anfliegt und dabei beliebige Kursänderungen vornimmt.

Bereich B ist die Begrenzung des Raumes, in dem das Ziel erreicht wird, wenn der Gegner stärkste Abwahrbewegungen in beliebiger Richtung (so auch in der Vertikalen) vornimmt.

 

Wasserfall Aberdeen

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 


 

Bauweise

Wie aktuelle Flugkörper (z.B. die Sidewinder) wurde die Wasserfall in Sektionbauweise konstruiert. Die Fertigung der Tanksektion konnte in kleinen Manufakturen durchgeführt werden. Der Sprengkopf entsprach einer damals aktuellen Luftmine; einzig der Raketenmotor und der Flugrechner waren spionagekritisch. Um den Zusammenbau zu vereinfachen, durften keine Kabelbäume oder Seilzüge nötig sein. Das war nur dadurch erreichbar, dass jede Sektion der Waffe eine absolute Aufgabenprioriät besaß:

 

 

Diese scharfe Trennung der Aufgaben sollte bewirken, dass die Wasserfall schnell, einfach und dabei fehlerfrei am Einsatzort montierbar war. Die Zerlegbarkeit erleichterte den Transport sowie die Lagerung in Luftschutzbauten und den Zusammenbau ohne Kran oder Hubeinrichtung, etc.

Die Sektionsbauweise bot der Waffe gute Weiterentwicklungsoptionen, denn solange Schwerpunkt und Gesamtmasse gleich blieben, konnte jede einzelne Sektion unabhängig von den anderen in Bezug auf deren Wirtschaftlichkeit in Fertigung und Einsatz sowie hinsichtlich einer Kampfwertsteigerung weiter verbessert werden. Personal, technisches Gerät, Test-Aufbauten für eine Abstimmung der einzelnen Komponenten aufeinander sollte unnötig sein und gleichzeitig die Flugeigenschaften immer konstant und voraussagbar ausfallen.

 

 

Aerodynamischen Form und Bestimmung der aerodynamischen Güte der Wasserfall

 

Die Forderangen an die aerodynamische Form der Flak-Rakete werden einerseits von der Steuerungsseite gestellt, andererseits sind sie durch die Leistungsrechnung bedingt. zur Erzielung einer möglichst großen Leistung muß der Widerstand der Rakete auf ein Minimum reduziert werden. Da der größte Teil der Flugbahn im Überschallgebiet liegt, die aerodynamische Form einem günstigen Überschallkörper entsprechen. Der Körper der Rakete wird als Zylinder mit Ogivalspitze und etwas abgerundetem Heck ausgebildet. Flügel und Flossen weisen reine Überschallprofile auf. (Bild Modellfotagrafie)

 

 

 

 

Modell

Bild: Modellfotografie

 

 

 

Statische Untersuchungen

Statische Untersuchungen W-1 - pdf Datei Grösse 30 MB

 

 

 

Die Forderungen der Steuerung an die aerodynamische Form der Rakete sind sehr weitgehend. Um mit einem Geschoß eine beliebige Flugbahn zu erreichen, ist es notwendig, außer den in der Bahntangente wirkenden Kräften auch solche, die senkrecht dazu stehen, anfzubringen. Je größer die Umlenkungen werden sollen, desto größer müssen diese Kräfte sein. Bei einem nicht angetriebenen Geschoß kann man eine Querkraft erzeugen durch Anstellen der Geschßachse gegen die Flugbahntangente. Da jedoch der Widerstand des Geschoßes mit größer werdende Anstellwinkeln etwa parabolisch wächst, muß versucht werden, mit möglichst kleinen Anstellwinkel eine möglichst große Querkraft zu erzeugen. Diese Forderung kann nur erfüllt werden, wenn man an dem Geschoß erzeugende Flächen geringen Wiederstandes anbringt.

 

Heck

Heck mit Flossen und Ruder

 

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 

 

Um die während des Fluges die notwendigen Anstellwinkel herstellen zu können, sind Luft und Strahlruder vorgesehen worden. Diese erzeugen die zur Lenkung notwendigen Momente. Die sogenannten Strahlruder sind profilierte Graphitscheiben, die im Feuerstrahl des Triebwerkes liegen und ihre Wirksamkeit nur bei arbeitendem Triebwerk besitzen. sie weisen den Vorteil auf, daß Sie auch bei ganz geringen Fluggeschwindigkeiten voll wirksam sind, vermidern jedoch die Leistung des Triebwerks um einige Prozente.Die Luftruder übernehmen die Steuerung bei zunehmender Geschwindigkeit immer mehr und nach Brennschluß vollständig.

 

 

Flossen

Flügelkreuz

 

Fluegelkreuz

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 

 

Aufbau und Leistung des Triebwerks

Für die Flakraketen großer Reichweiten ist eine Flüssigkeitsrakete eingebaut. Als Treibstoffe werden hierbei Salbei (HNO3 99 % ig) als Sauerstoffträger und Visol (Vinylisobutyläther) als Brennstoff verwendet. Beide Stoffe werden mittels Druckluft in eine BRennkammer eingesprizt. Bei der Vermischung tritt hier Selbstentzündung ein. Die Ausstörmgeschwindigkeit der verbrannten Gase, die ja ein Maß für die Leistung des Antriebes ist liegt bei diesen Treibstoffen je nach dem Ofendruck zwischen 1800 und 1900 m/sec. Für die Wasserfall wurde ein Mischverhältniss von 0,22 atü (Visol und Salbei) gewählt. Mit höherem Ofendruck wächst auch die Ausströmgeschwindigkeit der Brenngase, somit die Leistung des Triebwerks, andererseits werden in Folge der höheren Tankdrücke auch die Gewichte grösser, somit eine grössere Kühlung derer nötig, wobei der Verbrauch ungünstig beeinflusst wird. Daher muß streng darauf geachtet werden, daß die Druckverluste zwischen Tank und Brennraum möglichst klein bleiben.

 

A
B
Entwurf 1
Entwurf 2

 

 

Abstimmung

Abstimmung von Versuchsgeräten - pdf Datei Grösse 8 MB

 

 

 

Bei der Wasserfall entschloss man sich zur Verwendung eines hypergolischen Zweikomponenten-Flüssigtreibstoffs. Eine kleine Druckluftflasche sollte beim Start die Tanks mit Überdruck versorgen. Tankpendel waren unnötig, da die Rakete weder rollen (wie die Katjuscha) noch in den Horizontalflug übergehen sollte (wie die V2) und daher immer im positiven G-Bereich bleiben würde. Als Kraftstoff wurde eine Visol- und SV-Stoff-Mischung gewählt. SV-Stoff (10 % Schwefelsäure + 90 % Salpetersäure) war in der Sprengstoffindustrie weit verbreitet und in ausreichender Menge vorhanden, Visol (Isobutylvinylether+ Anilin) war auch aus der Kraftstoffdestillation (Kohle-Verflüssigung) als Nebenprodukt zu beziehen. Der damit zu erreichende Schub genügte vollkommen, um die Anforderungen zu erfüllen.

 

 

Rumpf

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 

 

Heizbehealter

Heizbehälter

 

Rumpfteil

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 

 

 

 

 

Technsiche Daten zur Wasserfall C-2

 

 

 

 

Spitze

Behälterspitze der Wasserfall

 

 

Spitze

Quelle: Army Ordnance Museum at Aberdeen USA

 

 

 

 

 

Teil 2

 

 

 

 

Flakraketen Allgemein

 


Steuerung der Flak-Rakten

 


Verfahren und Geräte für Funklenkung und Zündung der Flak-R


I. Allgemeines über die Funklenkung der Flak-R.


Ausführbar sind folgende Verfahren der Funklenkung für Flak-R:
a) Knüppelsteuerung von Hand bei optischer Ortung des Zieles und optischer Ortung der Flak-R. Dabei kann zusätzlich ein Funkmeßgerät für die Zieleinweisung vorhanden sein. Die Zielführung während der R-Flugdauer würde rein optisch erfolgen.


b) Knüppelsteuerung von Hand bei elektrischer Ortung des Zieles mit Funkmeßgerät und optischer Ortung der Flak-R. Das Ziel braucht hierbei optisch nicht sichtbar zu sein, dagegen muß die Flak-R bis zum Ziel sichtbar bleiben.


c) Knüppelsteuerung von Hand bei elektrischer Ortung von Ziel und Flak-R. Hierbei braucht zum Ziel und zur Flak-R keine optische Sicht zu bestehen.


d) Selbsttätige Steuerung bei elektrischer Ortung von Ziel und Flak-R.
Anstelle der optischen Ortung kann eine Bildwandler-Ortung nach einem Ultrarot- oder sonstigen Verfahren treten.

 


II. Funklenkung bei Senkrechtstart.


Ein Funkmeßgerät (oder auch ein Flak-Richt-Gerät bei optischer Ortung) ortet das Ziel und gibt an ein Anzeigegerät (Lichtpunktgerät) die Richtungswinkel zum Ziel nach Umrechnung in einem Einlenk-Rechengerät und einem Parallax-Rechner, die beide für den Einlenkvorgang aus der Senkrechten in die Richtung zum Ziel notwendig sind, die Flak-R wird vom Start ab mit einem Flak-Richt-Gerät angerichtet, das seine Richtungswinkel ebenfalls in das Anzeigegerät gibt. Der techn. Schießende am Steuerknüppel sitzt an einem weiteren optischen Gerät, dem Flak-Folge-Gerät, das vom Funkmeßgerät in Zielrichtung nachgesteuert wird. Er hat zunächst die Aufgabe, die Flak-R mit dem Knüppel so zu steuern, daß die Lichtpunkte auf dem Anzeigegerät zusammenfallen. Ist dies erreicht, dann ist die Flak-R in Zielrichtung eingelenkt und erscheint jetzt auch im Glas des techn. Schießenden. Von jetzt ab kann er entweder ganz nach optischer Sicht weiter steuern oder bei unsichtbarem Ziel die Flak-R stets im Fadenkreuz des Glases halten.
Tritt anstelle des Flak-Richt-Gerätes für die Ortung der Flak-R ein zweites Funkmeßgerät zur elektrischen Ortung der Flak-R, dann wird der Steuervorgang am Knüppel bis zum Ziel hin nach den Lichtpunkten auf dem Anzeigegerät durchgeführt.
Die durch die Ausschläge des Steuerknüppels gebildeten Steuerkommandos werden über einen Funkkommando-Sender an die Flak-R übertragen.


III. Funklenkung bei Schräg-Start


Ein Funkmeßgerät (oder auch ein Flak-Richt-Gerät bei optischer Sicht) ortet das Ziel und steuert das Startgestell (u. U. mit einem bestimmten Vorhalt) in Zielrichtung. Das Funkmeßgerät steuert ein weiteres, optisches Gerät, das Flak-Folge-Gerät, an dem der techn. Schießende mit dem Steuerknüppel sitzt. Die Flak-R erscheint wegen des Schräg-Starts sofort nach dem Start in dem großen Bildfeld des Glases am Flak-Folge-Gerät, so daß der techn. Schießende sie durch Betätigung des Steuerknüppels in Deckung mit dem Ziel bringen kann. Soll auch die Flak-R elektrisch geortet werden, so kann dies mit einem zweiten Meßkanal durch das gleiche Funkmeßgerät geschehen, welches auch das Ziel ortet. Die Steuerkommandos werden durch einen Funkkommando-Sender an die Flak-R übertragen.


IV. Bordgeräte zur Funklenkung der Flak-R.


An Bord der Flak-R befinden sich:

a) Funkkommando-Empfänger mit Antenne zur Aufnahme der Steuerkommandos.
b) Übertragungs- und Verstärker-Einrichtungen zu den Rudermaschinen.
c) Rudermaschinen-Anlage und Ruder.


V. Zündung der Flak-R am Ziel.


Für die Zündung der Flak-R am Ziel gibt es grundsätzlich folgende 2 Möglichkeiten:
Bei elektrischer Ortung von Ziel und Flak-R werden die beiden Entfernungen sehr genau gemessen und können elektrisch miteinander verglichen werden. Bei Entfernungsgleichheit wird das Funk-Zündkommando ausgelöst.
Die zweite Möglichkeit sieht einen Zünder vor, der bei größter Zielnähe der Flak-R anspricht (Abstandszünder). Entsprechende Entwicklungen laufen.

 

 

 


Vorschläge für den Einsatz der Flak-R.

 


I. Erzielbare Schußzahlen bei An-, Ab- und Vorbeiflügen.


Bei den Flak-R ist die Schußfolge keine feststehende Größe wie bei den Flak-Geschützen, sie wird vielmehr durch verschiedene Umstände bestimmt. Gewicht, Größe, Sperrigkeit und Empfindlichkeit der Flak-R stellen eine unter Gefechtsbedingungen schwierig zu bewältigende Transportaufgabe. Weiter bedingen die Sicherheitsabstände, die von den Bedienungen gegenüber den Antriebsstrahlen der Flak-R beim Start eingehalten werden müssen, Einschränkungen, die sich auf die Schußfolge auswirken. Schließlich geht durch die Funklenkung auch die Flugzeit der Flak-R in die Schußfolge ein, da die Funklenkanlage am Boden während der Flugdauer der Flak-R belegt ist. Die Schußfolge ändert sich deshalb auch mit der Zielgeschwindigkeit, -entfernung und -höhe. Sie ist also während der Bekämpfung eines angreifenden Verbandes veränderlich und muß von Fall zu Fall anhand der Wirkungsbereiche und der Flugdauerkurven ermittelt werden.


Für diese Ermittlung, die als Grundlage für die weiteren Einsatzbetrachtungen dient, ist angenommen worden, daß von einem enggeschlossen eine Stellung anfliegenden Verband beim Überfliegen der Grenze des Wirkungsbereichs das vorderste Flugzeug abgeschossen und anschließend mit nur wenigen Sekunden Unterbrechung ein zweites Flugzeug unmittelbar dahinter aufgefaßt und abgeschossen wird. Bei diesem Verfahren wird stets das vorne fliegende Flugzeug bekämpft, bis auf der Abflugseite die Grenze des Wirkungsbereichs überschritten wird. Erst dann wird ein weiteres Ziel auf der Anflugseite gesucht. Bei diesem Verfahren muß nach dem Eintreffen einer Flak-R am Ziel stets sofort wieder eine neue Flak-R startbereit sein, damit nach der Ortung eines neuen Zieles ohne Verzug weitergeschossen werden kann.


Unter dieser Voraussetzung ist ermittelt worden, wieviele Flak-R jeweils bei An-Abflügen und bei Vorbeiflügen mit bestimmten e,kw- und n-Werten von 1 Funklenkanlage zu den Zielen gesteuert werden können und welche Zahl von Startstellen jeder Funklenkanlage in der Feuerstellung zugeordnet werden muß, damit eine pausenlose Zielbekämpfung möglich ist. In Tabelle 3 sind die Ergebnisse zusammengefaßt. Sie enthält in der ersten Längsspalte außer der Gerätart die Zahl der Startstellen, die für 1 Funklenkanlage am Boden erforderlich ist, damit stets rechtzeitig eine startklare Flak-R an einer Startstelle bereitsteht. Außerdem ist noch die Verzugszeit (tv) angegeben, die vergeht, bis an derselben Startstelle nach dem Start einer Flak-R eine neue Flak-R startbereit steht. Diese Zeit geht wesentlich in alle Überlegungen ein und muß so klein wie nur möglich gemacht werden, was hauptsächlich von der zweckmäßigsten Lösung des Transportproblems abhängt.

 

Tabelle 3

Tabelle 3

Zahl der mit 1 Fernlenkanlage erziehlbaren Schüsse beim Anflug eines Verbandes ( Zielgeschwindigkeit Vm = 150 m/s )

 


In der zweiten Längsspalte ist angegeben, ob die ermittelte Schußzahl für einen reinen An-Abflug oder einen Vorbeiflug mit bestimmter ekw gilt- die Ermittlungen sind für Zielhöhen von 2,5,5,0,7.5,10,0 und 12,5 km gemacht worden und außerdem noch unterteilt für Ziele mit und ohne Abwehrbewegungen. Einheitlich wurde eine Zielgeschwindigkeit von 150 m/s zugrunde gelegt. Für „Wasserfall" und „Schmetterling" sind die Rechnungen ausführlicher durchgeführt worden. Für „Enzian" fehlten noch Unterlagen, doch steht soviel fest, daß die Zahlen für „Enzian" etwa die gleichen wie für „Wasserfall" sein werden.


Nach diesen Untersuchungen können bei einem reinen An-Abflug mit 1 Funklenkanlage aus 4 Startstellen je nach Zielhöhe 7 bis 6 Flak-R „Wasserfall" und bei Abwehrbewegungen des Zieles nur 6 bis 4 Flak-R gestartet werden. Die entsprechenden Zahlen für „Schmetterling" sind infolge des geringeren Wirkungsbereichs kleiner.


Bei Vorbeiflügen wirkt sich die e,kw naturgemäß sehr stark aus. Bei „Wasserfall" sind bei 5 km Zielhöhe statt 7 nur noch 6,5 und 3 Starts möglich, wenn die e,kw 7,5.15,0 und 22,5 km beträgt, das Ziel also den Wirkungsbereich auf kleineren Strecken durchfliegt als beim reinen AnAbflug.

 


Zusammenfassung:


Mit nur 1 Funklenkanlage und 4 Startstellen lassen sich auf einen angreifenden enggeschlossen fliegenden Verband nur sehr wenig Flak-R starten, die größte Zahl ist 7, die kleinste 2 (Aufstellung 3 folgend). Mehr Starts lassen sich nur durch Vermehrung der Funklenkanlagen einschließlich der dazugehörenden Startstellen erreichen, es sei denn, daß sich mehrere Flak-R kurz hintereinander im gleichen Ortungsstrahl „auffädeln" lassen. Für die weiteren Untersuchungen werden in jeder Feuerstellung 2 Funklenkanlagen mit je 4 Startstellen vorausgesetzt.

 

Bild 9

Aufstellung 3

Feuerstellungen hier zBs. "Schmetterling"

 

 

 

 

Taktischer Einsatz der Flak-R, Aufbau von Batteriestellungen und Naschubverfahren

 

Zweckmäßige Staffelung der Batteriestellungen:


Mit den vorstehenden Ergebnissen sind weitere Untersuchungen durchgeführt worden, um die zweckmäßigste Staffelung der Batterien und Überlagerung ihrer Wirkungsbereiche zu erhalten. (Die Untersuchungen sind für Flak-R „Wasserfall" und „Schmetterling" ausführlich durchgeführt worden. Anstelle von „Wasserfall" kann etwa mit derselben Sicherheit „Enzian" eingesetzt werden. Dagegen ist die Flak-R „Rheintochter" nicht gleichwertig für „Schmetterling" einsetzbar.) Mit Rücksicht auf die schwierigen Aufgaben der Fernlenkung ist nur eine mäßige Überdeckung der Wirkungsbereiche erwünscht. Je mehr Flak-R gleichzeitig von verschiedenen Batterien her am Ziel erscheinen, um so schwieriger wird es beim Schießen nach optischer Sicht jedem Schießenden, gerade seine Flak-R eindeutig auszumachen und genau zu steuern. Bei elektrischer Ortung der Flak-R wird diese Aufgabe noch schwieriger als bei der optischen, da die Fu. M.G. u. U. mehrere Flak-R nahe beieinander nicht mehr elektrisch trennen können. Eine weitere Grenze ist durch die Zahl der verfügbaren Hochfrequenzkanäle gegeben. Beim „Kehl-Straßburg"-Funklenkverfahren stehen z. B. 18 Frequenzen zur Verfügung, so daß höchstens 9 Batterien mit je 2 Funklenkanlagen sich in ihren Wirkungsbereichen überdecken können.


Als günstiger Zwischenraum zwischen 2 benachbarten Batteriestellungen hat sich 15 km für „Wasserfall" oder „Enzian" 10 km für „Schmetterling"
ergeben. Bei diesen Zwischenräumen ist für Zielhöhen bis 5 km der Totbereich jeder Batterie von den Wirkungsbereichen der beiden Nachbarbatterien überdeckt.


Vier Vorschläge für den Aufbau einer Verteidigungslinie aus Überschall- und Unterschall-Flak-R enthält Bild 10. Gezeichnet ist die Überdeckung der Wirkungsbereiche für 5 km Zielhöhe, und zwar gegen Ziele, die Abwehrbewegungen ausführen. Wenn die Ziele keine Abwehrbewegungen machen, ergeben sich noch etwas günstigere Verhältnisse. Die Bereiche für „Schmetterling" sind dünn ausgezogen, die Totbereiche für „Wasserfall" etwas angelegt. Die eingeschriebenen Zahlen geben an, wievielfach die Überdeckung ist. Der Aufwand an Batterien für 100 km zu schützende Strecke ist für alle 4 Vorschläge gleich groß und beträgt 7 „Wasserfall"- und 10 ,,Schmetterling"-Batterien. Auch der Überlagerungsgrad ist in den 4 Fällen ungefähr gleich. Um einen Überblick zu geben, wie sich die Überdeckung mit der Zielhöhe ändert, sind in gleicher Art in Bild 11 die Verhältnisse für 2,5, 5,0, 7,5,10,0 und 12,5 km Zielhöhe dargestellt. Während bei 2,5 und 5,0 km Zielhöhe noch eine gute 5- bis 7fache Überdeckung besteht, geht sie bei 7,5 km auf eine 4- bis 7fache zurück. Bei 10,0 km Zielhöhe ist die Überlagerung auf größeren Flächen nur noch 2- bis Stach und bei 12,5 km nur 2fach. Gegen Ziele, die keine Abwehrbewegungen ausführen, sind auch noch in 12,5 km Höhe 3fache Überdeckungen auf großen Flächen vorhanden.

 

Bild 10
Bild 11

 

Unter Zugrundelegung dieser Staffelung und Überlagerung sind beim Überflug eines der Breite nach enggeschlossenen Verbandes (Gesamtbreite 1 bis 2 km) über 1 solche Verteidigungslinie von Flak-R-Batterien folgende Schußzahlen zu erzielen, wenn jede Batterie 2 Funklenkanlagen mit je 4 Startstellen hat.

 

Zielhoehen


Selbst bei Annahme sehr hoher Trefferanteile ist also eine ausreichende Dezimierung anfliegender Verbände mit mehreren 100 Flugzeugen in nur 1 Verteidigungslinie nicht zu erreichen, wenn der Gegner der Breite nach enggeschlossen einfliegt. Deshalb müssen mehrere Verteidigungslinien hintereinander angeordnet werden.


Für die Ermittlung der Abstände zwischen den Verteidigungslinien gelten dieselben Überlegungen wie für die Zwischenräume zwischen den Batterien. Es ist zweckmäßig, die Wirkungsbereiche der Verteidigungslinien nur ganz wenig zu überlagern und einen Abstand zwischen den Verteidigungslinien von etwa 50 km vorzusehen.


In Bild 12 ist das Schema für 4 Verteidigungslinien aus „Wasserfall"- und „Schmetterling"-Batterien dargestellt. Größere Abstände als 50 km zwischen den Verteidigungslinien sind aus verschiedenen Gründen erwünscht. Z. B. kann eine Sperrzone von 200 km Tiefe durch Dipol-Abwurf leichter gestört werden, als wenn die Tiefe der Zone größer oder die Verteilung der Batterien in den Linien unregelmäßig ist.

 

Bild 12

Bild 12

 


Zusammenfassung:


Eine Flak-R-Batterie soll mindestens 2 Funklenkanlagen mit je 4 Startstellen haben, um eine ausreichende Zahl von Flak-R beim Überflug eines Verbandes starten zu können.


Für „Wasserfall'-Batterien ist ein Zwischenraum von 15 km, für „Schmetterling"-Batterien von 10 km günstig. 1 Linie aus „Wasserfall"- und „Schmetterling"-Batterien mit diesen Zwischenräumen ergibt bei 5 km Zielhöhe gegen einen eng anfliegenden Verband die mögliche Zahl von 47 Schüssen gegen Ziele ohne Abwehrbewegungen und von 36 Schüssen gegen Ziele mit Abwehrbewegungen. Für 12,5 km Zielhöhe ergeben sich 24 bzw. 10 Schüsse. Um auch große geschlossen anfliegende Verbände wirksam bekämpfen zu können, sind 3 bis 4 Verteidigungslinien im Mindestabstand von etwa 50 km hintereinander erforderlich. Die Verhältnisse ergeben sich etwas günstiger, wenn der Gegner in breiter Front anfliegt und dadurch eine größere Zahl von Batterien berührt


III. Erforderliche Zahl der Batterien.


Mit diesen Ergebnissen ist zu prüfen, ob die Bildung einer Luftverteidigungszone oder Objektschutz mehr Aufwendungen erfordert.

a) Objektschutz


In Bild 13 ist für rd. 70 Städte mit über 100 000 Einwohnern ein Objektschutz aus je 4 Verteidigungslinien mit nur 30 km mittlerem Abstand dargestellt. Für die Gesamtlänge der Verteidigungslinien von rd. 18000 km wären erforderlich 1200 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" 1800 Batterien „Schmetterling"

b) Luftverteidigungszone


Bild 14 zeigt den Entwurf für eine geschlossene LVZ (= Luftverteidigungs-Zone). An den meistgefährdeten Grenzen sind 4 Linien vorgesehen, an der Ostgrenze vorerst nur 1 Linie. Bei einer Gesamtlänge von rd. 13000 km sind erforderlich 870 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" 1300 Batterien „Schmetterling".
Davon wären für den ersten Ausbau mindestens notwendig: 600 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" und 900 Batterien „Schmetterling".

 

Bild 13: Objektschutz
Bild 14: Luftverteidigungszone



Wenn die Entwicklung der Kriegslage auch nach Osten hin einen stärkeren Schutz durch Flak-R-Batterien notwendig machen sollte, wird vorgeschlagen, die für den zweiten Ausbau in Bild 14 vorgesehenen Linien 8-8 und 13-13 in die Lücken zwischen den Verteidigungslinien 6 und 2 bzw. 7 und 3 zu legen. Dann wäre ohne Erhöhung des Gesamtaufwandes auch ein stärkerer Schutz nach Osten hin gegeben.


Die LVZ in der vorgeschlagenen Anordnung erfordert nur 72 % der Batterien, die für den Objektschutz nach Bild 13 notwendig sind.
Eine LVZ kann aber nur dann den Schutz sicherstellen, wenn sie weder überflogen, noch unterflogen, noch umflogen werden kann und wenn eine genügend große Treffwahrscheinlichkeit gegeben ist.


Das Überfliegen können die Flak-R „Wasserfall" verhindern, da mit ihnen bis zu 16 km Höhe mit noch genügendem Wirkungsbereich geschossen werden kann (siehe Bild 3). Das Unterfliegen ist teils durch die eingeschobenen „Schmetterling"-Batterien; vor allem aber durch leichte Flak-Batterien zu verhindern. Das Umfliegen setzt eine lückenlose Verteidigungslinie von Batterien voraus. Eine ausreichende Treffwahrscheinlichkeit soll die Fernlenkung der Flak-R geben. Auch die Frage der Störbarkeit der Funklenkanlagen ergibt sich für eine LVZ keineswegs ungünstiger als für den Objektschutz.


Für die zusätzliche Jagdabwehr ergeben sich 2 klar umrissene Einsatzräume außer- und innerhalb der LVZ. Ein verstärkter Jagdeinsatz müßte auch während der Aufbauzeit der LVZ das Umfliegen verhindern.

 

Alarmzonen

Alarm and zone of fire of an AA-Rocket Battery (Plan U.S.A)


Zusammenfassung:


Die Gegenüberstellung des erforderlichen Aufwandes an Batterien für einen Objektschutz und eine LVZ erweist die Vorteile der LVZ, die nur 72 % Batterien im Vergleich zum Objektschutz benötigt. Eine LVZ nach Bild 14 erfordert im ersten Ausbau 600 Batterien „Wasserfall" oder „Enzian" und 900 Batterien „Schmetterling", wozu für den Endausbau noch 270 Batterien „Wasserfall" und 400 Batterien „Schmetterling" kommen. Für jede andere Linienführung kann die benötigte Zahl der Batterien aus der Gesamtlänge der Verteidigungslinien geteilt durch 15 bzw. 10 erhalten werden.

 

 


IV. Taktische Gliederung, Feuerleitung, Nachrichtenverbindungen:


Da die Verteidigungslinien verhältnismäßig weit auseinanderliegen, werden zweckmäßig die Flak-R-Batterien innerhalb 1 Linie zur nächstgrößeren Einheit zusammengefaßt. Es wird vorgeschlagen, etwa 7 bis 10 Batterien („Wasserfall" oder „Enzian" und „Schmetterling" gemischt) zu einem Flak-R-Regiment zu vereinigen, damit die Zahl der Nahtstellen innerhalb der Verteidigungslinien nicht zu groß wird. Da ein der Breite nach enggeschlossen fliegender Verband im Bereich eines Regiments oder höchstens zweier Regimenter bleibt, ist eine einheitliche Gefechtsführung, Unterrichtung der Batterien über die Luftlage und Zieleinweisung gewährleistet. Bild 15 gibt das Schema einer solchen Gliederung für eine LVZ mit 4 Verteidigungslinien. Mehrere Regimenter (z. B. 12 bis 14) können zu einer Flak-R-Division zusammengefaßt werden, die sich in der Tiefe auf alle 4 Verteidigungslinien erstrecken würde. Die Befehlsbereiche hätten danach etwa folgende Größe:

in der Breite
in der Tiefe
Regiment
40 bis 50 km
20 km
Division
130 bis 180 km
170 km

 

In Bild 15 sind auch die Nachrichtenverbindungen (Funk oder Draht) eingezeichnet. Zwischen den Batterien und Regimentern sind Sternnetze vorgesehen, die auch für die Übertragung der Ortungswerte der Funkmeßgeräte zum Regiment und der Zieleinweisungswerte vom Regiment zu den Batterien in dieser Anlage gebraucht werden (z. B. Gerät „Haselnuß" oder „Luxor"). Zwischen den Regimentern ist ein vernaschtes Ringnetz zweckmäßig, das gleichzeitig auch Führungsnetz für die Division sein kann.

Bild 15

Bild 15


Zusammenfassung:


Um eine einheitliche Gefechtsführung sicherzustellen, wird vorgeschlagen, 7 bis 10 Flak-R-Batterien 1 Verteidigungslinie jeweils zu einem Flak-R-Regiment und 12 bis 14 Regimenter aller 4 Linien zu einer Flak-R-Division zusammenzufassen. Die Nachrichtenverbindungen zwischen den Batterien und Regimentern werden am zweckmäßigsten als Sternnetze, die Verbindungen zwischen den Regimentern untereinander und der Division als vermaschtes Ringnetz vorzusehen sein.

 


V. Flakschutz der Flak-R-Batterien.


Eine Flak-R-Batterie kann gegen Tiefangriffe bis zu einer Schrägentfernung von etwa 4 bis 6 km wegen des Totbereichs mit ihren Flak-R nichts ausrichten und bedarf eines besonderen Schutzes. Die Überlagerung der Totbereiche durch die Wirkungsbereiche benachbarter Batterien reicht noch nicht aus, weil nur beschränkte Schußzahlen möglich sind und es bei geringen Zielhöhenwinkeln Zielungenauigkeiten geben kann. Deshalb muß ein zusätzlicher Schutz durch Flakgeschütze mittleren Kalibers oder durch Luftsperren mit einer Reichweite von 5 bis 6 km sichergestellt werden. Aufgabe dieses Schutzes ist die Abwehr von Angriffen durch Kampf- und Sturzkampfflugzeuge und durch Tiefflieger.

 


VI. Personalbedarf der Flak-R-Batterien.


Der voraussichtliche Personalbedarf einer Flak-R-Batterie für „Wasserfall" ist in Tabelle 4 gegeben. In einer Gesamtkopfstärke von 151 Mann sind an besonders ausgebildetem Fachpersonal vorhanden:

1 Ing. oder Techn. als Hochfrequenz-Prüfing.
2 Uffz. und 4 IVIann als Hochfrequenz-Gerätewarte
1 Uffz. (Wm.) als Munitions-Uffz. (Sprengstoffwart)
2 Uffz. und 6 Mann als Raketenwarte
6 Wachtmeister als techn. Schießende am Steuerknüppel.


Tabelle 4

 

Tabelle 4

Vorläufiger Personalbedarf einer Flak-R-Batterie "Wasserfall" mit 2 Funkanlagen und 8 Startstellen

 

 

 

 


Bodenorganisation.

 


I. Grundsätzliches über Nachschub, Transport und Lagerung der Flak-R.


Durch die Größe, die Sperrigkeit und das Gewicht der Flak-R ergeben sich bzgl. des Nachschubs, des Transportes und der Lagerung schwierige Aufgaben, die besondere Einrichtungen und Geräte notwendig machen. Dabei ist folgendes zu beachten.


Zwischen den Fertigungswerken und den Feuerstellungen liegen weite Transportwege. In den Batteriestellungen kann nur ein bestimmter Vorrat an Flak-R untergebracht werden. Der Nachschub muß den stoßweisen Verbrauch von Flak-R an bestimmten Stellen des Einsatzes decken. Zwischen den Fertigungswerken und den Batteriestellungen müssen deshalb Nachschublager liegen, welche die laufende Fertigung aufnehmen und die stoßweisen Anforderungen der Truppe erfüllen können.

In den Feuerstellungen können Montagearbeitern beim Flak-R-Nachschub nicht ausgeführt werden, da hierzu die Zeit, Fachkräfte und Einrichtungen fehlen. Den Stellungen müssen startfertige Flak-R in kürzester Zeit angeliefert werden.


In den Feuerstellungen müssen möglichst alle vorkommenden Transportaufgaben mit einem Universalgerät ausführbar sein. Das Heranschaffen der Flak-R im Gefecht aus ihren Lagerräu-men an die Startstellen muß in der kürzestmöglichen Zeit erfolgen. Hierzu sind Sondergeräte notwendig.


Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte wird folgendes einzurichten sein:


Die Flak-R gehen von den Fertigungswerken zu den Nachschublagern in mehreren Teilen, die durch Schnelltrennstellen ohne umfangreiche Montagearbeiten zusammengesetzt werden können. Der Transport in mehreren Teilen beansprucht erheblich weniger Transportraum als beim ganzen Gerät.


Bei „Wasserfall", der größten Flak-R, erfordert z. B. der Transport von 36 Geräten

beim Versand in 3 Teilen 17 Wagen
beim Versand als ganzes Gerät 36 Wagen
(Bild 17 unten)
Beim „Enzian" und „Schmetterling" ist die Einsparung nicht so groß.


Die Nachschublager werden folgende Arbeiten ausführen müssen:
a) Zusammenbau der Flak-R
b) Betanken mit Brennstoff, Sauerstoffträger und hochverdichtetem Gas
c) Einbringung der Sprengstoff-Nutzlast und der Zerlegerladungen
d) Lagerung der startfertigen Flak-R bis zum Nachschub an die Batterien

 

Bild 16 17

Bild 16 & 17


Von den Nachschublagern aus, die etwa 100 Batterien im Umkreis bis zu 100 km versorgen sollen, werden die fertig zusammengebauten Flak-R mit Lastwagen-Transport-Kolonnen in die Feuerstellungen gebracht, soweit nicht Versand auf Eisenbahnwagen möglich ist.


Für die Nachschublager muß die Frage der Sicherung gegen Luftangriffe geprüft werden. Verbunkerte Ausführung oder unterirdische Anlage kann notwendig sein.


Für „Wasserfall" zeigt Bild 16 (siehe oben) die Verladung des ganzen Gerätes auf einem Eisenbahn-Rungenwagen und einem Lastwagen-Sonder-Anhänger 319.


Als Universalhebezeug in den Lagern und Stellungen werden fahrbare Miag-Kräne mit dieselelektrischem Antrieb vorgeschlagen. Bild 18 folgend zeigt einen solchen Kran in Sonderausführung mit langem Ausleger, wie er für „Wasserfall"-Batterien vorgesehen ist. Mit ihm kann eine liegende Flak-R aufgerichtet bzw. eine stehende umgelegt und eine senkrecht am Kranhaken hängende Flak-R transportiert werden. Alle diese Vorrichtungen müssen in den Feuerstellungen für „Wasserfall" ausgeführt werden. Für die übrigen Flak-R können die Kräne kleiner und leichter sein.

Bild 18

Bild 18: Kran

 


Die Hebezeuge und Transportgeräte, welche im Gefecht notwendig sind, werden im nächsten Abschnitt bei den Batteriestellungen behandelt.
Für den Nachschub sind weiterhin noch Kraftstoff- und Säure-Kesselwagen, Flaschen für hochverdichtete Gase, Pumpen, Kompressoren, Schläuche, Mengen- und Druckmeßgeräte, Filter, Armaturen usw. erforderlich.

 

Zusammenfassung:


Der Nachschub, der Transport und die Lagerung der Flak-R erfordern Transportwagen, fahrbare Hebezeuge, Lagerhallen für Zusammenbau und Munitionierung, Betankungsanlagen usw. Zwischen die Fertigungswerke und die Batteriestellungen sollen Nachschublager gelegt werden, in welchen die in 2 oder 3 Hauptteilen gelieferten Flak-R zusammengebaut, munitio-niert, betankt und für den Nachschub der fertigen Flak-R in die Feuerstellungen gelagert werden. Diese Nachschublager müssen im Einsatzraum der Batterien liegen, damit die Munitionsergänzung mit Lastwagen möglich ist.

 


II. Mechanische Einrichtungen für den Start der Flak-R im Gefecht.


a) Allgemeines.


Die Hauptaufgabe im Gefecht ist die schnelle und sichere Beschickung der Startstellen mit Flak-R. Zu jeder der 8 Startstellen einer Batterie gehört ein Lagerraum für 10 startfertige Flak-R. Zwischen dem Lagerraum und der etwa 30 m entfernten Startstelle liegt ein Feldbahngleis für den Zubringewagen. Die Zubringeeinrichtungen werden nachstehend beschrieben.


b) Startwagen und Startstelle für "Wasserfall".


Die senkrecht startende Flak-R „Wasserfall" hat einen einfachen Startwagen mit 2 m Spurweite, auf dem sie schon im Lagerraum steht. Sie ist mit 4 Schrauben auf dem Wagen festgezogen, die an der Startstelle mit wenigen Griffen gelöst werden.


An der Startstelle ist in einer Betonplattform eine mit Schotter und Pflastersteinen gefüllte Grube mit einem Abzugrohr nach einer Sickergrube (Bild 19). Damit die Pflastersteine durch den Antriebstrahl nicht wegfliegen, werden sie mit einem Rost aus hochkant gestellten Flacheisenschienen gehalten. Die Gruben sind notwendig, damit beim Versagen eines Starts die aus den Behältern unter Druck auslaufenden Brennstoffe schnell unter Bildung einer großen Oberfläche wegfließen und durch Zugabe von Wasser bis zur Zündunfähigkeit verdünnt werden können. Nur so ist an der Startstelle ein gefährlicher Brand zu vermeiden, der, einmal entstanden, kaum zu löschen ist. An der Startstelle ist ferner ein Anschluß für die Stromzuführung und die Betätigungsleitungen für das Startkommando des techn. Schießenden vorhanden. Nach dem Start wird der leere Startwagen über die Grube hinaus auf dem verlängerten Gleis weitergeschoben.

Bild 19

Bild 19:


 


Zusammenfassung:


Während für jede Flak-R „Wasserfall" ein einfacher Startwagen notwendig ist, auf dem sie vom Lagerraum zur Startstelle gefahren wird, brauchen die Flak-R „Schmetterling" und "Rheintochter" wegen des Schräg-Startes ein ferngesteuertes 2achsiges Startgestell und einen Zubringewagen für seine Beladung. Diese Geräte liegen im Entwurf vor. Änderungen können sich noch bei der Durchkonstruktion ergeben. Für „Enzian" muß die Startart noch festgelegt werden.

 

 


III. Elektrische und optische Einrichtungen für den Start der Flak-R.


a) Elektrische Ortungsgeräte.


Elektrische Ortungsgeräte sind für die Ortung des Zieles und auch der Flak-R erforderlich. In Frage kommen hierfür wegen der unerläßlichen Peilgenauigkeit von 1° vorerst: Fu. M. G. „Mannheim-Riese" (2achsiges Fu. M. G. Riese mit ,,Mannheim"-Elektrik). später: Fu.M.G. „Rheinland" (Fu.M.G. mit Peilung nach Instrumentenanzeige, aber mit abgesetztem, Sachsig gelagertem Spiegel „Drache").

 

Riese

Funkmessgerät 41 T (Mannheim-Riese)

 


Bei den Batterien mit Schrägstart erhält das Zielortungs-Fu. M. G. einen zweiten Meßkanal für die elektrische Ortung der Flak-R. Beim Senkrecht-Start soll für die elektrische Ortung der Flak-R kein zweites Fu. M.G., sondern eine Sachsig gelagerte Ortungsantenne genommen werden, die weniger Aufwand erfordert als der „Drache".


Das Fu. M. G. erhält Geber für die ferngesteuerte Nachführung optischer Ortungsgeräte und der Startgestelle für Schräg-Start.


b) Optische Ortungsgeräte.


Zur optischen Ortung des Zieles, die bei guter Sicht eine genauere und stetigere Steuerung der Flak-R zuläßt und die besonders für „Schmetterling" vorgesehen ist, werden Flak-Richt-Geräte (F. R. G.) benutzt. Sowohl das F. R. G. 40 A als auch die Neuentwicklung F. R. G. 43 sind 2achsig gelagert, was für die Flak-R-Ortung Nachteile hat. Beim Senkrechtstart soll für den ersten Einsatz und als Hilfsverfahren beim Ausfall oder der Störung der elektrischen Ortungsgeräte auch die Flak-R optisch geortet werden können. Hierzu soll ebenfalls das F. R. G. 40 A mit 2 Richtleuten Verwendung finden.


Für den techn. Schießenden ist noch ein weiteres optisches Gerät, das Sachsige Flak-Folge-Gerät (F. F. G.), von Askania entwickelt worden, das über Empfänger von einem Fu.M.G. oder F. R. G. ferngesteuert wird. Es hat einen Sitz für den techn. Schießenden, ein sehr lichtstarkes Glas, den Steuerknüppel und noch ein Anzeigegerät zur Anzeige der Winkeldifferenz zwischen den Richtungen zum Ziel und zur Flak-R, die der techn. Schießende zu Null steuern muß.


Als Zusatzgerät ist bei Schräg-Start noch ein einfacher Vorhaltrechner erforderlich, der das Startgestell gegenüber der Optik um einen grob berechneten Vorhalt vorsteuert, damit die Flak-R auch sicher im Glas des techn. Schießenden erscheint. Für den Senkrecht-Start ist ein besonderes Einlenk-Rechengerät mit Parallax-Rechner notwendig, das zum Umlenken der Flak-R aus der Senkrechten in die Zielrichtung auf günstigster Flugbahn dient.


c) Funklenkanlage.


Alle Flak-R werden vorerst nach dem „Kehl-Straßburg"-Funklenk-Verfahren ferngesteuert, das später durch das Gerät „Kogge" ersetzt wird. Dazu ist am Boden ein Funkkommando-Sender vorhanden, der die Steuerkommandos des Steuerknüppels an die Flak-R überträgt. Beim „Wasserfall" ist für später der Übergang von der Knüppelsteuerung von Hand zu einem Verfahren der selbsttätigen Funklenkung geplant, zu dem aber ebenfalls ein Funkkommando-Sender gehört.


d) Signal- und Meldeanlagen.


Zwischen der Batteriebefehlsstelle, den techn. Schießenden am Steuerknüppel und den Startstellen ist eine Signal- und Meldeanlage erforderlich, die bestimmte Signale überträgt wie z. B. „Flak-R startklar", „Störung", „Bedienung im Unterstand", „Feuer frei", „Feuerverbot" usw. Diese Anlage ist notwendig, um die schnelle Verständigung im Gefecht sicher zu stellen. Für solche Anlagen bestehen Vorbilder vor allem bei der Kriegsmarine.


Zusammenfassung.


Zur Ortung der Ziele und der Flak-R sind elektrische Ortungsgeräte (Fu. M.G. „Mannheim-Riese", später „Rheinland") und optische Ortungsgeräte (Flak-Richt-Gerät und Flak-Folge-Gerät) erforderlich. Vorhalt- und Parallax-Rechner sowie ein Einlenk-Rechengerät sind Zusatzgeräte für Schräg- und Senkrecht-Start.


Die sichere und schnelle Verständigung zwischen Batteriebefehlsstelle, den techn. Schießenden und den Startstellen erfordert eine Signal- und Meldeanlage.

 


IV. Sonstige Einrichtungen und Geräte in den Batteriestellungen.


a) Lagerräume.


In jeder Batteriestellung müssen Lagerräume für 80 Flak-R vorhanden sein (8 Startstellen mit je 10 Flak-R). Eine Aufstellung der Flak-R im Freien scheidet wegen der Empfindlichkeit der hochwertigen Geräte aus. Die Lagerräume für „Wasserfall" haben eine Höhe von rd. 10 m. Für die übrigen Flak-R ist die Höhe der Lagerräume geringer. Die Räume müssen trocken, gut gelüftet u. U. bei strengem Frost auch heizbar sein, damit die Temperatur nicht unter einen bestimmten, durch Versuche noch zu ermittelnden Wert, absinkt. Die Flak-R sind zwar für tiefe Temperaturen ausgelegt, die Leistung kann sich aber durch zu starke Abnahme des Drucks hochverdichteter Gase mit sinkender Temperatur ändern. In den Lagerräumen sollen die Flak-R für die Wartung und Geräteprüfung zugänglich sein. Die Tore müssen im Gefecht schnell geöffnet und geschlossen werden können (Schiebetore).


b) Werkstatt und Prüfraum.


Jede Stellung muß eine Werkstatt haben, in der kleine Instandsetzungen an den mechanischen Geräten (Armaturen, Rudermaschine) und an den Hochfrequenzgeräten (Antennen, Empfänger, Mischgeräte) ausgeführt werden können. Für die laufende Überprüfung muß die Hochfrequenz-Werkstatt mit einem Satz Prüfgeräte ausgerüstet sein. Zur Werkstatt gehört auch ein kleines Lager für Ersatzgeräte und -teile.


c) Hebezeuge.


In den Stellungen sind Hebezeuge für das Entladen der Flak-R aus Last- oder Eisenbahnwagen und für Transportarbeiten in den Lagerräumen, der Werkstatt usw. erforderlich. Für „Wasserfall" ist hierzu der fahrbare Miag-Kran K 5000 D/P mit 9,25 m Hubhöhe bei 4 t Belastung entwickelt worden. Er dient

1. zum Abladen der liegend in der Stellung ankommenden Flak-R,
2. zum Transport der liegenden Flak-R von der Ablade- zur Aufrichtstelle,
3. zum Aufrichten der Flak-R in die senkrechte Stellung und zum Umlegen unklarer Flak-R,
4. zum Transport der senkrecht stehenden Flak-R von der Aufrichtstelle in die Lagerräume.


Bei den kleineren Gewichten der übrigen Flak-R und deren geringeren Abmessungen kann in diesen Stellungen das Hebezeug kleiner sein (z. B. Miag-Kran K 5000 D mit 5,2 m Hub bei 2 bis 5 t Tragfähigkeit). In den Stellungen sollen mit Rücksicht auf den Aufwand keine ortsfesten Krananlagen oder Kranbahnen in den Lagerräumen vorgesehen werden.


d) Stromversorgung.


Für die Fu. M. G., Funklenkanlagen und Startgestelle werden etwa 60 bis 90 kVA Drehstrom von 220 Volt gebraucht, wofür bereits eingeführte Dieselmaschinensätze mit Gleichrichtern für Sammlerladung genommen werden können (einer zu 60 kVA und einer zu 30 kVA als Notmaschinensatz).

e) Feuerlöschgeräte.


Durch die flüssigen Brennstoffe sind alle Flak-R sehr feuergefährliche Geräte. Brände können z. B. beim Leckwerden von Behältern infolge Korrosion oder durch undichte Armaturen entstehen. Beim Zusammenfluß der beiden selbstentzündlichen Brennstoffe entsteht auch beim Fehlen von Luftsauerstoff ein Brand, der kaum gelöscht werden kann. Deshalb ist eine Brandbekämpfung mit dem Schaumlöschverfahren zwecklos. Versuche haben gezeigt, daß durch sehr starke Verdünnung mit Wasser ein Brand sich erheblich eindämmen läßt. Hierfür sind in den Stellungen leistungsfähige Pumpen und Brunnen oder Wasserbehälter notwendig.


f) Schutzeinrichtungen.


Die Flak-R sollen in den Stellungen mit betankten Behältern angeliefert werden. Möglicherweise kommt aber die Betankung mit dem eigentlichen Brennstoff, dessen Menge kleiner ist als die des Sauerstoffträgers, erst in der Stellung infrage, um auf dem Transport eine Selbstentzündung beider Stoffe infolge von Undichtigkeiten zu verhindern. Obwohl also in den Stellungen im allgemeinen nicht mit den gefährlichen Sauerstoffträgem umgegangen zu werden braucht, muß doch beim Austritt solcher Flüssigkeiten an eine Flak-R herangegangen werden. Hierzu sind säurefeste Schutzanzüge (Jacke, Hose, hohe Stiefel, Handschuhe und Brille mit Gesichtsschutz) sowie Gasmasken mit Sonderfiltern gegen nitrose Gase erforderlich. Zur Ausrüstung des Sanitätsdienstgrades jeder Batterie müssen auch ein Atemgerät und Schutzmittel gegen Verätzungen gehören.


U. U. sind noch Schutzeinrichtungen erforderlich gegen Schäden durch die herabfallenden Teile der Pulverstarthilfen bei „Enzian", „Schmetterling" und „Rheintochter", die nach rd. 600 bis 800 m Flugweg von der Flak-R abgesprengt werden. Gefährdet können bei steilen Starts das Fu. M. G., F. R. G. und F. F. G. mit den Richtleuten und den techn. Schießenden sein.


g) Unterkünfte.


Da die Kopfstärke einer Flak-R-Batterie nicht größer als die einer Geschützbatterie ist, stellt die Unterbringung der Leute keine besonderen Aufgaben. Die Unterkünfte müssen wegen der Gefahr des Auftretens nitroser Gase beim Start genügend weit ab von den Startstellen angeordnet werden.

 


Zusammenfassung.


In den Batteriestellungen müssen Lagerräume für 80 Flak-R vorhanden sein, dazu ein Werkstatt- und Prüfraum für kleine Instandsetzungen und die laufende Prüfung der Hochfrequenzgeräte.


Ein möglichst vielseitig verwendbares, fahrbares Hebezeug ist der Miag-Kran K 5000 D, der in einer Sonderausführung für die Flak-R „Wasserfall" 9,25 m Hub hat.


Für die Stromversorgung sind 2 Dieselmaschinensätze für 60 und 30 kVA Drehstrom 220 V mit Ladeeinrichtungen für Sammler notwendig.


Fahrbare Feuerlöschpumpen sind je Stellung 3 bis 5 erforderlich, um große Brände wenigstens eindämmen zu können.


An Schutzeinrichtungen kommen Schutzanzüge, Gasmasken mit Filtern gegen nitrose Gase, Augen- und Gesichtsschutz, Atemgeräte und Mittel gegen Verätzungen infrage.


An die Unterkünfte sind keine besonderen Anforderungen zu stellen.

 

V. Batteriebefehlsstelle.


Die BBS ist im Gefecht besetzt mit dem taktisch Schießenden, dem Befehlsübermittler, dem Funklenk-Offizier, dem Trupp für die Zieleinweisung und mit Fernsprechern: An. techn. Einrichtungen hat die BBS außer der Signal- und Meldeanlage zu den Startstellen und den techn. Schießenden vor allem Geräte für die Zieleinweisung der Fu.M.G. (z, B.. Geräte „Haselnuß" oder „Luxor"). Die BBS wäre zweckmäßig zu verbunkern. Eine Übersicht über die Startstellen von der BBS aus ist erwünscht.


Die BBS einer Flak-R-Batterie wird zweckmäßig auch als zentrale Schaltstelle für die Stromversorgung, die Signal- und Meldeanlage und die Fernsprechleitungen angelegt. Entwürfe hierfür werden noch ausgearbeitet.


VI. Entwürfe für Batteriestellungen.


a) Allgemeines.


Die räumliche Anordnung der Startstellen und der Geräte für die Zielortung und die Funklenkung ist durch die Arbeitsweise der Geräte festgelegt. Die Zahl der Startstellen wird durch taktische Forderungen bestimmt, während ihre gegenseitigen Abstände durch Sicherheitsforderungen festgelegt sind.


Im Endausbau müßte jede Flak-R-Stellung aus zwei gleichen Halbbatterien mit je 4 Startstellen, 1 Funklenkanlage und 1 Zielortungsgerät bestehen. Diese Anordnung stellt auch eine Reserve dar, da beim Ausfall der einen Halbbatterie die andere weiter schießen kann. Die Flak-R-Batterien wären am zweckmäßigsten voll zu verbunkern, um ihre stete Einsatzbereitschaft zu sichern und ihre kostspieligen Geräte vor Beschädigung und Vernichtung zu schützen. Die Verbunkerung ist aber wohl kaum in dem Rahmen durchführbar, in dem der Einsatz der Batterien notwendig ist. Möglicherweise kann eine beschränkte Anzahl von Stellungen in besonderer Lage als Bunkerstellungen angelegt werden.


Nachstehend sind 2 Entwürfe für „Wasserfall"-Stellungen beschrieben, von denen die eine Holzbaracken als Lagerräume und die andere halbsichere Bunker hat. Eine vollsichere Verbunkerung ist möglich, nur ist der Stahlbedarf hierfür entsprechend groß.


Die verbunkerten Fu.M.G.-Stände, die Lagerräume, Gleisanlagen und Startstellen lassen eine Verlegbarkeit der Flak-R-Batterien nicht zu. Lediglich für die Flak-R „Schmetterling" ist bei den geringen Gewichten der Flak-R, des Startgestells und des Zubringewagens eine beschränkte Verlegbarkeit möglich, solange nur nach rein optischer Sicht gesteuert werden soll, also kein Fu. M. G. vorhanden ist.


Eine Flak-R-Stellung hat folgende Bauten:

8 Lagerräume für je 10 Flak-R 1 Werkstatt- und Prüfraum
1 Batteriebefehlsstelle Unterkünfte für 150 Mann
8 Startstellen
2 (4) Stände für Fu. M. G. bzw. Ortungsantennen 2 (3) Stände für F. R. G.
2 (3) Stände für F. F. G.

 


b) Unverbunkerte Stellung für "Wasserfall".


Folgende Bildreihe gibt eine Stellung nach vorstehenden Grundsätzen wieder unter Verwendung von Holzbaracken nach Bild 22 als Lagerräume.

 

Abscuss

Bildreihe

 

Bild 22

Bild 22: Lagerhalle für "Wasserfall"

 

Die Stellung hat 2 Pu. M. G.-Stände, die als Betonbunker von 13,5 m Länge, 5 m Breite und 3 bis 5 m Höhe bei 0,5 m starken Wänden und Decken ausgeführt werden sollen. Auf dem Bunker steht der Fu.M.G.-Spiegel mit 7 m Durchmesser und in dem Bunker das dazugehörige Hochfrequenzgerät. Jeder Bunker erfordert etwa 100 m3 Beton und 5t Bewehrungsstahl.


25 m vom Fu. M. G. entfernt sind die Stände für das F. R. G. und F. F. G., die als Erdstände mit Splitterschutzwall aus Erde ausgeführt werden können. 125 m vom Fu. M.G. ab liegt die Mitte der dazugehörigen Startstellen, die auf einem Kreis von 35 m Halbmesser liegen und untereinander 50 m Abstand haben. 30 m von jeder Startstelle entfernt steht eine Holzlagerhalle nach Bild 22. In ihr liegen 2 Gleise von 2 m Spurweite, die bis über die Startstelle hinaus laufen. Auf jedem Gleis stehen 5 Flak-R.


Zwischen den beiden spiegelbildlich angeordneten Halbbatterien liegt noch ein dritter F. R. G.- und F. F. G.-Stand, der aber nur für „Wasserfall" erforderlich ist.


Im Endausbau wird in der Mitte zwischen je 4 Startstellen noch eine 3achsige Antenne für die elektrische Ortung und Umlenkung des „Wasserfall" stehen.


Zwischen den Startstellen und Gerätständen sind Straßen notwendig, auf denen der Miag-Kran die Flak-R und die Geräte transportieren kann. Vor der Werkstatt ist eine große Betonfläche als Abladeplatz für den Flak-R-Nachschub vorgesehen.


Die ganze Stellung ist 550 m lang und 240 m breit. Die Unterkünfte können beliebig liegen.

 

Baustoffbedarf



Die Stellung hat keinen Schutz gegen Bombenangriffe, da Splitterschutzwälle und Dachabdeckungen für die 10 m hohen Holzlagerhallen mit erträglichem Aufwand nicht zu erstellen sind. Der hohen Hallen, Straßen und Gleise wegen ist die Stellung auch schwer zu tarnen. Im Truppenbau können nur die Lager- und Werkstatthallen und Unterkunftsbaracken erstellt werden. Startstellen, Fu.M.G.-Stände, Straßen und Gleise müssen unter Mitwirkung von Fachkräften gebaut werden.

Für die übrigen Flak-R „Enzian", „Schmetterling" und „Rheintochter" ist der Gesamtaufwand etwas geringer. Unverändert bleiben. Fu. M.G.-Stände, Batteriebefehlsstelle und Unterkünfte. Einfacher werden für „Enzian" und „Schmetterling" die Startstellen. Für „Rheintochter" ergeben die 2 m tiefen Gruben von 8,8 m Durchmesser nach Bild 21 (siehe oben) etwa den gleichen Aufwand wie die Startstellen für „Wasserfall". Die Abmessungen der Lagerräume für die übrigen Flak-R stehen noch nicht fest, da die zweckmäßigste Art der Lagerung (liegend oder stehend) noch untersucht wird. Die Straßen brauchen weniger befestigt zu sein als in der „Wasserfall'-Stellung.


c) Halbverbunkerten Stellung für „Wasserfall".


Man lagert Sprengstoff in Bunkern von etwa 75 cm Wandstärke, die nach einer Seite nur durch Holztüren abgeschlossen sind. Tritt eine Explosion ein, so fliegt die Tür heraus und die Nachbarbunker werden nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Ein annähernd quadratischer Grundriß ist in 10 Zellen unterteilt, von denen 8 als Lagerzellen für je 5 Flak-R, 1 als Werkstatt und 1 als Gerätebunker für 1 Fu. M. G. dienen. Wände und Decke sind aus 1 m starkem, besonders sicher bewehrtem Stahlbeton. Die 10 m hohen Zellen sind nach außen durch Holz-Schiebetore abgeschlossen. An 2 Längsseiten sind 3 m hohe schmale Untertreträume für die R-Trupps vorgesehen. Aus jeder Zelle führt ein Gleis zur 20 m entfernten Startstelle. Der „Drache" bzw. eine einfachere 3achsig gelagerte Ortungsantenne steht mitten auf dem Dach des Bunkers. Die zugehörigen Hochfrequenz- und Steuergeräte sind in der mit Fu. M. G. bezeichneten Zelle, die bei ihrer großen Höhe noch als Unterkunft für eine Bereitschaftsbedienung oder als Lager und Prüfraum dienen kann, untergebracht. Die außerdem noch freie Zelle dient im Bunker 1 als Werkstatt und im Bunker 2 als Batteriebefehlsstelle. Durch die sehr gute Raumausnutzung ist die Stellung leicht zu tarnen. Um jeden Bunker läuft eine befestigte Straße, die auch beide Bunker verbindet

 

Baustoffbedarf

Dafür bietet sie einen Schutz gegen leichte und mittlere Brand- und Phosphorbomben und gegen kleine Sprengbomben. Es besteht aber noch die Gefahr, daß Splitter durch die Holztore hindurch die Flak-R treffen können. Durch den hakenkreuzartigen Grundriß der Anlage ist aber immer nur ein Teil der Flak-R dieser Gefahr ausgesetzt.


In dieser Stellung können lediglich die Unterkünfte im Truppenbau erstellt werden.


Für die übrigen Flak-R ist dieser Stellungsentwurf nicht brauchbar, weil der Bunker mitten zwischen den Startgestellen den Schräg-Start behindern würde. Da aber die Lagerbunker für diese Flak-R niedriger sind als für „Wasserfall", kann für die übrigen Flak-R auch bei verbunkerten Lagerhallen der Grundriß beibehalten werden. Auch bei „Wasserfall" stört der Bunker etwas den techn. Schießenden am F. F. G., da er die Sicht zu einer Startstelle nimmt. Beim Senkrecht-Start ist dies aber nicht wesentlich, da ja die Anfangsrichtung senkrecht nach oben geht.


d) Vollverbunkerte Stellung für "Wasserfall".


Die Flak-R aus einer festungsartigen Stellung zu starten, wäre die sicherste Lösung, die allerdings wegen des Aufwands an Baustoffen und Arbeitsstunden nur auf lange Sicht hinaus zu verwirklichen ist. Unter Zuhilfenahme geeigneter maschineller Einrichtungen könnte man mit 4 statt 8 Startstellen auskommen, so daß man nur einen großen Bunker für 80 Flak-R benötigte. Für einen solchen 30 m x 40 m großen und innen 10 m hohen Bunker bei 2,5 m Wand- und 3,5 m Deckenstärke wären nach einem durchgerechneten Entwurf rd. 18000 nf Stahlbeton und rd. 900 t Bewehrungsstahl,
also die 2fache Beton- und die 2,6fache Stahlmenge wie für die beiden halbsicheren Bunker erforderlich.


Ein solcher Bunker würde aber völlige Sicherheit bieten. Er könnte so angelegt werden, daß nur die jeweils zum Start fertige Flak-R ungeschützt im Freien steht und die Bedienungen völlig geschützt im Bunker bleiben. Das setzt allerdings maschinelle Anlagen voraus. Ein solcher Flak-R-Bunker wäre einem Ferngeschützbunker des Atlantikwalles vergleichbar und ein unverletzbares Element eines Flak-Festungs-Gürtels.


Unterdessen ging die Entwicklung und Erprobung der verschiedenen Flak-Raketen nur sehr langsam voran. Immer wieder zeigte sich der Nachteil, der sich bei der Schaffung zuvieler verschiedener Systeme ergab.
Sicher wäre es besser gewesen, nur ein Projekt voranzutreiben und hierfür alle, ohnedies nur spärlich vorhandenen Mittel einzusetzen.


Die Probleme der Steuerung glaubte man dadurch lösen zu können, daß man befahl, nach Möglichkeiten für eine einheitliche Lenkung von „Wasserfall", „Rheintochter", „Schmetterling" und „Enzian" zu suchen, wie man aus dem Dokument vom 21.12.1943 ersehen kann.

21.12.1943

21.12.1943 pdf. Datei Grösse 1 MB

 


Auch die Vermessung der Flugversuche sollte einheitlich geregelt werden. So hat die Flakversuchsstelle der Luftwaffe in Karlshagen/Pommern am 28.1.1944 Bb. Nr. 450/44 g, Flak eine ausführliche Verfügung über die Zusammenarbeit verfügt.

Hier heißt es u. a.:

„Bei den zu treffenden Festlegungen ist zu berücksichtigen, daß die Flakversuchsstelle beauftragt ist, neben der Erprobung „Wasserfall" auch die Freiflugerprobung für die Geräte „Schmetterling", „Rheintochter" und „Enzian" vorzunehmen. Die Versuchsschießen mit diesen Geräten sollen von der Startstelle Strand (vor Pr. IX) erfolgen.

 

Am 7.2.1944 wurde von derselben Stelle unter der Bd. Nr. 942/44 g /HAP eine klare Festlegung der Basen und Stände getroffen und bestimmt, daß sämtliche Verschaltungs-arbeiten durch HAP 11 durchgeführt werden.


Und weil das Versuchsgelände „Greifswalder Oie" Eigentum des Reichsfiskus Heer war, wurde am 29.4.1944 unter der Bb. Nr. 1601/44 g vom Heimat-Artillerie Park 11, Karlshagen festgestellt, daß nunmehr auch diese Anlage durch die Flakversuchsstelle der Luftwaffe, Karlshagen benutzt werden kann.


Am 2.10.1944-wurde vom OKL-TL/Flak-E unter Bb. Nr. 573/44 g. Kdos. (Il/C) die Ausarbeitung über die Stellung „Brabant" für den Abschuß der Flak-Raketen erlassen.Hierin heißt es:


Bericht über den Aufbau der Stellung „Brabant".


Der nachfolgende Bericht gibt eine Übersicht über den geplanten Aufbau der Stellungen „Brabant"; mit diesem Stellungsaufbau soll der Einsatz der Flak-R durchgeführt werden. Die Stellung besteht im wesentlichen aus folgenden Geräten:

Funkmeßgerät für die Zielortung Fu. M. G. (Z)
Funkmeßgerät für die Flak-R Ortung und Lenkung Fu. M. G. (L)
Lafetten bzw. Startstellen der Flak-R.


Der Bericht gliedert sich in folgende Abschnitte:
I. Aufbau des Funkgerätes für die Zielortung Fu. M. G. (Z)
II. Aufbau des Funkgerätes für die Funklenkung Fu. M. G. (L)
III. Aufbau der Steuerung in den Stellungen.

 

 

Bild 13

Burgund Stellung : Skizze U.S.A

 

 

 

 

 

 

Dokumente

Wasserfall (Flak-R)

 

 

Besprechung

Besprechung vom 14.10.1944 - Organisation und Aufstellung pdf Datei Grösse 16 MB

 

 

Statische Untersuchungen

Statische Untersuchungen W-1 - pdf Datei Grösse 30 MB

 

 

Fertigungsaufwand

Fertigungsaufwand für Wasserfall - pdf Datei Grösse 3 7 MB

 

 

 

 

Diese Berichte könnten Sie auch interessieren ?

Rheintochter

 

 

Titel

 

 

Werbung

 

 

 

 

 

............. zurück an den Anfang !

 

 

 

 

Name